Überlastung

Berliner Elterngeldstelle wegen Aktenstau geschlossen

In Charlottenburg-Wilmersdorf macht die Elterngeldstelle einen Monat lang zu. Jetzt nimmt nur noch der Pförtner Anträge entgegen.

Foto: Massimo Rodari

Personelle Engpässe gibt es nicht nur in Berlins Bürgerämtern. Auch in der Elterngeldstelle merken die Antragsteller, dass es dauern kann, bis sie das ihnen zustehende Geld erhalten.

Um der Antragsflut überhaupt noch Herr zu werden, hat Charlottenburg-Wilmersdorf die Elterngeldstelle einen Monat lang für den Publikumsverkehr geschlossen. „So können wir die Anträge schneller abarbeiten, wir wollen, dass die Eltern wenigstens einigermaßen zeitnah an ihr Geld kommen“, sagte Stadträtin Elfi Jantzen (Grüne).

Es ist das erste Mal, dass sich die Antragsteller in den Sommerferien damit begnügen müssen, die Formulare für das Lohnersatzgeld während ihrer Elternzeit beim Pförtner im Rathaus Wilmersdorf abzugeben und ihre Fragen lediglich zu den jeweils nur zweistündigen telefonischen Sprechzeiten zweimal in der Woche zu stellen.

Allein im Juni reichten 277 Eltern neue Anträge ein, 388 waren außerdem vollständig und müssen noch bearbeitet werden, zudem gibt es 2000 laufende Fälle, die wegen Veränderungen erneut bearbeitet werden müssen.

Drei Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte kümmern sich um die roten Akten, die ordentlich sortiert in Schränken hängen. Viele Antragsteller hätten zwar Verständnis, dass es dauere, sagt eine Mitarbeiterin. Sie würden aber denken, dass die Elterngeldstelle fürs Publikum geschlossen sei, weil alle verreist seien.

Dem sei mitnichten so. Nur zwei Mitarbeiterinnen durften in Urlaub gehen.

Ziel: Viereinhalb Wochen

Brauchte die Bearbeitung vor der Schließung der Elterngeldstelle fürs Publikum sieben bis acht Wochen, hoffen die Sachbearbeiter nun, die Bearbeitungszeit zu verbessern, zumindest aber zu halten.

Ihr Ziel seien viereinhalb Wochen, denn nach dem Mutterschaftsgeld, das die Krankenkasse acht Wochen lang nach der Geburt zahlt, sollte eigentlich nahtlos das Elterngeld fließen.

„Wenn wir mehr Personal hätten, könnten wir das schaffen, aber die Berliner Bezirke sollen bis 2016 noch 1500 Stellen streichen – das geht zulasten der Bürger“, kritisierte die Jugend- und Familienstadträtin. Zusätzlicher Stress entsteht nach Ansicht der Mitarbeiter häufig wegen mangelhafter Information.

Viele Bürger wollten von den Sachbearbeitern in der Elterngeldstelle beispielsweise wissen, wie sie bei ihrem Arbeitgeber die Elternzeit beantragen. Die meisten Leute zögen den persönlichen Kontakt vor. Doch das gehe von der Zeit ab, die für die Bearbeitung der Anträge nötig sei.

Stadträtin Jantzen, die sich deshalb auch für eine bessere Information im Vorfeld über die Elternzeit einsetzen will, bat die Eltern, sich nicht nur bei der Elterngeldstelle zu informieren. Dafür gebe es beispielsweise auch Broschüren, die ausführlich über das Elterngeld und die Elternzeit informierten. Erhältlich seien sie in allen Bürgerämtern der Bezirke.

Dramatische Anrufe von Antragstellern

Jantzen unterstützt zudem die Forderung des Berliner Familienbeirats nach einem Elternportal im Internet, mit dem Informationen für Eltern besser zugänglich werden sollen. „Wir sind natürlich in Notsituationen erreichbar“, versichert eine Mitarbeiterin aber dennoch. Wegen der langen Wartezeiten gebe es schon des Öfteren dramatische Anrufe von Antragstellern, die keine Miete mehr zahlen könnten, die wenigsten Menschen hätten Ersparnisse, sagte die Stadträtin.

Der Appell der Mitarbeiter an die Eltern lautet aber auch, ihre Anträge so schnell wie möglich einzureichen und sich vorher zu informieren, welche Unterlagen gebraucht werden.

Viele Väter nutzen die Möglichkeit

Die Absicht bei Einführung des Elterngeldes war, dass auch hoch gebildete junge Menschen wieder mehr Kinder bekommen. „Wir beobachten, dass dieser Effekt auch eingetreten ist. Auch die Zahl der Väter, die Elternzeit nehmen, steigt weiter“, so eine Mitarbeiterin der Elterngeldstelle.

Inzwischen sei es so, dass viele Mütter ein Jahr lang pausieren, bevor sie wieder zu arbeiten anfangen. Zwei Drittel der Väter würden noch zwei Monate dranhängen, um so dann die Elternzeit von insgesamt 14 Monate in Anspruch zu nehmen. Unter den Väter seien auch viele Selbstständige.