Terminverschiebung

Berliner Staatsoper öffnet erst 2015 - Barenboim empört

Nach dem BER wieder eine Panne in Berlin: Holzpfähle stoppen den Umbau der Staatsoper. Barenboim will die Verschiebung nicht akzeptieren.

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Ein weiteres Berliner Großbauprojekt ist in die Schieflage geraten. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher erklärte am Freitag, dass die Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden um ein weiteres Jahr auf 2015 verschoben werden müsse. Es ist nach dem Debakel um die Verschiebung der Eröffnung des Großflughafens BER eine zweite Blamage für Berlin.

Die Übergabe für den Bau ist nun für April 2015 geplant. Für das Publikum könnte die Oper dann am 3. Oktober 2015 wieder geöffnet werden. Ursprünglicher Termin für den Neustart war der 3. Oktober 2013, der aber schon 2011 verschoben wurde. Schuld an der erneuten Verzögerung sei der überraschende Fund von alten Holzpfählen in 17 Metern Tiefe, sagte Lüscher.

Dadurch sei der wasserdichte Bau der unterirdischen Verbindung zwischen dem Opernhaus und den Probebühnen nicht zu gewährleisten. Ohne eine umfassende Neuplanung könnten undichte Stellen auftreten, sodass mit der Zeit immer mehr Grundwasser eindringen würde. „Nach einer Weile könnte es dann im umliegenden Bereich zu Absenkungen kommen, was eine Gefahr für die nebenstehenden Häuser bedeuten würde“, betonte Lüscher. Sie versicherte, dass die größtenteils vom Bund getragenen Sanierungskosten von 250 Millionen Euro dadurch nicht überschritten würden.

Staatsopernintendant Jürgen Flimm und Generalmusikdirektor Daniel Barenboim reagierten empört. Die Verlängerung der Sanierung „können wir weder vom Inhalt noch von der Form akzeptieren“, sagte Barenboim. Das Ensemble sei bereit, schon am 3. Oktober 2014 den Spielbetrieb am Stammsitz wieder aufzunehmen. Dies sei auch Anfang April mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) so besprochen worden, sagte Barenboim. Es reiche für den Neustart, wenn das Haupthaus funktionsfähig ist. Für die letzten Arbeiten könnte das Ensemble Anfang 2015 dann bis zur endgültigen Übergabe im April wieder im bisherigen Ausweichquartier im Schillertheater auftreten. Er setze in dieser Frage auf die Gesprächsbereitschaft von Senatsbaudirektorin Lüscher.

Von Verzögerung "völlig überrascht"

Intendant Flimm fügte hinzu, die Staatsoper sei von der neuerlichen Verzögerung „völlig überrascht worden“. Er habe erst am Donnerstag davon erfahren. Dagegen sagte Lüscher, sie sei bereits Anfang März über die Funde informiert worden. Es sei sofort eine Task Force zusammengestellt worden. Flimm verwies zudem darauf, dass die Staatsoper in der Spielzeit 2013/2014 wegen des begrenzten Platzangebots im Schillertheater Verluste in Höhe von vier Millionen Euro machen werde.

Der Senat reagierte zunächst gelassen. „Das ist nicht schön, aber unvermeidlich“, sagte Senatssprecher Richard Meng. Wowereit, der auch für die Kulturpolitik verantwortlich ist, wollte sich zunächst nicht persönlich äußern, sein Kulturstaatssekretär André Schmitz erschien entgegen der Ankündigung nicht zur Pressekonferenz. Sabine Bangert, die kulturpolitische Sprecherin der Berliner Grünen, sagte, die neuerliche Verzögerung zeige, „dass der Berliner Senat nicht in der Lage ist, ein Bauprojekt seriös durchzuplanen“. Die Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, Monika Grütters (CDU), sagte: „Eins glaube ich nicht: dass es nicht zu Mehrkosten führt. Da bin ich misstrauisch.“ Für den Spielbetrieb und die Stadt sei das „bedauerlich.“