Klassik

Staatsoper für alle - diesmal aus dem Exil

Barenboim und Sängerensemble wollen nach der Live-Übertragung aus dem Schiller-Theater in elf Minuten auf den Bebelplatz zum Applaus kommen.

Foto: DAPD

Stardirigent Daniel Barenboim sitzt relaxt auf der Dachterrasse des Hotel de Rome. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf den Bebelplatz. Auf dem historischen Opernplatz in Mitte findet am Wochenende zum fünften Mal „Staatsoper für alle“ statt, Zehntausende Besucher werden erwartet. Für Sonnabend ist eine Opernübertragung angekündigt, tags darauf dirigiert Generalmusikdirektor Barenboim ein Orchesterkonzert.

Aber der Blick von der Hotelterrasse ist dennoch getrübt: Riesige Kräne stören die Idylle, rechter Hand breitet sich eine graue Baustelle aus. Die Staatsoper Unter den Linden wird von Grund auf saniert, aber auch auf dieser Baustelle läuft es nicht gut. Kürzlich erst wurde von der Senatsbaubehörde mitgeteilt, dass sich die geplante Wiedereröffnung auf 2015 verschieben wird. Daniel Barenboim will das nicht verstehen. Wie könne jemand zweieinhalb Jahre vorher schon behaupten, dass er nicht rechtzeitig fertig werde? Der Dirigent möchte gerne im Oktober 2014 die Oper wiedereröffnen. Dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit habe er gesagt, so Barenboim, dass jemand, der von seinem Arzt eine schwere Diagnose bekommt, sich die Meinung eines zweiten Fachmannes einholt. Dieses Gutachten wolle man jetzt erst einmal abwarten.

Unter den Linden ist gesperrt

Derweil spielt Barenboims Staatsoper im Schiller-Theater weiter. Dort hatte dieser Tage Mozarts „Don Giovanni“ Premiere. Die Vorstellung am Sonnabend wird ab 19 Uhr live auf den Bebelplatz übertragen. Die Charlottenburger Oper liegt sechs Kilometer entfernt. Diesmal ist es ein besonderer technischer und logistischer Aufwand. 60 Mitarbeiter sind mit Aufbau, Transport, Ton, Licht, Bühne, Kamera befasst. Aufgebaut werden eine mehr als 80 Quadratmeter große LED-Bildleinwand sowie eine 100.000 Watt starke Tonanlage. In diesem Jahr steht die Bühne wegen der Baustelle nicht mitten auf dem Bebelplatz, sondern vor der Humboldt-Universität. Die Straße Unter den Linden ist am Sonnabend von 15 bis 23 Uhr gesperrt.

Aber ein Höhepunkt soll auch in diesem 5. Jahr „Staatsoper für alle“ sein, dass das Sängerensemble, diesmal neben anderen Erwin Schrott, Maria Bengtsson, Christopher Maltman, Anna Prohaska und Dorothea Röschmann sowie Dirigent Daniel Barenboim nach der Vorstellung auf die Openair-Bühne zum Schlussapplaus kommen. Nebenan aus der Lindenoper war das kein Problem, jetzt liegen sechs Kilometer quer durchs Stadtzentrum dazwischen.

Das ist ein Fall für den Sponsor BMW. Um die Uhrzeit brauche man elf Minuten, sagt der Berliner BMW-Chef Hans-Reiner Schröder. Man hatte auch einen schnellen Hubschrauber-Transfer prüfen lassen, aber nach 22 Uhr gibt es dafür keine Genehmigungen mehr. Jetzt wird also mit dem Auto von Bühne zu Bühne gesaust. Irgendwo am Rande wird geraunt, außerdem wird die Oper leicht zeitversetzt übertragen. Es geht um Minuten, die man das Publikum in Mitte nicht warten lassen will.

Am Sonntag ist es für die Künstler einfacher: Barenboim, sein Pianist Yefim Bronfman und die beteiligten 82 Musiker der Staatskapelle Berlin quartieren sich in der Humboldt-Universität ein, dort wurde ihnen der große Senatssaal und zwei Beratungsräume freigeräumt. Die Bühne liegt gleich vor der Tür, das Konzert mit Tschaikowskys vierter Symphonie und dem ersten Klavierkonzert beginnt um 13 Uhr. Am Sonntag ist der betroffene Teil des Boulevards Unter den Linden von 10 bis 16 Uhr gesperrt. Die Wetterprognosen sind gut.

Staatsoper für alle: Auf dem Bebelplatz wird am Sonnabend, 30. Juni, um 19 Uhr live aus dem Schiller-Theater Mozarts „Don Giovanni“ übertragen. Am Sonntag, 1. Juli, 13 Uhr, spielt die Staatskapelle unter Daniel Barenboim. Der Eintritt ist frei.