Berliner Nahverkehr

So kommen Sie am besten durch den BVG-Streik

Weil die Berliner Verkehrsbetriebe streiken, fahren am Sonnabend zwischen 4 und 19 Uhr keine U- und Straßenbahnen. Auch die meisten Busse fallen aus. Auf welchen Linien Sie dennoch fahren können und wie sich der Streik auf den S-Bahn-Verkehr auswirkt, lesen Sie hier.

Seit dem frühen Sonnabendmorgen fahren in Berlin keine Busse, U- und Straßenbahnen mehr. Um 4 Uhr traten die Fahrer der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in einen 15-stündigen Ausstand. „Etwa 5000 Beschäftigte in zwei Schichten beteiligen sich an dem Warnstreik“, sagte Verdi-Sprecher Andreas Splanemann. Die Streikbereitschaft sei sehr hoch. Ein Sprecher der BVG räumte ein: „Es steht alles, mehr oder weniger“.

Nach Angaben der BVG sind bis 19Uhr rund 1,8 Millionen Fahrgäste von dem Ausstand betroffen, darunter auch Touristen, das Berlinale-Publikum sowie Zehntausende Fußballfans. Morgenpost Online beantwortet die zehn wichtigsten Fragen zum Warnstreik.

Welche Verkehrsmittel sind betroffen?

Der Streik trifft von etwa 4 bis 19 Uhr alle U-Bahnen, Straßenbahnen sowie die meisten Buslinien. Sämtliche Berliner U-Bahnhöfe werden aus Sicherheitsgründen geschlossen. Schon vor dem offiziellen Streikstart, ab etwa 2 Uhr, kann es Einschränkungen geben. Auch nach Streikende wird es mehrere Stunden dauern, bis sich der Verkehr stabilisiert hat. Nicht betroffen sind die Berliner S-Bahn, die der Deutschen Bahn gehört, und insgesamt 23 Buslinien, die im Auftrag der BVG von privaten Verkehrsunternehmen betrieben werden . Planmäßig fahren auch Busse mit 600er- und 700er-Liniennummern. Diese Linien werden von Busunternehmen aus dem Umland betrieben. Um den sonst vom Nahverkehr abgeklemmten Flughafen Tegel erreichbar zu halten, organisiert die BVG mit Fremdfahrzeugen zudem einen Flughafen-Shuttle . Die Busse fahren alle fünf Minuten auf der Strecke der Linie 109 zwischen Flugterminal und S-Bahnhof Jungfernheide. Dort gibt es den Anschluss zur Ringbahn. Die Shuttle-Busse halten nach BVG-Angaben auch auf den Unterwegshaltestellen der Linie 109. Weil bei der S-Bahn am Ostkreuz gebaut wird, fahren auch Busse zwischen den S-Bahnhöfen Lichtenberg und Frankfurter Allee.

Wie fährt die S-Bahn?

Das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn kündigte am Freitag an, während des Streiks am Sonnabend sowohl personell als auch beim Fahrzeugeinsatz alle Kapazitäten auszuschöpfen. Allerdings hat auch die S-Bahn gleich mehrere Probleme. Wegen Bauarbeiten am Ostkreuz, die nach Unternehmensangaben nicht verschiebbar sind, fahren am gesamten Wochenende zwischen den Stationen Lichtenberg und Ostkreuz keine Züge (Linien S 5, S 7 und S 75). Als Ersatz werden Busse zwischen Lichtenberg und Rummelsburg eingesetzt. Zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof fahren die Züge zudem nur im Pendelverkehr. Die Einschränkungen gelten bis Betriebsbeginn am Montag. Außerdem kämpft die S-Bahn seit Wochen mit Personalengpässen. Weil viele Fahrer krankgeschrieben sind, fielen am Freitag Züge der Linie S 5 zwischen Mahlsdorf und Ostbahnhof aus. Die Linie S 47 wurde verkürzt auf den Abschnitt von Spindlersfeld bis Schöneweide.

So erleben Berliner des BVG-Streik

Wie komme ich sonst durch die Stadt?

Die Antwort lautet: am besten zu Fuß. Wer unbedingt auf längeren Strecken unterwegs sein muss, kann mit dem Taxi fahren. Auch dort kann es aber zu Engpässen kommen – unter anderem, weil die Berlinale endet. Taxi-Reservierungen sind telefonisch beispielsweise möglich unter 20 20 20, 21 01 01, 21 02 02, 26 30 00 oder 44 33 22. Bei Taxifahrten und Touren im eigenen Auto sollten die Berliner an diesem Sonnabend jedoch mehr Zeit einplanen. Weil ein großer Teil des Nahverkehrs lahmgelegt ist, dürfte es auf den Straßen deutlich voller werden als an einem normalen Wochenende. Wer kann, sollte möglichst Fahrgemeinschaften bilden.

Kann ich auch andere Züge nutzen?

Ja. Auf den direkten Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen innerhalb Berlins (zum Beispiel Gesundbrunnen–Potsdamer Platz–Südkreuz oder Ostbahnhof–Alexanderplatz–Friedrichstraße–Zoologischer Garten) empfehlen sich die Züge im Regionalverkehr. Dort gelten im Stadtgebiet die normalen BVG-Tickets.

Und wie komme ich zum Heimspiel von Hertha BSC im Olympiastadion?

Auch bei dieser Frage gilt: am besten zu Fuß. Die S-Bahn will zwar die geplanten Sonderzüge wie versprochen einsetzen – fünf Fahrten in 20 Minuten – doch erwartet das Unternehmen am Nachmittag restlos überfüllte Züge. Sollte der Andrang zu groß werden, wird die S-Bahn in Absprache mit der Bundespolizei einzelne Stationen zeitweise schließen. Davon kann auch der Umsteigebahnhof Westkreuz betroffen sein. Hertha BSC bittet die mehr als 74.000 Zuschauer der ausverkauften Partie gegen den amtierenden Deutschen Meister Borussia Dortmund, möglichst früh anzureisen. Das Olympiastadion ist bereits ab 13.30 Uhr geöffnet. Auf dem Messeparkplatz P18 (Jafféstraße/Tor 25) gibt es 1500 kostenlose Parkplätze. Von dort fahren Shuttlebusse der Bahntochter Bex zum Südtor des Stadions und nach Spielende bis 19 Uhr wieder dorthin zurück. Für die Rückfahrt mit der S-Bahn müssen die Fans in jedem Fall deutlich mehr Zeit einplanen. Die S-Bahn rät, nötigenfalls längere Fußwege in Kauf zu nehmen und bei der An- und Abreise von den Bahnhöfen Messe Nord/ICC und Westend zum Stadion zu laufen.

Wo bekomme ich aktuelle Informationen zur Verkehrslage?

Informationen im Internet gibt es auf den Seiten der BVG (www.bvg.de) der S-Bahn (www.s-bahn-berlin.de) und des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (www.vbbonline.de). Die Server-Kapazitäten der BVG wurden eigens erhöht. Telefonisch ist die BVG auf der Hotline (Tel. 19 449) erreichbar. Das Personal im Callcenter wurde zwar aufgestockt, trotzdem könnten die Leitungen aber überlastet sein. Außerdem informieren BVG und S-Bahn durch Lautsprecherdurchsagen und bereits seit Freitag durch Laufzeilen auf Anzeigetafeln.

Werden die Fahrgäste entschädigt?

Nein. Die gesetzlichen Regelungen sehen das nicht vor. Bei längeren Streiks gab es in der Vergangenheit Kulanzregelungen. Für den jetzt angekündigten 15-stündigen Warnstreik schließt die BVG das aber aus.

Worum geht es in dem Tarifkonflikt?

Es geht um die Löhne und Gehälter der etwa 12.500 Beschäftigten der BVG und ihrer Fahrertochter Berlin Transport (BT). In der sechsten Verhandlungsrunde am Dienstag hatte der Kommunale Arbeitgeberverband, der im Namen der BVG verhandelt, ein neues Angebot mit einem Gesamtvolumen von 38,6 Millionen Euro vorgelegt. Bei einer Vertragslaufzeit bis Februar 2015 sieht es stufenweise Einkommensverbesserungen von insgesamt etwa 5,1 Prozent vor: Außerdem bieten die Arbeitgeber eine Einmalzahlung von 100 Euro an. Zusätzlich soll der Urlaubsanspruch auf 30 Tage für alle BVG-Beschäftigten vereinheitlicht werden. Bislang erhalten sie je nach Alter zwischen 26 und 30 Tagen Urlaub. Ver.di verlangt hingegen jährliche Einkommenserhöhungen oberhalb der Teuerungsrate von zuletzt 2,3 Prozent und eine deutlich kürzere Laufzeit des Tarifvertrages. Die Forderungen der Gewerkschaft würden laut KAV für die BVG Mehrkosten von insgesamt 62 Millionen Euro verursachen. Zuletzt hatte die Arbeitgeberseite nach Informationen von Morgenpost Online Zugeständnisse bei der Vertragslaufzeit angeboten. Beim finanziellen Volumen habe man aber kaum noch Spielraum, hieß es aus Verhandlungskreisen.

Was verdienen die BVG-Mitarbeiter?

Ein neu angestellter Fahrer bekommt derzeit rund 1800 Euro brutto monatlich. Hinzu kommen Zulagen für Schicht- und Wochenendarbeit. Mit den Zuschlägen erhält ein Fahrer nach zehn Jahren Betriebszugehörigkeit etwa 3100 Euro brutto. Mitarbeiter in der Verwaltung bekommen je nach Stellung, Qualifikation und Arbeitsvertrag zwischen 2500 und 8000 Euro brutto, neu eingestellte BVG-eigene Sicherheitskräfte mit Zuschlägen etwa 1900 Euro. BVG-Chefin Sigrid Nikutta verdient pro Jahr rund 300.000 Euro, also monatlich etwa 25.000 Euro.

Und wie geht es weiter im Tarifkonflikt? Drohen weitere Streiks?

Schlimmstenfalls ja. Am Montag um 13.30 Uhr steht der nächste Verhandlungstermin zwischen der Gewerkschaft Ver.di und dem KAV an. Sollte es keine deutliche Annäherung geben, kündigte Ver.di bereits weitere Arbeitskampfaktionen an. Am Dienstagmorgen will die Gewerkschaft über das weitere Vorgehen im Tarifstreit informieren.

-> Aktuelle Informationen finden Sie auf den Seiten der BVG und dem Auftritt der S-Bahn .

Auf diesen Linien der BVG können Sie trotz Streiks am Sonnabend fahren. Denn sie werden von privaten Subunternehmern bedient:

106 U Seestraße <> Schöneberg, Lindenhof

112 S Nikolassee <> Marienfelde, Nahmitzer Damm

140 S+U Tempelhof <> S Ostbahnhof

161 Schöneiche, Dorfaue <> Schöneiche, Lübecker Straße <> Hessenwinkel, Lutherstraße <> S Erkner

163 (S Adlershof <>) S Grünau <> S Flughafen Berlin-Schönefeld

168 Zum Seeblick <> Alt-Schmöckwitz <> Rauchfangswerder, Moßkopfring

175 Ringlinie: S Lichtenrade > Lichtenrade, Nahariyastraße > S Lichtenrade (> Lichtenrade, Illigstraße > S Schichauweg > S Lichtenrade)

184 (S Südkreuz <>) S+U Tempelhof <> U Krumme Lanke

204 S Südkreuz <> S+U Zoologischer Garten

218 U-Bhf Theodor-Heuss-Platz <> Pfaueninsel (alle zwei Stunden)

234 Ringlinie: Alt-Kladow > Lanzendorfer Weg > Alt-Kladow

263 S Grünau <> Bohnsdorf, Waldstraße (Info Tower)

271 Ringlinie: U Rudow > Rudow, Gockelweg > U Rudow

275 Kirchhainer Damm/Stadtgrenze <> S Lichtenrade

294 Hohenschönhausen, Seehausener Straße <> Hohenschönhausen, Gehrenseestraße

326 Ringlinie: S Hermsdorf > Veltheimstraße/Schildower Straße> S Hermsdorf

334 Hohengatow, Waldschluchtpfad <> Gatow, Habichtswald (ab 7 Uhr)

363 S Grünau <> Krankenhaus Hedwigshöhe

371 Ringlinie: U Rudow > Lieselotte-Berger-Platz > U Rudow

372 Ringlinie: U Rudow > Rudow, Lettberger Straße > U Rudow

373 Ringlinie: U Rudow > Gropiusstadt, Hugo-Heimann-Straße > U Rudow

390 S Ahrensfelde > Eiche > Mehrow > Ahrensfelde > S Ahrensfelde

399 Ringlinie: S Kaulsdorf > Kaulsdorf, Grottkauer Staße > S Kaulsdorf

Außerdem fahren nach Angaben der BVG alle Buslinien mit 600er oder 700er Liniennummern. Auf der Linie 107 verkehren nur die Fahrzeuge der Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG), ebenso auf der Linie 136 , im Abschnitt Hennigsdorf <> Rathaus Spandau

Auch ein Teil der Nachtlinien wird laut BVG vom Warnstreik betroffen sein und vorzeitig den Betrieb einstellen. Folgende Linien werden in der Nacht von Freitag zu Sonnabend ohne Einschränkungen fahren: N12, N23, N35, N39, N40, N52, N53, N56, N60, N61, N62, N67, N68, N69, N79, N84, N88, N90, N91, N95, N97.