Entschädigung

Zoo erhält eine Million Euro für Baulärm vom Bikinihaus

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Sabine Flatau

Foto: DPA

2011 hat der Zoologische Garten mehr Einnahmen und Besucher verzeichnen können. Dennoch ist er auf Unterstützung vom Senat angewiesen.

Kleine kalifornische Seelöwen, Springhasen und ein Ameisenbär, ein Brüllaffe und junge Wasserschweine, ein Flusspferdkälbchen, kleine Riesenkänguruhs, Warzenschweine, ein Kondor und ein Andenflamingo – lang ist die Liste der Tierbabys, die 2011 im Zoo geboren wurden.

Auf der Hauptversammlung der Zoo Berlin AG am Donnerstag konnte Direktor Bernhard Blaszkiewitz Fotos von vielen seltenen und bedrohten Arten zeigen, die in den Gehegen und Käfigen des Zoologischen Gartens wieder eine Zukunft haben. Mehr als 17.700 Tiere leben auf dem Gelände am Hardenbergplatz. Auch die Besucherzahl lässt sich sehen.

Vor allem ausländische Besucher

2,94 Millionen Gäste kamen 2011 in den Zoo und ins Aquarium – das sind etwa 60.000 mehr als 2010. Etwa 42 Prozent sind ausländische Touristen, etwa 32 Prozent Berliner. Positiv ist außerdem die finanzielle Bilanz.

Rund 1,65 Millionen Euro beträgt der Bilanzgewinn des Unternehmens aus dem vergangenen Jahr – das teilte der kaufmännische Vorstand Gabriele Thöne mit. Mehr als 15 Millionen Euro zahlten die Besucher für Tagestickets und Jahreskarten – diese Summe macht den größten Anteil bei den Einnahmen der Zoo AG aus. Rund 2,76 Millionen Euro kamen an Spenden und Nachlässen zum Zoo.

Häufig komme es vor, so Gabriele Thöne, dass der AG Schmuck vererbt werde, den das Unternehmen dann möglichst günstig verkauft. Außerdem hat die Zoo AG eine Entschädigungssumme von 1,23 Millionen Euro bekommen. „Wegen des Baulärms vom neuen Bikinihaus“, sagte Thöne. Doch man profitiere von dem Projekt, weil es einen Zugang zum Breitscheidplatz schafft. Man habe im Jahr 2011 Wertpapiere für eine Million Euro verkauft und die Summe in die Stiftung Hauptstadtzoos investiert. Mehr als 22 Millionen Euro gab die Zoo AG im vergangenen Jahr für ihr Personal aus. Sie beschäftigte 226 Mitarbeiter und 18 Auszubildende.

2011 zahlte auch Berlin noch einen Zuschuss von 1,3 Millionen Euro. Doch in diesem Jahr will das Land kein Geld mehr geben. Das nimmt die Zoo AG nicht einfach hin. „Mit den Einnahmen aus Eintritten kommen wir nicht aus“, sagte Thöne. Man brauche finanzielle Unterstützung vom Senat. Der Zoo sei eine führende wissenschaftliche Institution und eine Attraktion für Touristen. „Das Land sollte erkennen, welchen Faktor sie hier haben.“ Wenn der Landeshaushalt beschlossen ist, sollen Gespräche mit dem Finanzsenator und den Abgeordneten geführt werden.

Thöne hofft, dass Berlin künftig besondere Investitionen im Zoo unterstützt. Zum Beispiel den Wiederaufbau des Straußenhauses, das um 1900 in Form eines ägyptischen Tempels errichtet und im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Es soll wieder aufgebaut werden und künftig Nashörner beherbergen. „Es steht nahe dem Löwentor“, sagte Thöne, „und wird dadurch auch das Stadtbild wesentlich prägen.“ Auch das sei ein Grund, warum Berlin die Zoo Ag finanziell unterstützen sollte. Was der Wiederaufbau koste, könne man bislang nur schätzen, so der kaufmännische Vorstand. Doch die Summe soll sich im Millionenbereich bewegen.

Zur Bilanz der Zoo AG gehören aber auch tragische Ereignisse. Eisbär Knut ertrank im März mit vier Jahren. Er habe Bewegungsstörungen gezeigt, und eine massive Hirnentzündung. Doch bei den bisherigen Untersuchungen sei kein bekannter Keim isoliert worden, sagte Direktor Blaszkiewitz. „Wir sind auf weitere Forschung angewiesen.“ Die Bärenanlage im Zoo werde verändert, kündigte der Direktor an. Überflüssig große Wassergräben sollten zugeschüttet werden. Ein Weg um die gesamte Anlage herum werde geöffnet.

Zwei junge Elefantenkühe starben 2011 kurz nacheinander. Sie fielen einem Herpesvirus zum Opfer. Die alten Tiere seien dagegen gefeit, so der Zoodirektor, doch die jungen immer noch stark gefährdet. Einen wirksamen Impfstoff gebe es noch nicht. „Wir können nur auf die Forschung hoffen.“ Das Knut-Denkmal soll gegen Ende des Sommers aufgestellt werden. „Je nachdem, wie der Künstler fertig wird.“ Außerdem werden 1000 kleine Abgüsse der Skulptur aus Kunststoff hergestellt, die zugunsten der Stiftung verkauft werden sollen.

Tierpark steigert Umsatz

Mit einem Minus von etwa 212.000 Euro schließt die Tierpark GmbH, eine 100prozentige Tochter der Zoo AG, das Jahr 2011 ab. Doch der Verlust sei geringer als erwartet, so Gabriele Thöne. Er werde nicht durch die Zoo AG ausgeglichen. „Es sind zwei selbstständige Unternehmen.“ Die GmbH müsse auf Rücklagen zurückgreifen und werde außerdem noch vom Land unterstützt. Sie bekam 5,68 Millionen Euro, für 2012 und 2013 noch eine Zuwendung von jeweils mehr als fünf Millionen Euro erhalten.

Die Zahl der Tierpark-Besucher ist gegenüber 2010 um neun Prozent gestiegen, auf 1,05 Millionen. Mehr als Dreiviertel der Gäste sind Berliner, zwölf Prozent kommen aus Brandenburg. Etwa 8700 Tiere leben auf der Fläche in Friedrichsfelde. Der Umsatz der GmbH stieg um 18 Prozent gegenüber 2010. 192 Mitarbeiter wurden 2011 im Tierpark beschäftigt. 1,43 Millionen Euro an Spenden bekam die Einrichtung in Friedrichsfelde.

Mit dem Masterplan 2020+, der im vergangenen Jahr entwickelt wurde, will der Tierpark zum ganztägigen Ausflugsziel für junge Familien mit Kindern und für ältere Besucher werden. Baumaßnahmen, wie etwa am Alfred-Brehm-Haus, werden Schritt für Schritt umgesetzt.