Berlin-Kreuzberg

Polizei holt Guggenheim-Lab-Gegner aus Haus

Die Besetzung eines Wohngebäudes am Schlesischen Tor in Berlin-Kreuzberg hat am Montag einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst.

Foto: dpa / dpa/DPA

Ein Großaufgebot von 150 Polizisten hat am Montag ein Grundstück in Berlin-Kreuzberg geräumt, das Linksaktivisten besetzt hatten, um gegen „Gentrifizierung“ in ihrem Kiez zu protestieren. Etwa zehn Hausbesetzer seien bereits am Sonntag in das Haus an der Bevernstraße eingedrungen, sagte ein Polizeisprecher. Die Räumung verlief friedlich. „BMW Guggenheim ist schon weg. Andere Investoren sollen genauso verschwinden“, hieß es in einem Internetaufruf der Linksaktivisten.

Auch in Prenzlauer Berg formiert sich indes Widerstand gegen das Guggenheim-Projekt. „Immerhin gibt es nun aus Kreuzberg einige Handreichungen, wie man Investoren verschrecken kann“, heißt es seitens des Anwohnervereins „Leute am Teute“ am Teutoburger Platz in Prenzlauer Berg. Die Initiative kritisiert den Plan, die geplante Halle auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei Pfefferberg zu errichten, das schon im Sommer 2011 als Standort diskutiert worden war.

„Der Nordhof ist ein unangemessener Standort für jegliche Bebauung, weil hier ursprünglich eine Grünfläche für die Bewohner entstehen sollte“, sagt zum Beispiel Klaus Höpner, Mitglied des Vereins. Ziel des offenen Briefs sei es, dass ihn Bewohner, Künstler und Mitglieder von Projekten im gesamten Stadtgebiet unterzeichnen, um eine Front gegen das Labor zu bilden.

Auch Daniel Kaufmann spricht sich vehement gegen das Projekt aus, einerlei, in welchem Bezirk es entstehen sollte. „Wo auch immer das BMW-Lab stattfindet“, sagt der Kreuzberger, zu rechnen sei mit Kundgebungen und Demos, aber auch spontanen und „wütenden Aktionen“. „Dass wir unseren Protest stets bei der Polizei anmelden sollen, sehen wir nicht wirklich ein“, sagt Kaufmann. Er ist Mitglied einer Initiative, die an dem Projekt vor allem die Trägerschaft des Automobilherstellers BMW kritisiert. Von dem Konzern wolle man sich nicht in Fragen der Stadtentwicklung belehren lassen.

Schnelle Lösung gesucht

Die Kuratoren des Guggenheim-Projekts wollen in den kommenden Tagen über einen alternativen Standort entscheiden. Wie viele Standorte geprüft werden und wann die Entscheidung fallen soll, darüber halten sich die Verantwortlichen bedeckt. Weil das zwei Monate dauernde Projekt bereits Ende Mai starten soll, sei man um eine schnelle Lösung bemüht, heißt es seitens der Senatskanzlei.

Das von den Initiatoren als Ideenschmiede beworbene Projekt trifft auch auf Fürsprecher. „Es ist eine sehr wichtige Veranstaltung und wäre bei uns auf jeden Fall willkommen“, sagt Andreas Kranhold, Geschäftsführer der Pfefferberg GmbH. In Prenzlauer Berg liege eine „mit Kreuzberg nicht vergleichbare Situation vor“. Der Kiez sei schon so entwickelt, dass er mit steigenden Mieten durch das mobile Labor nicht rechne.