Fernwärme

Für eine Million Berliner steigen die Heizkosten

Vattenfall erhöht die Fernwärme-Preise zur nächsten Heizsaison um fünf Prozent. Vor allem Mieter in großen Wohnsiedlungen sind betroffen.

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Rund eine Million Menschen in mehr als 630.000 Berliner Privathaushalten und die Nutzer von mehr als 300.000 Gewerbeeinheiten oder öffentlichen Gebäuden müssen künftig mehr Geld für warme Räume bezahlen. Die Vattenfall Europe Wärme AG erhöht die Preise für Fernwärme ab der nächsten Heizperiode um fünf Prozent. Das gab der Versorgungskonzern am Mittwoch bekannt.

Betroffen sind in erster Linie Mieter in großen Wohnsiedlungen, die aus den zehn großen Heizkraftwerken und einigen kleineren Anlagen im Ost- und im Westteil der Stadt versorgt werden. Berlin verfügt aus historischen Gründen über das größte Fernwärmenetz in Westeuropa.

Nach Angaben der Vattenfall AG wird ein Durchschnittshaushalt in einer 70 Quadratmeter großen Wohnung mit knapp drei Euro monatlich zusätzlich belastet, das sind rund 36 Euro jährlich. Zuletzt waren die Preise 2011 um 0,9 Prozent gestiegen. 2010 gab es hingegen eine Senkung um 3,5 Prozent.

Insgesamt sind in Berlin über das 1600 Kilometer lange Leitungsnetz 15.400 Hausanlagen meist größerer Vermieter an die Leitungen angeschlossen. Die Mieter sind nicht direkte Kunden des Versorgers. Sie werden den Anstieg erst 2013 registrieren, wenn die Nebenkosten für 2012 abgerechnet werden. „Für Mieter ändert sich zum 1. April noch nichts“, sagte ein Vattenfall-Sprecher. Die Fernwärmeverträge hat der Konzern mit 5000 Großkunden, vor allem Wohnungsbauunternehmen, abgeschlossen. Diese wiederum reichen dann die Preissteigerung an ihre Mieter weiter. Da die Vermieter unterschiedliche Konditionen mit Vattenfall ausgehandelt haben, lässt sich jetzt noch nicht sagen, wie stark die Erhöhung für die einzelnen Mieter sein wird. Das bedeutet: Es könnten je nach Unternehmen mehr, aber auch deutlich weniger als die fünf Prozent sein.

Gleiche Steigerung bei Alt- und Neuverträgen

Die aktuelle Preiserhöhung betrifft direkt rund die Hälfte der Berliner Fernwärmekunden. Sie haben Altverträge, bei denen die Preise jährlich angepasst werden. Die andere Hälfte hat mit dem Versorger vereinbart, dass vierteljährlich auf das Niveau der Energiepreise reagiert wird. Beide Methoden führten jedoch zum gleichen Anstieg um rund fünf Prozent, so ein Vattenfall-Sprecher.

Die Preisgestaltung für die Fernwärme unterliegt in Berlin einer strengen Kontrolle. Die Preise richten sich nach den Kosten, die im Vorjahr für Energie angefallen sind. Sie sind an die Preisindizes des Statistischen Bundesamtes gebunden. Weil 2009 infolge der Wirtschaftskrise Energie billiger geworden war, sanken 2010 auch die Preise für Fernwärme in Berlin. Aber diese Zeiten sind vorbei.

Nach Angaben Vattenfalls sind die für die Energieversorgung der Stadt relevanten Brennstoffe im vergangenen Jahr deutlich teurer geworden. 2011 stiegen etwa die Preise für Kohle gegenüber dem Vorjahr um 25,4 Prozent. Erdgas wurde um 4,5 Prozent teurer, leichtes Heizöl sogar um 27,2 Prozent.

Dass vor allem der Brennstoff inzwischen deutlich mehr kostet, spiegelt sich auch in den einzelnen Elementen des Fernwärmetarifs wider. Der Grundpreis, den jeder Kunde zahlen muss, klettert nur um 1,6 Prozent und damit weniger als die Inflationsrate. Der Arbeitspreis jedoch, der sich am tatsächlichen Verbrauch orientiert, steigt um 7,4 Prozent.