Kulturprojekt

Mieter wollen Guggenheim Lab am Pfefferberg besetzen

Die Initiative "BMW Lab verhindern" kündigt Proteste gegen das Kulturprojekt an, will aber auch Ideen einbringen.

Foto: DPA

Kaum hat die amerikanische Guggenheim-Stiftung den neuen Standort für das „BMW Guggenheim Lab“ bekannt gegeben, formiert sich Widerstand gegen das Kulturprojekt. „Lab't uns am Arsch“ steht auf einem riesigen Plakat auf dem ehemaligen Fabrikgelände Pfefferberg in Prenzlauer Berg, wo das mobile Forschungslabor untergebracht werden soll. Erst vor wenigen Wochen waren die Veranstalter wegen Protesten von Anwohnern und Gewaltdrohungen aus der linksextremen Szene von dem ursprünglichen Standort in Kreuzberg abgerückt. Nun führen „Guggenheim Lab“-Gegner die Kritik in Prenzlauer Berg fort.

So kündigte die Initiative „BMW Lab verhindern“ Protestaktionen „vor dem Lab, ums Lab herum und auch im Lab selbst“ an. Selbst wenn das Kulturprojekt wie geplant im Juni starte, könne es noch spannend werden, schrieb der Sprecher der Initiative, David Kaufmann auf einem Blog. „BMW Lab verhindern“ macht aber auch selbst Vorschläge für Veranstaltungen. Um 15 Diskussionsthemen will die Initiative das Programm der Denkfabrik erweitern. Insbesondere der Guggenheim-Sponsor BMW steht in ihrer Kritik. Thematisiert werden sollen nicht nur dessen umstrittene Rolle in der NS-Zeit, sondern auch aktuelle Fragen um vermeintliches „Lohndumping und Profitgier“. Daneben schlägt „BMW Lab verhindern“ Veranstaltungen zu Themen wie Mietsteigerungen und dem Berliner Wohnungsmarkt, zu Polizeigewalt, Kameraüberwachung, Strategien gegen drohende Obdachlosigkeit und die Verdrängung von Hartz-IV-Empfängern aus dem gesellschaftlichen Leben vor.

Im Gespräch mit Morgenpost Online hatte die Kuratorin Maria Nicanor bereits angekündigt, das Thema „Gentrifizierung“ als besonderen Schwerpunkt in das Programm des Lab aufzunehmen. Die Diskussionen der vergangenen Wochen könnten nicht ignoriert werden.

Neben solchen Aktionen sei es laut „BMW Lab verhindern“ aber auch denkbar, dass unter steigenden Mieten leidende Menschen das Forschungsprojekt als neuen Wohnort besetzen. „Dafür werden wir die Veranstalter nicht um Erlaubnis fragen“, so Kaufmann. Andere linksgerichtete Initiativen wie „Indymedia“, „Links unten“ und „Stressfaktor“ kritisieren ebenfalls das „Guggenheim Lab“, das sie für ein „überflüssiges Prestigeobjekt für BMW“ halten. Zwar rufen einige der Plattformen zu Störversuchen auf und wollen den Start der mobilen Denkfabrik verhindern. Massive Drohungen sind bislang jedoch ausgeblieben. Die Polizei rechne mit Sachbeschädigungen, Farbbeutelwürfen oder Besetzungen, jedoch nicht mit Gewalt gegen Personen, sagte die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers. Derzeit werde eine Gefahrenanalyse erstellt. Koppers hatte bereits vor der Standortentscheidung den Schutz der Einrichtung zugesagt. Die aktuellen Entwicklungen würden aufmerksam verfolgt. Einen Schutz durch Polizisten halten die Organisatoren des Kulturprojekts derzeit nicht für erforderlich. Laut der Kuratorin Nicanor werde stattdessen ein privater Wachdienst engagiert.

Auch in New York, der ersten Station des „Guggenheim Lab“, hatten linke Gruppen vorübergehend den Standort besetzt. In dem immer populärer und teurer werdenden Stadtteil East Village nutzten Gentrifizierungsgegner und Nachbarschaftsinitiativen das „Lab“ für Protestkundgebungen. Ihnen ging es um steigende Mieten und Verdrängungsprozesse. Zu Ausschreitungen kam es allerdings nicht. Das mobile Forschungslabor thematisiert in kostenlosen Veranstaltungen die städtische Zukunft. Ziel ist es, Lösungen für die Probleme in urbanen Ballungszentren zu entwerfen. Das „Guggenheim Lab“ soll vom 15. Juni bis zum 29. Juli in Berlin bleiben und dann weiter nach Mumbai ziehen. Die Bauteile für das Projekt sind bereits in der Stadt. Das genaue Programm der Denkfabrik soll mit örtlichen Initiativen erarbeitet und in den kommenden Wochen auf der Internetseite des „Guggenheim Lab“ bekannt gegeben werden.