Höhepunkte

Das erwartet die Besucher auf der ILA in Schönefeld

Bis zum Sonntag werden 20.000 Besucher der internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung erwartet. Ein Überblick über die Highlights.

Foto: DPA

Auch wenn die Reise im Flugzeug etwa von Berlin nach London inzwischen kaum aufregender ist, als eine Fahrt in der U-Bahn vom Alexanderplatz nach Ruhleben, so hat die Fliegerei für viele Menschen ihre Faszination längst nicht verloren. Und so werden ganz sicher auch in diesem Jahr wieder Hunderttausende hinaus nach Schönefeld zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) fahren, um sich über die neuesten Trends zu informieren. Waren die ersten drei Tage der Messe traditionell dem Fachpublikum vorbehalten, öffnet die Schau der Superlative vom heutigen Freitag an bis zum Sonntag (jeweils von 10 bis 18 Uhr) ihre Tore für jedermann. Die Veranstalter erwarten wieder mehr als 200.000 Besucher. Das Wetter scheint es gut mit ihnen zu meinen. Für die kommenden Tage sagen die Meteorologen zwar relativ kühle Temperaturen, aber auch viel Sonnenschein und kaum Regen voraus. Also beste Voraussetzungen vor allem für die Flugvorführungen am Himmel. Doch was erwartet den Besucher noch auf der ILA? Morgenpost Online gibt einen Überblick:

Das neue Messegelände Zunächst erwartet die Besucher ein neuer Veranstaltungsort. Weil das alte ILA-Areal im Süden des Schönefelder Flughafens dem Neubauprojekt im Wege war, musste ein neuer Standort gefunden werden. Lange Zeit taten sich Berlin und Brandenburg schwer damit. Erst als der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e.V. (BDLI) mit der Abwanderung der Schau etwa nach Leipzig drohte, kam eine entsprechende Vereinbarung zustande. Das neue, insgesamt zehn Hektar große Messeareal liegt nun im Südwesten des BER, im Schönefelder Ortsteil Selchow. Insgesamt rund 40 Millionen Euro haben die Messe Berlin und die Brandenburger Zukunftsagentur in das Berlin ExpoCenter Airport investiert. Weil die Eröffnung des BER sich weiter – nunmehr auf den Oktober 2013 – verzögert, haben die Veranstalter der ILA die nagelneue, vier Kilometer lange BER-Südbahn für sich allein. Der Vorteil: Die Vorführungen müssen nicht wie in den vergangenen Jahren zeitlich in den normalen Flugbetrieb in Schönefeld eingeordnet werden. Das erhöht die Flexibilität und lässt längere Vorführungen in der Luft zu. So wird etwa die Bundeswehr am Sonnabend und Sonntag unter dem Namen „Willfire 2012“ ein 20-minütiges Schau-Programm bieten, an dem gleichzeitig bis zu acht Flugzeuge und Helikopter beteiligt sein werden. „Gezeigt wird dabei zum Beispiel, wie in der Luft von einem Hubschrauber ein Jeep abgesetzt wird, der anschließend am Boden von einem Transportflugzeug Transall wieder aufgenommen wird“, kündigte ILA-Sprecher Wolfgang Rogall an. Auch das Betanken von Flugzeugen in der Luft wird vorgeführt – aus Sicherheitsgründen aber nur als Simulation.

270 Fluggeräte zu sehen

Die Stars Zwei der größten Stars der zivilen Luftfahrt, der A380 von Airbus (größtes Passagierflugzeug der Welt) und die B 747-8 (längstes Passagierflugzeug der Welt) – waren zwar zur Eröffnung der ILA gekommen, sind inzwischen aber nicht mehr in Schönefeld. Dafür soll am Freitag ein dritter Gigant, die „Beluga“ von Airbus eintreffen. Die „Beluga“, deren Form an einen Walfisch erinnert, ist das Flugzeug mit dem weltweit größten Frachtraum und wird zum Beispiel zum Transport von Flugzeug-Rümpfen genutzt. „Wir freuen uns riesig darüber, dass die größten Maschinen der Welt bei uns zu Gast waren“, sagte Messe-Sprecher Rogall. Auch der neu entwickelte Airbus-Militärtransporter A400M ist auf der ILA zu sehen. Der größte europäische Flugzeughersteller zeigt außerdem eine neue A320. Der Bestseller von Airbus verfügt über sogenannte Sharklets. Die neue Flügelform soll den Treibstoffverbrauch um vier Prozent reduzieren. Deutlich stärker als die zivile Luftfahrt ist auf dem ILA-Freigelände das Militär präsent. Die Bundeswehr zeigt so ziemlich alles, was ihre Luftwaffe im Bestand hat. Auch die US Air Force ist mit Kampf- und Transportflugzeugen stark vertreten. Insgesamt sind aber dennoch rund 270 Fluggeräte zu sehen. Mit 1243 Ausstellern aus 46 Ländern kann die „Berlin Air Show“ – wie die ILA auch genannt wird – auf eine neue Rekord-Beteiligung verweisen.

In der Luft Das Besondere jeder Luftfahrtschau sind natürlich die Flugvorführungen. An allen drei Publikumstagen wird es, so es die Bedingungen zulassen, ein volles Flugprogramm geben (siehe Info-Kasten). Am Freitag zeigen unter anderem türkische und polnische Staffeln ihre Flugkünste. Seine Premiere feiert in Berlin der X3-Technologie-Demonstrator von Eurocopter. Der X3 ist ein Hybrid – teils Hubschrauber, teils Flugzeug. Zu den weiteren ILA-Highlights dürften in jedem Fall die Demonstrationsflüge des Airbus Truppentransporter A400M und der A320 sowie die Fähigkeitsdarstellung der Bundeswehr gehören. Geplant ist zudem die atemberaubende Vorstellung von „Lady Wingwalker“, die ganz ihrem Namen entsprechend während des Fluges über die Flügel ihrer Maschinen laufen will. Aus dem ILA-Partnerland Polen hat sich auch noch die „Grupa Zelezny“ angesagt, die am Sonnabend und Sonntag akrobatische Kunstflugübungen in der Luft vollführen werden. Geplant sind auch mehrere Kurzflüge eines Solar-Leichtflugzeuges, das nur mit Sonnenstrom fliegt. Die „Elektra One Solar“ hatte bereits bei ihrer Anreise zur ILA bewiesen, dass Flugzeuge in Zukunft auch ohne das immer teurere Kerosin fliegen können.

Am Boden In insgesamt sieben Hallen präsentieren Hersteller und Forschungseinrichtungen beinahe alles, was es zum Thema Luft- und Raumfahrt gibt. Schwerpunkte sind der Einsatz neuer, kerosinsparender Technologien. Auch die Suche nach alternativen Kraftstoffen ist ein Thema. Unbedingt empfehlenswert ist der Blick in die Halle 4, dem Space-Pavillon Unter dem Titel „Space für Earth“ steht besonders der Aspekt der Weltraumforschung im Vordergrund, der Nutzen für das Leben auf der Erde hat.

Luftfahrtgeschichte Als besondere Attraktion sehen die ILA-Veranstalter die Flugvorführungen mit sogenannten Nostalgie-Flugzeugen an. Zu sehen sein werden Maschinen aus allen Dekaden der inzwischen mehr als 100-jährigen Geschichte der „Mutter aller Luftfahrtmessen“, als die sich die ILA auch bezeichnet. Fans historischer Maschinen dürfen sich zum Beispiel auf Flüge des wohl ersten Düsenjägers der Welt, der Messerschmitt Me262 (EADS Heritage) und einer „De Havilland DH 84“ freuen. Die „alte Tante Ju“ (Junkers Ju52), das auf den Namen „Tempelhof“ getaufte Traditionsflugzeug der Deutschen Lufthansa, steigt außerdem zu Rundflügen mit Besuchern auf.

Kosten Der ILA-Besuch ist nicht gerade billig. Die normale Eintrittskarte kostet inzwischen 22 Euro und damit drei Euro mehr als bei der Luftfahrtschau vor zwei Jahren. Familientickets gibt es noch immer nicht. Für Kinder im Alter unter sechs Jahren muss jedoch kein extra Eintritt gezahlt werden. Ermäßigte Tickets zum Preis von 14 Euro (2010: 12 Euro) gibt es für Schüler, Studenten, Wehr- und Zivildienstleistende sowie Schwerbehinderte. Wichtigste Zahl für die kulinarische Versorgung ist die Drei. So kosten Bratwurst, Bulette, Pizza oder ein Paar Wiener ebenso einheitlich 3 Euro wie etwa ein Becher Bier (0,3 Liter). Laut Veranstalter können jedoch Speisen und Getränke auch von zuhause mitgebracht werden.