U-Bahn

Polizei ermittelt 107 Verdächtige per Videoüberwachung

Im öffentlichen Nahverkehr hat die Kriminalität zugenommen. Um Verdächtige zu finden, nutzt die Polizei Aufnahmen der BVG.

Foto: DPA

Mithilfe von Videoaufzeichnungen in U-Bahnen hat die Berliner Polizei im vergangenen Jahr 107 Tatverdächtige ermittelt. Angaben über die Zahl der erlassenen Haftbefehle gegen die Festgenommenen gebe es aber nicht, da diese Daten nicht erhoben würden, teilte Innensenator Frank Henkel (CDU) auf eine kleine Anfrage seines Parteikollegen Peter Trapp mit. Für die ermittelten Tatverdächtigen nutzten die Beamten 475 Aufnahmen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Henkel betonte, die Polizei werte BVG-Videoaufzeichnungen nicht generell aus, um Straftaten festzustellen. Die Ermittler forderten nur nach dem Anfangsverdacht einer Straftat im Bereich von U-Bahnen Filmausschnitte an. Im Jahr 2011 sei das in 2.417 Fällen geschehen.

Im öffentlichen Nahverkehr hat die Kriminalität im vergangenen Jahr laut der polizeilichen Kriminalstatistik wieder zugenommen. So zählte die Polizei insgesamt 25.182 Fälle, eine Steigerung gegenüber 2010 von 2140 Fällen (plus 9,3 Prozent). Den größten Anteil machten laut Statistik Sachbeschädigungen (23,6 Prozent) und Körperverletzung (19,2 Prozent) aus. Deutlich zu sehen ist, dass die Kriminalität besonders bei der BVG zugenommen hat. Während der Anstieg bei der Bundespolizei, die für die Sicherheit bei der S-Bahn zuständig ist, mit einem Plus von 302 Fällen geringer ausfiel, hatte die Berliner Polizei, die für die BVG verantwortlich ist, mit einem Plus von 13 Prozent (+1838 Fälle) deutlich mehr zu tun.

In der Vergangenheit sorgten brutale Übergriffe in Bussen und U-Bahnen immer wieder für Fassungslosigkeit. Ein Fall im vergangenen Jahr, bei dem der 23-jährige Giuseppe Marcone in Panik vor seinen Angreifern im U-Bahnhof Kaiserdamm auf die Straße flüchtete, von einem Auto angefahren wurde und starb, erregte bundesweites Aufsehen. Der 21 Jahre alte Haupttäter, Ali T., wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der 22-jährige Baris B., der ebenfalls an der Schlägerei zuvor beteiligt war, jedoch Giuseppe nicht verfolgt hatte, erhielt wegen gefährlicher Körperverletzung vier Monate Haft auf Bewährung. Außerdem soll er 120 gemeinnützige Stunden leisten. Ali T. wurde zu 600 Stunden verurteilt.

Nach einem Abgeordnetenhausbeschluss werden die BVG-Videoaufnahmen künftig 48 statt bislang 24 Stunden gespeichert. Das hatte die CDU in den Koalitionsverhandlungen durchgesetzt, um die Videospeicherzeiten im öffentlichen Nahverkehr einheitlich zu regeln. Bei der S-Bahn werden die Bänder bereits jetzt 48 Stunden gespeichert.