Senatorin Scheeres

"Kooperationskultur" bringt Berliner Unis Exzellenz

Nach der FU hat nun auch die HU den Status einer Elite-Uni. Ein Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule der TU werden ebenso gefördert.

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Gleich am Montag geht es los. Dann trommelt der Präsident der Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, seine Hochschulgremien zusammen: „Wir geben den Startschuss, um unser Zukunftskonzept umzusetzen“, sagte am Freitagnachmittag ein glücklicher HU-Präsident. Alles habe man vorbereitet in der Hoffnung auf eine positive Entscheidung der Experten der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrates. Und nun ist sie da: Die HU ist Eliteuniversität.

53 Millionen Euro hatte Olbertz allein für die Umsetzung seines Zukunftskonzeptes beantragt. Nun fließen die Millionen bis 2017. „Es hat sich gelohnt, dass wir es nach der Niederlage 2007 noch einmal versucht haben“, sagte Olbertz. Der Erfolg bei der Exzellenzinitiative werde eine „Sogwirkung“ für den Forschungsstandort auslösen: „Wir wollen die besten Köpfe für Berlin. Und es sieht aus, als könnte es klappen“, sagt Olbertz.

Vor fünf Jahren war nur die Freie Universität in den Elite-Zirkel aufgenommen worden, der damals neun und heute elf Universitäten umfasst. In Dahlem waren sie deswegen ziemlich sicher, auch weiterhin in der Bundesliga der deutschen Hochschulen spielen zu dürfen. Aber es hätte auch anders kommen können. Das zeigt das Scheitern anderer Universitäten, die bisher das Eliteprädikat führen durften. Karlsruhe, Freiburg und Göttingen schieden aus dem Kreis aus.

Nach der Bestätigung durch die Jury sagte FU-Präsident Peter-André Alt, „Reputation und Strahlkraft der Freien Universität“ seien „größer denn je“.

Auch die dritte große Berliner Universität, die TU, feierte einen Erfolg. Die Technische Universität kam mit ihren Anträgen für das naturwissenschaftliche Cluster „Unifying Concepts in Catalysis“ (UniCat) und mit der Graduiertenschule „Berlin Mathematical School“ ins Ziel. Allein UniCat, wo Chemiker, Physiker, Biologen und Verfahrenstechniker aus vier Universitäten und zwei Max-Planck-Instituten gemeinsam das wichtige Gebiet der Katalyse, also der Entstehung und Lenkung chemischer Prozesse, erforschen, rechnet mit 33 Millionen Euro Fördermitteln bis 2017.

Vielfalt als Stärke

Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte, „ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Stadt war die hiesige Kooperationskultur“. Viele der ausgewählten Anträge seien Gemeinschaftsanträge. Die Charité sei gleich an mehreren maßgeblich beteiligt. „Berlins Stärke liegt gerade in der Vielfalt. Von der Mathematik über Chemie und Medizin bis zu den Geisteswissenschaften gab es Auszeichnungen“, sagte Scheeres.

Vor allem bei den Graduiertenschulen, wo gute Nachwuchswissenschaftler ihre Dissertation ablegen können, haben die Berliner Universitäten sehr gut abgeschnitten. Mit neun Graduiertenschulen stellen die Berliner ein Fünftel aller dieser Nachwuchsschmieden, die in Deutschland in den nächsten fünf Jahren über die Exzellenzinitiative gefördert werden. Die FU war fünf Mal erfolgreich, vor allem mit ihren Kultur- und Regionalwissenschaftlern. So war auch die Graduate School Muslim Cultures and Societies erfolgreich. Zwei „Grad-Schools“ laufen gemeinsam zwischen HU und FU. Die HU war zweimal alleine erfolgreich, die TU einmal mit der Mathematical School.

Auch bei den siegreichen Exzellenzclustern arbeiten TU und HU eng zusammen. Weiter unterstützt werden NeuroCure, wo es gemeinsam mit der Charité und außeruniversitären Instituten um neue Therapien neurologischer Erkrankungen geht. Ebenfalls weiter machen kann Topoi, das sich Raum und Wissen in den antiken Kulturen widmet. Neu unter den Berliner Exzellenzclustern ist Bild Wissen Gestaltung mit der HU als Sprecherhochschule. Wissenschaftler aus nicht weniger als 22 Fachrichtungen arbeiten hier zusammen, um ein interdisziplinäres Labor aufzubauen. Es geht darum, die neue Qualität der Bildgebung für das Wissen in Zeiten der Digitalisierung zu untersuchen. Aber es gab auch Misserfolge für Berlin: So scheiterte die FU mit dem Versuch, ihrem Exzellenzcluster zur Erforschung von Emotionen weitere Förderung zu sichern.