Probleme in Mitte

Roma-Familien müssen Haus in Moabit verlassen

80 Roma haben im Beisein der Polizei ihre Wohnungen in der Turmstraße geräumt. Wo sie nun unterkommen, ist ungewiss.

Foto: Marion Hunger

Mehrere Roma-Familien haben am Montag ihre Wohnungen an der Turmstraße in Moabit räumen müssen. Nach Angaben der Hausverwaltung Schwarzer, die im Auftrag des Eigentümers das Haus sanieren lassen soll, seien die Mietverträge für insgesamt sechs Wohnungen zum 30. Juni gekündigt worden. Die Mieter hätten sich jedoch geweigert auszuziehen. Im Beisein der Polizei, die jedoch nur sicherheitshalber hinzugezogen worden war, seien laut Schwarzer-Geschäftsführerin Julia Moslener rund 80 Personen widerstandslos aus den Wohnungen ausgezogen.

Wo sie nun unterkommen, ist ungewiss. Mit dem Auszug der Roma-Familien endet ein monatelanger Streit zwischen den Mietern und ihrem Vermieter Lutz Thinius. Der Fall erinnert an den Umzug dreier Roma-Familien in den Görlitzer Park, nachdem diese aus ihren Wohnungen in Tiergaren ausziehen mussten.

Miete für zwei Monate steht aus

Als Vorstand des umstrittenen Vereins „Humanitas Kinderhilfe Berlin-Brandenburg“ hatte Thinius insgesamt neun Wohnungen an der Turmstraße gemietet und an die Roma-Familien untervermietet. Zuletzt seien noch sechs Wohnungen bewohnt gewesen, so Thinius. Kritiker werfen ihm vor, heruntergekommene Wohnungen zu überhöhten Preisen anzubieten. Doch Thinius beteuert, dass er maximal 1000 Euro Gewinn mit den Vermietungen erzielt hätte – wenn die volle Miete gezahlt worden wäre. „Die Mieten für die Monate Mai und Juni habe ich aber nicht bekommen“, sagte er. Zudem sei selten der volle Betrag bezahlt worden. Er verlangt noch 2000 Euro von den Familien.

Der Verein „Humanitas Kinderhilfe Berlin-Brandenburg“ hat in der Vergangenheit bereits häufiger Wohnungen an Roma-Familien vermietet. Wegen dieser Tätigkeit sei dem Verein laut Thinius vor eineinhalb Jahren die Gemeinnützigkeit aberkannt worden. Schlechte Erfahrung mit Roma-Familien machte er bereits an der Genthiner Straße in Tiergarten. Im August 2011 ließ er mehrere Wohnungen räumen. Grund für den Rauswurf sei in erster Linie der Lärm gewesen, so Thinius. Zudem seien die Wohnungen völlig überbelegt gewesen. Zeitweise hätten bis zu 100 Menschen in den drei Wohnungen zusammengelebt, da die Bewohner Schlafplätze an ihre Landsleute vermietet hätten, so sein Vorwurf. Anschließend zogen die Rumänen in den Görlitzer Park und campierten dort für mehrere Wochen.

Haus wird grundsaniert

Das Haus an der Turmstraße soll nun von Grund auf saniert werden. Laut Geschäftsführerin Moslener seien die Wohnungen in einem katastrophalen Zustand. Da die Räume mit Speckkäfern befallen seien, müsse nun erst einmal ein Kammerjäger gerufen werden. Sowohl Moslener als auch Vereins-Vorstand Thinius betonten, dass bereits bei Unterzeichnung der Mietverträge alle Beteiligten darüber informiert gewesen wären, dass das Haus verkauft und saniert werden sollte. Mit den Roma-Familien seien stets nur Drei-Monats-Verträge geschlossen worden.