Bildung

Berliner Gymnasium nimmt 30 Hochbegabte zusätzlich auf

| Lesedauer: 4 Minuten
Florentine Anders

Foto: Christian Schroth

Nach heftigen Protesten der Eltern hat die Bildungssenatorin eine zusätzliche Schnell-Lern-Klasse am Rosa-Luxemburg-Gymnasium bewilligt.

Im Streit um die zusätzliche Schnelllerner-Klasse in Pankow hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) eingelenkt. Das Rosa-Luxemburg-Gymnasium soll nun doch eine zusätzliche fünfte Klasse für 30 hochbegabte Schüler bekommen. Bedingung ist, dass an dem grundständigen Gymnasium neben den fünften Klassen auch weiterhin jedes Jahr eine siebente Klasse aufgenommen wird. Zuvor hatte die Senatorin eine dritte fünfte Klasse abgelehnt, obwohl Schulleiter Ralf Treptow den Bewerbern bereits eine schriftliche Zusage erteilt hatte.

Die betroffenen Eltern hatten in den vergangenen Tagen heftig dagegen protestiert, die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus unterstützte deren Position. Schließlich hatte das Pankower Gymnasium auch im Jahr zuvor drei grundständige Klassen und zwei siebente Klassen. Die Frage drohte zum Streit in der Koalition zu werden. Schließlich hatte sich die CDU dafür stark gemacht, dass im Koalitionsvertrag der Bestand der fünften Klassen an Gymnasien bis 2016 zugesichert wurde. Für Mittwochabend war deshalb kurzfristig ein erneutes Treffen mit den betroffenen Eltern in der Bildungsverwaltung einberufen worden.

„Das Wohl der Kinder steht klar an erster Stelle“, begründete Sandra Scheeres am Mittwoch die Entscheidung für eine zusätzliche Schnelllernerklasse. Gleichzeitig kritisierte sie die vorschnelle Zusage des Schulleiters.

Stichtag für die Entscheidung über die Platzvergabe an den weiterführenden Schulen ist berlinweit der 27. April. Erst am Freitag verschicken die Bezirke offizielle Zusagen oder Ablehnungen für die Wunschschulen.

Die Kinder hätten sich im Aufnahmeverfahren für die Schnelllernerklassen qualifiziert und eine Zusage für einen Schulplatz vom Schulleiter erhalten. Diese Zusage sei nicht rechtswirksam gewesen, hätte jedoch Erwartungen geweckt und das Vertrauen auf einen Schulplatz. „Für das Fehlverhalten des Schulleiters dürfen nicht die Kinder die Leidtragenden sein“, sagte Scheeres. Gleichzeitig betonte die Bildungssenatorin, dass ausreichend Plätze für Fünftklässler an grundständigen Gymnasien zur Verfügung stünden, eine Ausweitung also nicht nötig sei.

Zahlreiche freie Plätze

Stadtweit gibt es nach Angaben der Bildungsverwaltung zahlreiche freie Plätze an grundständigen Gymnasien, allein in Pankow wären noch etwa 40 Plätze zu vergeben, an den anderen Schnelllerner-Schulen seien es 23 freie Plätze. Angesichts der engen räumlichen Bedingungen am Rosa-Luxemburg-Gymnasium hatte die Bildungsverwaltung zunächst versucht, die Bewerber auf andere grundständige Gymnasien mit freien Plätzen umzulenken. Doch das lehnten viele Eltern ab.

Gemeinsam mit der Bildungsstadträtin des Bezirks, Lioba Zürn-Kastantowicz (SPD), wurde nun offenbar auch eine Lösung für das bauliche Problem gefunden. Auf dem Gelände des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums sollen für die Siebtklässler Container aufgestellt werden, die dann auch von der benachbarten Grundschule mitgenutzt werden sollen.

Erst am Montag hatten die betroffenen Eltern in einem offenen Brief gefordert, die zusätzliche fünfte Klasse zuzulassen. Andernfalls würden sie den Platz einklagen. Auch die Schülervertretung des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums machte sich in einer öffentlichen Erklärung für das Angebot stark. Bildungssenatorin Scheeres machte am Mittwoch deutlich, dass sie der Hochbegabtenförderung einen hohen Stellenwert einräumt. „Niemand soll unter seinen Möglichkeiten bleiben“, sagte die SPD-Politikerin. Deshalb würden jedes Jahr ausreichend Plätze an den grundständigen Gymnasien vorgehalten. Nicht jedes angemeldete Kind würde jedoch das Aufnahmeverfahren bestehen.

Die Bewerber für die Schnelllerner-Klassen müssen einen standardisierten Intelligenz-Test vom schulpsychologischen Dienst absolvieren. Am Rosa-Luxemburg-Gymnasium nahmen am 3. März 150 Viertklässler an dem Test teil.

Erst zum vergangenen Schuljahr wurden die Schnellläufer-Angebote auf Betreiben der Schulleiter der Berliner Gymnasien in Schnelllerner-Klassen umgewandelt. Schnellläufer hatten gemeinsam im Klassenverbund ein Jahr übersprungen. Nach der Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf zwölf Jahre ließ die Nachfrage für dieses Angebot nach. Die Eltern hatten Bedenken, dass die Schüler zu jung wären, wenn sie nach elf Jahren von der Schule an die Universität wechseln. Schnelllerner machen nun wie ihre Mitschüler das Abitur in zwölf Jahren. Nach dem neuen Konzept sollen die Schülerinnen und Schüler zwar immer noch schneller den Unterrichtsstoff durchlaufen, dafür aber vertiefende Zusatzangebote erhalten. Die Bewerber müssen dafür in dem Test mindestens einen Intelligenzquotienten von 115 nachweisen. Das Rosa-Luxemburg-Gymnasium ist eine von insgesamt sieben Gymnasien, die in Berlin seit 2011 an dem Modellversuch Schnelllerner teilnehmen.