Integration

Roma - Gesundheitsversorgung wird in Berlin zum Problem

Die Berliner Senatorin Dilek Kolat spricht beim Umgang mit den Roma-Familien von einer „neuen Integrationsherausforderung“ für Deutschland.

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Die Gesundheit der Sinti und Roma in Berlin macht der Senatorin für Arbeit, Frauen und Integration, Dilek Kolat (SPD), Sorgen. Die gesundheitliche Versorgung sei „ein großes Problem“, sagte Kolat im Gespräch mit Morgenpost Online. Krankheiten bleiben häufig unbehandelt. Anstatt zu einem zugelassenen Arzt zu gehen, suchen sich die Betroffenen eher bei anderen Familienmitgliedern und Freunden Rat. Hinzu kommen oftmals Sprachschwierigkeiten und eine insgesamt schlechte Verankerung in der Gesellschaft.

Dieser Eindruck wird auch durch eine Kleine Anfrage der Berliner Abgeordneten Susanna Kahlefeld und Heiko Thomas (beide Grüne) bestätigt. Sie wollten vom Senat wissen, wie mit Impfungen an nicht versicherten Kindern aus Roma-Familien umgegangen wird. In diesem Jahr wurden 823.770 Euro für dringend notwendige Schutzimpfungen bereitgestellt. Ob dieses Budget ausreicht, sei nach Aussage des Senats „derzeit nicht abschließend prognostizierbar“. Im Vorjahr lag das Budget bei 1.207.908 Euro. Zwar geht der Senat trotz der geringeren Summe davon aus, dass „auch in diesem Jahr alle notwendigen Impfungen von den betroffenen Bezirken finanziert werden“. Insgesamt will der Senat die gesundheitliche Versorgung der Kinder ohne Krankenversicherung jedoch weiter verbessern. Hierfür sollen im Rahmen des Aktionsprogramms Roma Maßnahmen erarbeitet werden, heißt es in der Antwort des Staatssekretärs für Soziales, Michael Büge.

20.000 Rumänen und Bulgaren in Berlin

Seit dem EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien im Jahr 2007 haben viele Bewohner diese Länder verlassen. Allein in Deutschland ist die Zahl der gemeldeten Rumänen und Bulgaren seither um 125 Prozent gestiegen. Sie dürfen hier selbstständig arbeiten und ein Gewerbe anmelden. Doch die Integration dieser Bevölkerungsgruppe ist derzeit noch eine besondere Herausforderung für die Behörden.

In Berlin leben derzeit etwa 20.000 Rumänen und Bulgaren. Sie haben sich vor allem in den Bezirken niedergelassen, wo die Mieten noch erschwinglich sind. Dazu zählen Neukölln, Reinickendorf, Tempelhof-Schöneberg und Teile von Mitte. Die meisten seien laut Dilek Kolat in den Jahren 2010 und 2011 in die deutsche Hauptstadt gezogen. „Davon ist Berlin nicht allein betroffen“, sagt Kolat. „Das ist wirklich eine neue Integrationsherausforderung.“ Denn die rechtliche Position sei noch einmal anders als bei anderen Zuwanderern. „Sie haben zwar die Freizügigkeit innerhalb der EU, können aber erst ab 2014 hier arbeiten“, sagt Kolat. Die Bildungsverwaltung habe sich zusammen mit den Bezirken darum gekümmert, dass der Ansturm auch auf die Schulen bewältigt wird.

Sommerschule für Roma-Kinder

Aus dem Grund gibt es auch in diesem Jahr wieder eine Sommerschule für Roma-Kinder. Sie sollen dort einen Grundwortschatz in deutscher Sprache aufbauen, um dem Unterricht in einer richtigen Schule folgen zu können. Jüngst sorgte der öffentliche Hilferuf von Lehrern einer Grundschule in Reinickendorf für Aufsehen. Sie sahen sich kaum mehr in der Lage, den Unterricht angemessen auszuführen. Zu viele Kinder sprächen kein Deutsch oder hätten noch nie zuvor eine Kita oder Schule besucht. Dies mache es schwer, den anderen Kindern einen guten Unterricht zukommen zu lassen. Sie haben daraufhin mehr Kollegen zur Seite gestellt bekommen, damit die betroffenen Klassen geteilt werden können.

Auch Wohnungseigentümer berichten immer wieder über Probleme. So musste die Polizei Anfang Juli überwachen, wie 80 Sinti und Roma aus ihren sechs Wohnungen in Moabit ausgezogen sind. Sie hatten dort auf engstem Raum gelebt. Nach der Kündigung weigerten sie sich erst, die Wohnung zu verlassen.