Kurfürstendamm

Buddy-Bären nichts anderes als "angepinselte Gartenzwerge"

Für Kultur-Manager Peter Raue sind die Berliner Skulpturen keine Kunstwerke. Auf dem Kudamm hätten sie nichts verloren.

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Die einen nennen sie piefig, kitschig und albern, die anderen lieben sie für ihre Fröhlichkeit und sehen in ihnen Botschafter für Frieden und Toleranz. Die Buddy-Bären polarisieren die Stadt. Die Idee, sie auf dem Kurfürstendamm aufstellen zu wollen, hat eine Debatte um Kunst und um das Ansehen des Kurfürstendamms ausgelöst. Die Berliner Morgenpost begleitet die Debatte und gibt Kritikern und Befürwortern ein Forum. Heute: der Kultur-Manager Peter Raue.

„Ich fasse es nicht: Die „Buddy-Bären“ sollen zum Kurfürstendamm zurückkehren! Wer die Begründung liest, dem fällt der Kitt aus der Brille: Das Bezirksamt von Charlottenburg-Wilmersdorf „will damit den Boulevard aufwerten“. So lese ich es und will es nicht glauben.

Längst gehört es zum guten und einvernehmlichen Ton, dass Gartenzwerge spießig seien, jeder Mann und jede Frau das Recht hat, im Schrebergarten oder Fenstersims sich dieser allzu lieblichen, niedlichen Gebilde zu versichern, – Gartenzwerge auf dem Kudamm aufzustellen und Unter den Linden damit zu bestücken: Darauf ist bis jetzt noch niemand gekommen. Und die Buddy-Bären sind nichts anderes als angepinselte Gartenzwerge, niedlich und allerliebst.

Noch nie hat jemand behauptet, dass das irgendetwas mit Kunst zu tun habe. Und noch nie hat jemand das Bedürfnis gehabt, den Kurfürstendamm „aufzuwerten“. Er lebt von seinen Läden, seinen Restaurants, seinem Mittelstreifen, seiner Bepflanzung und während der Weihnachtszeit seiner Beleuchtung. Der Charme des Großstädtischen, des Boulevards, des Flanierenkönnens und -wollens wird geraubt durch die buntscheckigen Buddy-Bären. In einem hat der kunstferne und volksnahe Bürgermeister Naumann ja vielleicht recht: Es stehen ja schon so viele von diesen schrecklichen Bären vor den verschiedenen Läden – die ich schon deshalb nicht betrete, weil die Bären mich daran hindern.

Das wäre, als wollte man die Reklameflächen an den Kudamm-Gebäuden beliebig vermehren mit dem Argument: Es gibt doch schon diese Werbeflächen etwa gegenüber dem „Café Kranzler“, dann können wir das auch an jede Hauswand anbringen.

Der Kurfürstendamm war einst – lang, lang ist's her – ein Skulpturen-Boulevard. Davon steht an der Gedächtniskirche die Arbeit von Matschinsky-Denninghoff und am anderen Ende der Cadillac von Vostell und an der Uhlandstraße Ecke Kurfürstendamm die Arbeit von Josef Erben. Alles seitdem verstorbene Künstler, alles respektable Kunstwerke. Dass es sich bei den Buddy-Bären, wie hinreißend lustig, witzig, bunt sie auch immer bemalt sein mögen, um keine Kunstwerke handelt, wird niemand ernstlich bestreiten wollen. Also ist es Nippes, ein Stehrümchen, nur viel zu laut, viel zu groß, viel zu langweilig.

Lustig, laut, läppisch, – das sind die Buddy-Bären für mich. Andere mögen sie – und das ist jedermanns gutes Recht – lieben. Dass die öffentliche Hand für diese Kudamm-Verunstaltung Geld ausgeben will, offensichtlich auch noch ohne jegliche demokratische oder parlamentarische Kontrolle, ist nicht nur ärgerlich, es ist und bleibt ein Skandal. „Pfiffig“ nennt Bürgermeister Naumann die Bären, aber auf das Pfiffige sollten wir pfeifen. Und – auch dies aus der Feder des Charlottenburger Bürgermeisters – „Buddy-Bären sollte man nicht gegen Kunstwerke ausspielen“. Auch da hat der Herr Bezirksbürgermeister Naumann recht – aber Buddy-Bären neben Kunstwerken (denn dass es keine Kunstwerke sind, erkennt der Herr Bezirksbürgermeister), das ist so überflüssig wie ein Kropf, gehört auf den Kurfürstendamm wie – mit Verlaub gesagt – der Arsch ins Kompott.“

Buddy-Bären spalten die Gemüter

Ähnlich wie Peter Raue sieht es auch Bernd Schultz, der geschäftsführende Gesellschafter des Auktionshauses Villa Grisebach. Er riet in seinem Beitrag für Morgenpost Online dem Bezirk von dem Projekt strikt ab. Die Idee stamme „aus der Schreckenskammer der Verlegenheitslösungen, mit denen unsere Stadt überzogen ist. Berlins „drollig-bunte Kitsch-Botschafter“ seien einem weltstädtischen Boulevard abträglich. Wie berichtet, will der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf die Buddy-Bären anstelle der alten Blumenkübel, die in diesem Jahr erstmals nicht mehr bepflanzt wurden, aufstellen. Die Idee mit den Buddy-Bären stammt von Marc Schulte (SPD).

Der Stadtrat für Stadtentwicklung hatte in diesem Jahr nicht genügend Geld für die Pflanzschalen am Kudamm. In den Vorjahren waren diese auf der Mittelpromenade des Kurfürstendamms zweimal im Jahr mit Blumen aus der Bezirksgärtnerei bepflanzt und vom Grünflächenamt gepflegt worden. 50.000 Euro spart das Bezirksamt in diesem Jahr durch den Wegfall der Pflanzschalen. Schulte, gleichzeitig Chef des Ordnungsamtes, will die Kübel eigentlich wegräumen lassen.

Aber ihm war klar, dass die freien Flächen als Parkplätze genutzt werden könnten. Das sollen die Buddy-Bären verhindern. Weil er auch für sie kein Geld ausgeben kann, schrieb er die Landesvertretungen der 16 Bundesländer an und schlug ihnen vor, einen Landes-Bären für den Kurfürstendamm anzuschaffen.

Auch Hans Stimmann, ehemaliger Senatsbaudirektor, warnte in seinem Gastbeitrag davor, die Bären den Kudamm bevölkern zu lassen: „Eine Buddy-Bären-Installation wirft den Westen Berlins zurück in die Zeit der ,peinlichen Vertraulichkeit' mit dem Wasserklops vor dem Europa-Center und, noch schlimmer, mit den ,Sieben Schwaben' auf dem Hohenzollerndamm.

Mit dem Umbau des Breitscheidplatzes, dem neuen Grand Hotel und der Neugestaltung des Mittelstreifens am Tauentzien ist ein Anfang gemacht, sich vom Muff der spießigen 70er-Jahre des ,Bulettenboulevards' zu befreien.“ Das sieht Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) ganz anders: Die meisten Menschen erfreuten sich an den Buddy-Bären, und sie seien „unbestreitbar das Produkt einer pfiffigen Idee – und schon deshalb für den Boulevard prädestiniert“. „Buddy-Bären sollte man nicht gegen Kunstwerke ausspielen. Das sind sie nicht, und diesen Anspruch erheben sie auch nicht.“ Naumann ist der Ansicht, die Buddy-Bären werden den Kurfürstendamm bereichern.

Peter Raue (71) ist Rechtsanwalt, Notar, Kunstliebhaber und -förderer sowie Honorarprofessor an der Freien Universität. Von 1977 bis 2008 war Raue Vorsitzender des Vereins der Freunde der Nationalgalerie. Er holte im Jahr 2004 die MoMA-Ausstellung nach Berlin.