Cornelia Yzer

Wie Henkel seine neue Wirtschaftssenatorin überzeugte

Bei Zitronentarte und Milchkaffee plauderte der CDU-Chef mit Cornelia Yzer über das Stellenangebot. „Sie ist erste Wahl”, sagt Frank Henkel.

Foto: DAPD

Frank Henkel wollte vorbeugen. Seit es die ersten kritischen Berichte über seine Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz gab, hatte Berlins CDU-Chef nach möglichen Alternativen gesucht.

Denn die parteilose Quereinsteigerin, die ihm von den Chefs der Berliner Industrie- und Handelskammer empfohlen worden war, galt wegen der diversen Konflikte an mehreren Fronten schon länger als unsichere Kantonistin. Kaum jemand in der CDU wollte ausschließen, dass sie selber hinwerfen oder dass man sie aus dem frisch erworbenen Amt würde drängen müssen. „Ich gehe ungern unvorbereitet in eine Situation rein“, sagte der Innensenator am Mittwoch, als er schilderte, wie er von Obernitz' Nachfolgerin Cornelia Yzer für den Job im Berliner Senat gewonnen hatte. Es habe immer wieder „Gedankenspiele“ gegeben, räumte Henkel ein: „Man guckt sich einfach mal um.“

Dabei stieß der Senator auf die ehemalige Chefin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller, die seit Juni 2011 ausgeschieden war und sich nun nach eigenen Worten „wirtschaftsberatend“ als Anwältin betätigte.

Am Sonnabendvormittag, noch bevor Henkel und Obernitz ihr endgültiges Zerwürfnis in einem Telefonat feststellten, rief der CDU-Chef in einem „Überraschungsangriff“ bei Yzer an und bot ihr den Senatorenposten an. Ein gutes Gespräch, berichtete die Umworbene am Mittwoch, obwohl sie zunächst gedacht habe: „Das kann doch nicht wahr sein.“

SMS an Henkel

Am Sonntag trafen sich die beiden dann, im Wiener Conditorei Caffeehaus am Roseneck, in der Nähe von Yzers Schmargendorfer Wohnung. Zwei Stunden plauderten sie, bei Milchkaffee und Zitronentarte. „Ich wollte sie nicht überfahren“, sagte Henkel.

Sonntagabend beriet der Landeschef dann mit den anderen führenden CDU-Leuten in der Geschäftsstelle den Rücktritt und berichtete von seinen Gesprächen mit möglichen Nachfolgern. Henkel ließ sich bescheinigen, richtig gehandelt zu haben. Yzer meldete sich Montagvormittag wieder telefonisch. Sie wollte sich über die Reaktion in den Gremien informieren.

Dann dachte die 51 Jahre alte alleinerziehende Mutter einer 13 Jahre alten Tochter nach, ob sie sich in dieser persönlichen Situation das Amt zutraut. Aber obwohl sie es sich nach eigenen Worten nach 15 Jahren in Verband und Freiberuflichkeit nicht habe vorstellen können, dass sie noch einmal der „politischen Versuchung erliegen“ könnte, siegte das Interesse an der neuen Aufgabe.

Sie hatte sich auch mit ihrer Tochter beraten. Denn der Teenager müsse „dieses Amt mittragen und mit ertragen“, wie es die Mutter formulierte. Denn sie würde von nun an in der Öffentlichkeit stehen. Für die Lieblings-Wochenendbeschäftigung, nach dem Frühstück gemeinsam Ausstellungen zu besuchen, würde weniger Zeit sein als bisher.

Sie schaute sich den Koalitionsvertrag von SPD und CDU an und wog ab, ob sie die Beschlüsse mittragen könnte. Und sie besah sich die Akteure, mit denen sie es künftig zu tun haben würde. Dabei fand Cornelia Yzer offenbar keine Hindernisse.

Am Abend schickte sie um 23 Uhr eine SMS an Henkel. Sie sei jetzt gesprächsfähig. Henkel antwortete aber nicht. Er war schon vom Netz. Ein „dickes Ohr“ habe er gehabt, vom Marathon-Telefonieren an diesem Tag, und keine Lust mehr, bekannte der Senator in aller Offenheit. So telefonierten die beiden am Dienstag früh miteinander. Yzer signalisierte ihre Bereitschaft. Am Abend stellte Henkel seine Senatorenkandidatin dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Florian Graf und dem Generalsekretär Kai Wegner vor, diesmal nicht in aller Öffentlichkeit wie im Kaffeehaus, sondern in seinem Büro in Mitte.

Das entscheidende Treffen

Bei diesem Treffen hätten sie dann „den Sack zugemacht“, berichtete Henkel. Der Kreis der Eingeweihten war so klein, dass der Name Yzer bis Mittwochmorgen geheim bleiben konnte. Gerüchte, wonach die frühere Staatssekretärin in zwei verschiedenen Bundesministerien nur genommen worden sei, weil andere Kandidaten abgesagt hatten, wies Henkel zurück. „Sie ist erste Wahl“, betonte der Senator.

Warum der CDU-Chef nicht schon vor neun Monaten während seiner ersten Suche nach einer Wirtschaftssenatorin auf die Juristin aus Lüdenscheid gekommen war, konnte Henkel nicht recht erklären. Man habe seinerzeit mit von Obernitz eben eine andere Entscheidung getroffen.

Offenbar hatte Henkel seit seinem Aufstieg zum Senator aber auch mehr Zeit, über Personalien nachzudenken. Und womöglich hatte er auch andere Berater, die ihm den Namen zugeraunt haben könnten.

Getroffen haben sich beide schon einmal, vor vielen Jahren. 1995 war das, bei einem Wahlkampftermin in Charlottenburg, wie beide mühsam rekonstruierten. „Da haben wir uns aber nicht so intensiv zur Kenntnis genommen“, sagte Henkel.