Klinikkonzern

Vivantes erwirtschaftet weniger Gewinn und darf investieren

20.000 Patienten mehr, 400 neue Mitarbeiter und 3,4 Prozent mehr Umsatz – für Vivantes war 2011 ein Rekordjahr. Der Gewinn schrumpfte aber.

Foto: Klinik Vivantes Friedrichshain 10.jpg

Berlins städtischer Krankenhauskonzern Vivantes betritt in diesem Jahr Neuland, nachdem 2011 ein Rekordergebnis gebracht hat. Fast 500.000 Patienten, 20.000 mehr als im Vorjahr, wurden in den elf Berliner Vivantes-Kliniken stationär oder ambulant behandelt. Der Umsatz stieg um 3,4 Prozent auf 865 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs um 400 auf fast 14.000. Damit ist Vivantes einer der größten Arbeitgeber der Stadt und mit 820 Azubis einer der wichtigsten Ausbildungsbetriebe.

Und weil die Vivantes-Manager unter ihrem Chef Joachim Bovelet zum achten Mal in Folge schwarze Zahlen präsentierten, in diesem Fall einen auch wegen der höheren Kosten für die gestiegene Zahl von Patienten um ein Fünftel geschrumpften Jahresgewinn von 5,1 Millionen Euro, dürfen sie etwas tun, was noch keinem kommunalen Krankenhausunternehmen in Deutschland und auch keiner Firma im Berliner Landesbesitz je zugestanden worden war: Vivantes darf auf eigene Rechnung und ohne Bürgschaft des Landes im Rücken millionenschwere Kredite aufnehmen, um damit eigene Investitionen finanzieren zu können. Die Investitionsförderung des Landes Berlin reiche dafür nicht aus, sagte Bovelet. Bei der Verteilung der Landesmittel sei Vivantes zuletzt „deutlich unterrepräsentiert bedacht“ worden.

Einen Kreditrahmen von 130 Millionen Euro über sieben Jahre plus 15 Millionen für kurzfristige Betriebsmittel hat der Vorstand bei einer Gruppe von vier Banken eingeworben, zu einem Zinssatz von knapp unter vier Prozent, wie Finanz-Geschäftsführer Bernd Kahnes sagte. Das Geld benötigt Vivantes, um verschiedene neue Vorhaben umzusetzen.

Im September 2012 soll auf dem Gelände des Wenckebach-Klinikums in Tempelhof ein Hospiz eröffnet werden, der Umbau eines denkmalgeschützten Backsteingebäudes läuft. 600 Patienten mussten bisher pro Jahr nach einem Aufenthalt in einem Vivantes-Krankenhausbett ins Hospiz, um sich dort auf den Tod vorzubereiten. Für etwa die Hälfte von ihnen soll nun im ersten kommunalen Hospiz Deutschlands Platz sein. „Wir stellen uns auch hier unserer Verantwortung“, sagte Dorothea Dreizehnter, die Geschäftsführerin Klinikmanagement.

34,3 Millionen für Instandhaltung

Das frische Geld von den Banken wird aber für weitere Investitionen gebraucht. Allein 2012 will Vivantes 62,5 Millionen Euro investieren und zusätzlich 34,3 Millionen für Instandhaltung ausgeben. Die wichtigsten Projekte sind der Ausbau des Klinikums im Friedrichshain, wo die geschlossene Klinik in Prenzlauer Berg integriert werden muss, im Klinikum Hellersdorf baut Vivantes außerdem eine neue Psychiatrie. Zudem halten die Manager Investitionen in moderne Medizintechnik für notwendig, auch weil sie mit weiter steigenden Patientenzahlen rechnen. Das liegt auch daran, dass die Berliner immer älter werden. Schon derzeit sind über 40.000 stationäre Patienten, also etwa jeder siebte, älter als 75 Jahre. Der Anteil wird steigen.

Darauf will sich Vivantes einstellen. Es gehe nicht darum, eine spezielle Abteilung aufzubauen. Altersmedizin sei keine medizinische Sparte, sagte Dreizehnter. Die spezielle Betreuung älterer Menschen werde in allen Fachabteilungen „außer in der Geburtshilfe und auf den Kinderstationen“ Alltag sein. Besonders in Stadtteilen mit einem höheren Anteil älterer Menschen wie in Marzahn-Hellersdorf oder Tempelhof-Schöneberg werde das „rasend schnell gehen“, so die Managerin. An einzelnen Standorten ist schon heute jeder zweite Patient im Seniorenalter.

Zudem strebt das Krankenhausunternehmen an, den Service für die Patienten zu verbessern. So werden im Sommer 2012 neue Komfortbereiche in den Kliniken Neukölln und Auguste-Viktoria eröffnet, wo auch Kassenpatienten gegen Zuzahlung einen Hotel-Ähnlichen Service erhalten können. Das sei keine Zwei-Klassen-Medizin“; sagte Dreizehnter. Außerdem arbeitet man daran, die Qualität des Essens zu verbessern und den Menschen verstärkt Hilfsdienste anzubieten, von der Hundebetreuung bis zu Botengängen.