Nachwuchs

In Berliner Zoo und Tierpark wird es eng

Viele Tiere haben Nachwuchs bekommen, deshalb lohnt ein Besuch in den beiden Berliner Anlagen in diesen Tagen besonders.

„Der Frühling, das ist meine Jahreszeit“, sagt Ragnar Kühne und strahlt. Die Sonne tut es ihm gleich, an diesem Tag im Berliner Zoo, keine Wolke am Himmel, Vögel zwitschern, die Luft wird langsam warm – ganz nach dem Geschmack des Kurators. Der Zoologische Garten ist zwar das ganze Jahr über geöffnet, doch mit den ersten Frühlingstagen beginnt jetzt die Hauptsaison. Und viele Tiere haben in den vergangenen Wochen Nachwuchs bekommen. Kurator Kühne zeigt der Morgenpost Online die neuen Bewohner.

Los geht die Runde im Affenhaus, dort lebt seit Silvester der zurzeit jüngste Affe des Zoos. „Der schwarze Brüllaffe hat noch keinen Namen, weil noch nicht ganz klar ist, ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist“, sagt Kühne. Die ersten Wochen verbrachte das bei der Geburt nur zwei Tafeln Schokolade leichte Tier im Hängegriff am Bauch der Mutter. Mittlerweile bewegt es sich alleine durchs Gehege; den Greifschwanz aber immer fest an den Holzstäben.

Noch ein wenig jünger sind drei Litschi-Moorantilopen, die Anfang Februar alle an einem Tag auf die Welt kamen. Die Antilopenart wird in Deutschland nur in drei anderen Einrichtungen gehalten, dementsprechend glücklich war man beim Berliner Zoo über den Nachwuchs. „Eines der Jungtiere hat es sich anfangs etwas schwer gemacht und im Fressnapf geschlafen“, sagt Kühne und schmunzelt. Mittlerweile genießen sie aber zusammen mit ihrer Herde die Sonnenstrahlen.

Schutz von der Herde

„Zu Ostern, wenn die Blätter rauskommen, ist es eigentlich die schönste Zeit, in den Zoo zu kommen“, ergänzt Kühne. Zu sehen gibt es für die Besucher dann auch verschiedene Büffeljunge. Die Waldbüffelherde hat im Januar Nachwuchs bekommen und steht schützend um das goldfarbene Kalb. „Das flauschige Fell möchte man am liebsten sofort streicheln, aber das sollte man tunlichst vermeiden“, sagt Kühne. In ihrer west- und zentralafrikanischen Heimat gelten die Büffel als ausgesprochen gefährlich, und das massive Gehörn der älteren Tiere bringt einen tatsächlich schnell auf andere Gedanken.

Die Wasserbüffel nebenan haben zwar einen ähnlich eindrucksvollen Kopfschmuck, sind aber friedliche Haustiere. „Vor allem im asiatischen Raum werden sie als Nutztiere gehalten“, berichtet der Kurator und schwärmt vom Büffelmozzarella, der dank der sehr fetthaltigen Milch der Weibchen eine echte Besonderheit ist.

Den größten Besucherandrang erleben an diesem Tag die jüngsten neuen Zoo-Bewohner: zwei kleine Erdmännchen, die erst vor einer knappen Woche geboren wurden. Kaum größer als ein Mobiltelefon tapsen sie durch ihr Gehege, üben den für ihre Art so typischen aufrechten Sitz – die Besucher amüsiert es. „Erdmännchen sind attraktive Tiere, weil sie so sozial sind. Sie leben in kleinen Gesellschaften, die Männchen halten Wache“, sagt Kurator Kühne. Auch wenn man es ihnen nicht ansieht, zählen die Erdmännchen zu den Raubtieren. Auf dem Speiseplan stehen Insekten, Eidechsen und kleine Vogeleier.

Die Eier in der benachbarten Fasanerie sind aber nicht zum Verfüttern gedacht, sondern werden in Brutapparaten und Schlupfbrütern warm gehalten. Die Küken verschiedener Zwerghuhnrassen schlüpfen in diesen Tagen, drei sind schon auf der Welt und laufen mit flauschig-weichem Fell unter einer Wärmelampe. Am Streichelzoo geht der Rundgang mit dem Zoo-Kurator zu Ende. Dort haben die Zwergziegen vor wenigen Tagen Nachwuchs bekommen, „wie jedes Jahr zu Ostern“, sagt Kühne. Eine Schulklasse drängt sich am Gatter, hinter dem die anderen, noch trächtigen Weibchen und der Ziegen-Nachwuchs stehen. „Normalerweise bewegen die sich frei auf dem Gelände, aber jetzt brauchen sie Ruhe.“

Für Jasper wird heute eine Ausnahme gemacht. Der Siebenjährige darf mit einem Tierpfleger hinter den Zaun. „Ganz schön heiß“ sei die schwarze Zwergziege auf seinem Arm gewesen, sagt Jasper hinterher. Ob das nicht auch was für Zuhause wäre? „Mama will das sicher nicht“, sagt Jasper, und außerdem habe er doch schon eine vier Monate alte Katze daheim. Ganz der Tierprofi also.

Auch im Tierpark in Friedrichsfelde hat es überall Nachwuchs gegeben: bei den Hinterindischen Tigern, den Dingos, bei den Java-Leoparden. Ein Besuch lohnt also auch hier. Außerdem sind Künstler am Werk. Am Ostersonntag gestalten Schauspieler und Musiker einen Osterspaziergang im Tierpark (Treffpunkt 11.30 Uhr, Eingang Schloss Friedrichsfelde). Frühlingshafte Melodien und Gedichte erklingen am Ostermontag im Zoo. Beginn ist um 11.30 Uhr nahe der Bühne am Zoo-Restaurant.