Weiterführende Schulen

Neukölln rechnet bei Schulplatz-Vergabe mit Klagen

| Lesedauer: 2 Minuten
Christian Mutter

Foto: dpa-tmnpicture-alliance

Viele Neuköllner Jugendliche wollen nicht in ihrem Kiez zur Schule gehen. Die SPD fordert eine "Brennpunkt-Zulage" für Lehrer.

Es wird eine große Kiste mit Briefen gewesen sein, die das Bezirksamt Neukölln am Freitag verlassen hat: Knapp 2000 Bescheide über die Plätze an weiterführenden Schulen wurden verschickt. Damit gehen sowohl die positiven Bescheide wie auch die Zuweisungen zeitgleich an die Familien. Neuköllns Bildungsstadträtin Franziska Giffey lobt dieses Vorgehen des Senats: „Alle haben das gleiche Recht auf Information.“ Berlinweit sind es knapp 22.000 Sechstklässler, die damit in den nächsten Tagen erfahren, an welcher Oberschule sie künftig lernen werden.

Giffey spricht für Neukölln von einer „entspannteren Situation als in den letzten Jahren“. Es sei gelungen, 1671 Erstwünsche zu erfüllen (90,1 Prozent). 137 Schüler dagegen werden nicht auf ihre Wunsch-Schule kommen. Viele von ihnen hatten sich in Nachbarbezirken beworben und waren dort abgelehnt worden. Jetzt werden sie Neuköllner Schulen zugewiesen.

Bei diesen vier Prozent der Anmeldungen stellt sich Giffey auf Gesprächsbedarf ein. „Wir rechnen damit, dass einige Eltern nicht zufrieden sein werden. Ihnen steht es frei, Widerspruch einzulegen oder sich selbstständig nach Alternativen umzusehen.“ In den beiden Nachbarbezirken Treptow-Köpenick und Tempelhof-Schöneberg seien die Kapazitäten aber schon erschöpft.

Berlinweit gibt es noch 770 freie Plätze an Gymnasien und 264 an Sekundarschulen. Das Bezirksamt werde den betroffenen Eltern Beratungen anbieten. Am Ende könne es aber trotzdem auch zu Klagen kommen. Giffey sagt, dass in sechs Fällen auch ein Gymnasium vorgeschlagen wurde, obwohl sich die Schüler für eine Sekundarschule beworben hatten. „Diesen Weg sind wir aber nur gegangen, wenn der Notenschnitt es erlaubt hat.“

Der große Teil der aufnehmenden Schulen hat dagegen den Ruf von „Brennpunktschulen“. Eine davon ist die Kepler-Sekundarschule. „Unsere 20 Anmeldungen reichen gerade mal für eine Klasse“, sagt Schulleiter Wolfgang Lüdtke. „Natürlich wünscht man sich eher, dass 100 Schüler vor der Schule stehen, die unbedingt zu uns wollen. Aber wir sind ein Dienstleistungsunternehmen und nehmen jeden Schüler auf.“

Unterdessen fordert die SPD in Neukölln ein Maßnahmenprogramm für Schulen in sozialen Brennpunkten. Diese sollen vorrangig von Neueinstellungen profitieren, die Lehrer eine „Brennpunkt-Zulage“ erhalten. Zusätzlich fordert die SPD, dass die zeitweilige Arbeit an einer solchen Schule zur Voraussetzung für Beförderungen werden soll.