Kurfürstendamm

Bürgermeister Naumann steht zu den Buddy-Bären

"Eine pfiffige Idee": In einem Gastbeitrag spricht sich Reinhard Naumann für das Vorhaben aus, die Skulpturen auf dem Kudamm aufzustellen.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Sollen Buddy-Bären auf dem Kurfürstendamm? Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf will die Skulpturen auf dem Mittelstreifen aufstellen. Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) hat die Landesvertretungen der 16 Bundesländer bereits angeschrieben, ob sie sich vorstellen können, einen „Landesbären“ zu kaufen, ihn von einem Künstler ihrer Wahl bemalen zu lassen, um ihn dann auf dem Kurfürstendamm in einer Open-Air-Ausstellung zu präsentieren. Der Chef des Auktionshauses Villa Grisebach, Bernd Schultz, kritisierte am Donnerstag in einem Gastbeitrag in dieser Zeitung das Vorhaben. Die Idee stamme aus der „Schreckenskammer der Verlegenheitslösungen, mit denen unsere Stadt überzogen ist“, findet er. Die Buddy-Bären seien „falsch verstandener Lokalpatriotismus“ – und den nenne man „Piefigkeit“. Nun nimmt der Bezirksbürgermeister, Reinhard Naumann (SPD), in einem Gastbeitrag zu dem Projekt Stellung:

„Passen Buddy-Bären auf den Kurfürstendamm? Die Frage lässt sich bereits jetzt vor Ort leicht beantworten, denn es gab und gibt dort ja bereits eine Reihe von Buddy-Bären, sei es zeitweise als Parade auf dem Gehweg oder als ständige Installation vor Geschäften und anderen Einrichtungen. Die Frage müsste also lauten: Passen noch mehr Buddy-Bären auf den Kurfürstendamm und insbesondere auch anstelle der bisherigen grauen Pflanzschalen auf den Mittelstreifen?

Aus den bisherigen Reaktionen weiß ich, dass sich die meisten Menschen daran erfreuen werden. Und natürlich gibt es auch diejenigen, denen sie gegen den Strich gehen, die sie piefig oder kitschig finden oder die vielleicht das Gefühl haben, schon zu viele davon gesehen zu haben.

Bären als Markenzeichen

Die Buddy-Bären sind unbestreitbar das Produkt einer pfiffigen Idee – und schon deshalb für den Boulevard prädestiniert, der Pfiffigkeit schon immer belohnt hat – in London, Paris und New York ebenso wie in Berlin. Die Aktion der Firma Buddy Bär Berlin GmbH (BBB) war vor elf Jahren zunächst für zwölf Monate geplant. Aber der Erfolg war so groß, dass sie auf unbestimmte Zeit verlängert wurde. Inzwischen sind die immer wieder neu und einfallsreich bemalten Bären zum Markenzeichen und zu fröhlichen Botschaftern Berlins in aller Welt geworden. Sie strahlen gute Laune und Gemütlichkeit aus und wirken dabei nicht aufdringlich, sondern laden eher zum Schmunzeln ein. Sie stehen nicht für das Bild von den zu tiefgründigen und zu humorlosen Deutschen, sondern für den Ruf, den wir uns spätestens mit der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland weltweit erworben haben: Wir können auch feiern und locker sein und nehmen uns selbst nicht immer nur fürchterlich ernst. Vielleicht erklärt ja gerade diese Ausstrahlung ihren großen Erfolg weltweit.

Die Größe und die drei Grundformen sind zwar immer gleich, aber durch die Kreativität der Menschen, die sie bemalen, verwandeln sie sich in immer wieder neue Gestalten. Ganz sicher sprechen sie Kinder an, und sei es zum Beklettern und als Fotomotiv, aber auch als Grundlage für eigene künstlerische Experimente. Und was spricht eigentlich dagegen, mit fröhlichen Figuren auf dem Kurfürstendamm insbesondere die Kinder anzusprechen – und vielleicht auch das Kind in uns Erwachsenen?

Die Buddy-Bären dienen einem guten Zweck. Durch Versteigerungen und andere Aktionen mit Buddy-Bären sind inzwischen rund 1,9 Millionen Euro Hilfen für Kinder in Not zusammengekommen. Der gute Zweck muss zwar nicht immer die Mittel heiligen, aber in diesem Fall entsprechen Mittel und Zweck einander so gut, dass man von einem Glücksfall sprechen kann.

Praktische Argumente

Wenn die Idee von Bezirksstadtrat Marc Schulte Wirklichkeit wird, dann werden die 16 Bundesländer Berlin auf dem Kurfürstendamm ihre „Visitenkarte“ mit einem jeweils eigenen, originell gestalteten Buddy-Bären abgeben. Das wäre eine schöne Geste und gleichzeitig ein schönes Symbol für die Einheit in Vielfalt, die unsere föderal aufgebaute Demokratie auszeichnet. Baden-Württemberg hat es auf den BVG-Doppeldeckerbussen ja schon vorgemacht, wie einfallsreich man sich als Bundesland in Berlin präsentieren kann.

Für das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es zugegebenermaßen auch ganz praktische Argumente für die Buddy-Bären: Sie sind robust und pflegeleicht, verursachen keine Unterhaltskosten, werden selten beschmiert und verunstaltet. Sie schmücken also den Kurfürstendamm, ohne Kosten zu verursachen – und das sogar ohne kommerzielle Werbung. Ob die Buddy-Bären auch Botschafter des guten Geschmacks sind, darüber kann man natürlich trefflich streiten – wie das Pro und Contra in dieser Zeitung verdeutlicht. Aber das gilt für die Beton-Cadillacs von Wolf Vostell auf dem Rathenauplatz am westlichen Eingang zum Kurfürstendamm auch. Buddy-Bären sollte man nicht gegen Kunstwerke ausspielen. Das sind sie nicht, und diesen Anspruch erheben sie auch nicht. Der Kurfürstendamm steht wie jeder echte Boulevard für beides: für provokative Kunst und für spielerische Unterhaltung, für Haute Cuisine und Currywurst, für Kultur und Kommerz. Wie gesagt: Über Geschmack lässt sich immer trefflich streiten. Aber sind nicht gerade die Buddy-Bären eines der beliebtesten Fotomotive zwischen Gedächtniskirche und Halensee? Ich meine, sie werden den Kurfürstendamm bereichern – als weitere Farbtupfer des vielfältigen, bunten, weltberühmten Boulevards.“

Was meinen Sie? Sollen mehr Buddy-Bären auf den Kurfürstendamm? Schreiben Sie uns: Berliner Morgenpost, Stichwort Buddy-Bären, Lokalredaktion, Brieffach 3110, 10888 Berlin. Oder mailen Sie uns: aktionen@morgenpost.de