Kulturprojekt

Guggenheim Lab soll in Berlin ganz praktisch arbeiten

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Sabine Flatau

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

María Nicanor bereitet das mobile Gebäude im Pfefferberg vor. Geplant sind eine interaktive Radler-Karte und ein Dachgarten für Berlin.

Ein riesiger Lkw schiebt sich rückwärts, ganz vorsichtig manövrierend, durch das enge Tor. Er kippt eine Ladung Sand auf der Brache ab, auf der schon zwei Planierraupen rollen. Arbeiter messen Abstände, dirigieren die Fahrzeuge. Wenn der Lkw verschwunden ist, wird der Bauzaun wieder geschlossen. Im Nordhof des Pfefferbergs haben die Vorbereitungen für das BMW Guggenheim Lab begonnen.

María Nicanor, Kuratorin des Solomon R. Guggenheim Museums New York, hat ihr Büro im ersten Stockwerk eines benachbarten Gebäudes. „Von hier aus können wir die Arbeiten verfolgen“, sagt sie. Für den Aufbau der Denkfabrik, die vom 15. Juni bis zum 29. Juli in Berlin öffnen wird, ist ein Team von Ingenieuren zuständig. Die Spanierin kümmert sich um das Programm. Sie trifft sich mit Vertretern von Initiativen, Organisationen und Universitäten. Einzelheiten will sie noch nicht nennen. Aber sie erwähnt, dass sie gerade von einem Gespräch mit Upstall kommt, einer Kreuzberger Gruppe von Architekten, die das Grundstück hinter dem Rathaus entwickeln will. „Ob sie beim Lab mitmachen, steht noch nicht fest“, sagt María Nicanor. Fest steht, dass jedes der vier Mitglieder des Lab-Teams acht Tage des Programms gestalten wird. „Das Lab in New York war ein bisschen theoretisch, mit vielen Vorträgen und Gesprächen“, sagt die Kuratorin. Die werde es auch in Berlin geben. „Aber wir wollen etwas entwickeln, was bleibt, auch wenn das Lab verschwunden ist.“

Interaktive Berlin-Karte für Radler

Dazu gibt es schon Ideen. Rachel Smith, Expertin für Transportwesen aus Australien und leidenschaftliche Radlerin, möchte im Rahmen des Labs eine interaktive Berlin-Karte für Radfahrer entwickeln. Sie soll zeigen, wo die saubersten Straßen sind, wo die sichersten Wege, wo man das Rad am besten parken kann, wo es Luftverschmutzung gibt und wie sich das auf die Radfahrer auswirkt. Die Karte soll im Internet aufgebaut werden. Jeder, der will, wird etwas beitragen können – etwa die Information über das große neue Schlagloch in seiner Straße.

Corinne Rose, Berliner Fotografin und Mitglied des Lab-Teams, möchte zusammen mit Berlinern einen Dachgarten anlegen und dazu ein Handbuch entwickeln. „Es soll nicht zeigen, wie man es perfekt macht, sondern eher, mit welchen Problemen man umgehen muss und was dabei herauskommen kann“, sagt María Nicanor. Corinne Rose, die auch Psychologin ist, will in ihrem Programmteil die emotionalen Seiten des Stadtlebens in den Fokus rücken. Ihre Idee ist, während des Labs kleine Inseln für Kommunikation in der Stadt zu schaffen – wie und wo, steht noch nicht fest. „Es sind Konzepte, die jetzt noch entwickelt werden“, sagt María Nicanor. Die Vorträge und Workshops werden am Pfefferberg stattfinden. Für den Dachgarten und die Kommunikationsinseln sucht das Team andere Orte.

Um das Thema Sicherheit macht sich die Kuratorin keine großen Sorgen. „Es wird einen Sicherheitsdienst geben“, sagt sie. „Das Lab ist ein Kulturprojekt, es ist ein kleines Projekt. Es muss nicht von hundert Polizisten beschützt werden.“ Sie weiß, dass Kritiker des Labs wieder eine Protestveranstaltung angekündigt haben. „Das ist in Ordnung“, findet die Kuratorin. „Es ist fantastisch, dass es so kontroverse Diskussionen um das Lab gibt.“ Denn das bedeute, so María Nicanor, „dass die Menschen hingucken, dass sie kritisch sind und Dinge, die kommen, nicht einfach akzeptieren“. Auch in Frankreich gebe es das. „Aber viele andere Länder haben so etwas nicht. Da geht es nur um wirtschaftlichen Aufschwung, ohne etwas infrage zu stellen.“