Streit beendet

Aus für die Buddy-Bären auf dem Kudamm

Der Streit über die Buddy-Bären am Kudamm ist beendet. Die Bundesländer stellen keine Figuren zur Verfügung. Nun werden Beete angelegt.

Foto: REUTERS

Eigentlich sollten bunte Buddy-Bären auf dem Mittelstreifen des Kurfürstendamms aufgestellt werden. Als Gruß an Berliner und Touristen. Doch diese Idee ist jetzt nicht mehr realisierbar. Wie Marc Schulte (SPD), Stadtrat für Stadtentwicklung in Charlottenburg-Wilmersdorf, mitteilte, haben ihm die Bundesländer seine Bitte abgeschlagen, einen „Landesbären“, temporär für den Boulevard, anzuschaffen. Hintergrund war Schultes Überlegung, die ausgedienten Beton-Blumenkübel auf der rund dreieinhalb Kilometer langen Promenade zwischen Halensee und Tauentzien durch Buddy-Bären zu ersetzen, damit dort nicht illegal geparkt werden kann. Die grauen Schalen sind in diesem Jahr erstmalig nicht mehr mit Blumen bepflanzt worden. Aus Kostengründen. In den Vorjahren waren die Schalen sogar zwei Mal im Jahr mit Pflanzen aus der bezirkseigenen Gärtnerei im Grunewald gefüllt und von den Gärtnern des Grünflächenamtes gepflegt worden. 50.000 Euro spart das Bezirksamt in diesem Jahr durch den Wegfall der Blumen und der Pflege.

Schon im Vorfeld gab es allerdings eine heftige Debatte wegen der Frage, ob Buddy-Bären auf dem Kurfürstendamm überhaupt angemessen sind. Sie könnten das Ansehen des Boulevards schädigen, meinten Kritiker. Befürworter hoben die Fröhlichkeit der Buddy-Bären hervor und dass es sich um universelle Botschafter für Frieden und Toleranz handele. Die Buddy-Bären, sonst als Botschafter in der ganzen Welt unterwegs, polarisierten wochenlang.

„Angepinselte Gartenzwerge“

Kultur-Manager Peter Raue beispielsweise schrieb in einem Gastbeitrag für die Berliner Morgenpost: Die Bären seien „lustig, laut, läppisch“, „angepinselte Gartenzwerge“. Der Idee, sie auf dem Kurfürstendamm aufzustellen, erteilte er eine strikte Absage: „Der Charme des Großstädtischen, des Boulevards, des Flanierens wird geraubt durch die buntscheckigen Buddy-Bären“, schrieb er.

Ähnlich wie Peter Raue sah es in seinem Gastbeitrag für diese Zeitung auch Bernd Schultz, der geschäftsführende Gesellschafter des Auktionshauses Villa Grisebach. Er riet in seinem Beitrag dem Bezirk als Erster strikt ab. Die Idee stamme „aus der Schreckenskammer der Verlegenheitslösungen, mit denen unsere Stadt überzogen ist“. Berlins „drollig-bunte Kitsch-Botschafter“ seien dem weltstädtischen Boulevard abträglich.

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) hingegen hätte gern noch mehr Buddy-Bären den Kurfürstendamm bevölkern lassen. Vor einigen Geschäften und Wohnhäusern stehe er ja ohnehin schon. Cumberland-Manager Dirk Germandi beispielsweise hatte für die denkmalgeschützte Kudamm-Immobilie einen eigenen Buddy-Bären gestalten lassen. Für Naumann sind die Bären nach wie vor das Produkt einer pfiffigen Idee – und eine Erfolgsgeschichte. Die Menschen liebten die Bären, weil sie gute Laune und Gemütlichkeit ausstrahlten und dabei nicht aufdringlich wirkten. „Inzwischen sind die immer wieder neu und einfallsreich bemalten Bären zum Markenzeichen und zu fröhlichen Botschaftern Berlins in aller Welt geworden“, schrieb Naumann in seinem Beitrag für diese Zeitung. Vergessen werde dürfe auch nicht, dass die Bären einem guten Zweck dienen. Allein 1,9 Millionen Euro seien für Kinder in Not zusammengekommen. Auch die praktische Seite der Bären, sie würden nur selten beschmiert und verursachten keine Unterhaltskosten, sei für das Bezirksamt ein wichtiges Argument gewesen, sich für das Vorhaben zu entscheiden.

Viele Leser der Berliner Morgenpost begrüßten die Idee, auf dem Kudamm 16 Buddy-Bären aufzustellen. Die Buddy-Bären gehörten zu Berlin wie das Brandenburger Tor, hieß es. Und die Bären sind noch immer eines der Lieblings-Foto-Motive der Touristen. Viele Gäste der Stadt, die die Bären bereits an vielen Orten in der Welt besucht haben, baten darum, das Projekt zu unterstützen.

„Hätte Westen zurückgeworfen“

Laut Hans Stimmann jedoch, dem ehemaligen Berliner Senatsbaudirektor, hätte eine Buddy-Bären-Installation den Westen Berlins zurückgeworfen „in die Zeit der, peinlichen Vertraulichkeit' mit dem Wasserklops vor dem Europa-Center oder noch schlimmer mit den ,Sieben Schwaben' auf dem Hohenzollerndamm“.

Nun hat sich der Streit erledigt. Laut Marc Schulte haben zwölf Bundesländer aus Kostengründen abgesagt. Ein Buddy-Bär passe auch nicht in die Marketing-Strategie der Bundesländer, habe es geheißen. Vier Länder – Brandenburg, Hessen, Baden-Württemberg und Niedersachsen – hätten überhaupt nicht reagiert.

Die Absage ist für Stadtrat Schulte jedoch kein Drama: „Es ist schade, dass es mit den Bundesländern und den Buddy-Bären nicht geklappt hat, aber wir haben bereits eine andere Lösung gefunden.“

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung habe sich bereit erklärt, dem Bezirk Hochbeete zu finanzieren. Die meisten der grauen Betonkübel sind bereits abgeräumt. An einigen Kreuzungen auf dem Mittelstreifen stehen sie allerdings noch als Platzhalter gegen das illegale Parken. Sie sollen jetzt schnell verschwinden, damit dort die Beete angelegt werden. Sie sollen möglichst noch in diesem Jahr bepflanzt werden, teilte Marc Schulte mit. Er schätzt die Anzahl der Hochbeete auf fünf bis zehn Stück. Auch der Buddy-Bär anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Kurfürstendamms werde auf dem Mittelstreifen des Kudamms in Höhe der Leibnizstraße stehenbleiben.