Eurovision

Berliner bauen Arena für Song Contest in Baku

Nach spektakulären Stadien für die Fußball-WM in Südafrika realisiert das Büro Gerkan, Marg und Partner die Halle für den Eurovision Song Contest 2012 in Baku (Aserbaidschan). Unterstützt wird die Architektur von einer spezieller Lichtgestaltung aus Berlin.

Foto: GMP Architekten

Sie haben beeindruckende Stadien für die Fußball-WM in Südafrika realisiert. Auch bei der kommenden WM 2014 in Brasilien sind sie mit drei neuen Sportarenen dabei. Jetzt landet das Berliner Büro von Gerkan, Marg und Partner Architekten (gmp) den nächsten Hit mit seinem Bau für Baku: Nach dem Entwurf der renommierten Planer entsteht in der aserbaidschanischen Hauptstadt die Arena für den Eurovision Song Contest 2012.

Das Finale des mittlerweile 57. Wettbewerbs der Popkultur steigt am 26. Mai 2012 in der sich wirtschaftlich rasant entwickelnden Zwei-Millionen-Stadt im Südostkaukasus.

Die für 25.000 Zuschauer angelegte Halle ist natürlich nicht nur für den einmaligen Sängerwettstreit konzipiert. In dem flexibel nutzbaren Neubau sind künftig auch andere Großereignisse wie beispielsweise Sportveranstaltungen möglich. So haben die Planer im Team um gmp-Mitbegründer Volkwin Marg, den Berliner gmp-Büroleiter Hubert Nienhoff und Projektleiter Markus Pfisterer keine klassische Konzerthalle, sondern eine moderne multifunktionale Indoor-Arena entwickelt. „Baku Crystal Hall“ ist der fast schon programmatische Name der Arena, die in äußerst exponierter Lage der Hafenstadt Baku auf einer Landzunge inmitten des kaspischen Meeres entsteht. Clou der modernen Arena ist die markante kristallartige Gebäudestruktur. Die gefächerte Außenhülle besteht aus zwei Elementen. Die innere Fassade ist eine thermische Hülle, bestehend aus roten Aluminiumpaneelen, an die sich die Konstruktion der Tribünen und des inneren Daches anschließen. Die äußere Fassade ist eine silberfarbene und lichtdurchlässige Kunststoffmembran, die zugleich als Windschutz fungiert.

Unterstützt wird die Architektur von spezieller Lichtgestaltung, für die ebenfalls ein Berliner Büro verantwortlich zeichnet: Die Lichtdesigner von „Lichtvision“ haben ein Konzept für die Inszenierung unterschiedlicher Beleuchtungsszenarien erarbeitet. Mit Hilfe von 9500 eigens dafür entwickelten LED-Leuchten kann die äußere Stadionfassade unterschiedlichste Wirkungen erzielen. „Jede der etwa fünf Zentimeter großen Leuchten ist über eine spezielle Software einzeln ansteuerbar und kann in jeder Farbe strahlen“, erläutert Sybille Herbert von Lichtvision das Prinzip. Derzeit werden unterschiedliche „Contents“ programmiert um anhand eines wechselnden

Farb- und Rhythmusspiel die Membranfassade zu inszenieren und auf den Verlauf des Events abgestimmte Stimmungen zu erzeugen.

Die Farben der Nationen

Auch im Inneren setzen die Berliner Gestalter einige Teile der 206 Meter langen und 168 Meter breiten Arena ins richtige Licht. „Wir haben auch für die VIP-Lounges und den Empfangsbereich die Lichtplanung übernommen“, so Herbert.

Als Reminiszenz an die 43 Nationen, die sich zunächst in zwei Semifinalen für die Qualifikation an dem Song Contest beteiligen, gibt es im Rundgang der Arena eine Installation. Streiflichter erhellen 43 Paneele unter der Decke, auf denen die Farben der Flaggen der teilnehmenden Länder zu sehen sind.

Neben der Gestaltung ist auch die Bauplanung der neuen Arena ungewöhnlich. Denn mit gerade einmal acht Monaten ist die von August 2011 bis März 2012 anberaumte Bauzeit extrem kurz. Nach Angaben der erfahrenen Stadion-Planer von gmp Architekten nimmt die Realisierung einer Arena solcher Ausmaße normalerweise vier bis fünf Jahre in Anspruch. Dass die Planer in Baku mit der Umsetzung ihres Entwurfs so zügig ins Ziel kommen, liegt an der Konstruktion: Anstelle des üblichen Stahlbetonbaus wird die Halle in einer modularen Bauweise aus einem Stahlgerüst, einem Stadionmodul und einer Membranfassade konstruiert. Die einzelnen Bauteile werden parallel vorgefertigt und dann vor Ort montiert.

Der weithin sichtbare Bau entspricht dem Selbstverständnis der Zwei-Millionen-Stadt Baku, die sich als Brücke zwischen Asien und Europa sieht. Die neue Arena könnte möglicherweise auch ein Zeichen in Richtung Olympische Spiele senden, da sich Aserbaidschan als Austragungsort für die Sommerspiele 2020 bewirbt. Was jenseits der Aufmerksamkeit für den international beliebten Songwettstreit allerdings nicht vergessen werden sollte: Das nach 70-jähriger Sowjetherrschaft seit 1991 unabhängige Aserbaidschan gilt laut „Reporter ohne Grenzen“ noch immer als „ein Land, in dem ein Klima der Angst und Repression herrscht“. So rangiert die kleine Republik im Südostkaukasus im weltweiten Ranking der Pressefreiheit noch hinter dem Irak auf Platz 152. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP) sagt dazu: „Es ist wichtig, die Aufmerksamkeit zu nutzen, die durch so eine Veranstaltung entsteht. Indem man die Probleme beim Namen nennt, muss man verhindern, dass das Regime den Contest für seine PR nutzt.“

Die Planer und die Popkultur

Volkwin Marg: Der Wettbewerbsieg der damaligen Newcomer Volkwin Marg und Meinhard von Gerkan für den Flughafen Tegel war vor 47 Jahren Startschuss für die Gründung ihres Büros „Gerkan, Marg und Partner Architekten“ (gmp). Mit unterdessen etwa 600 Mitarbeitern zählt gmp zu den größten und erfolgreichsten Planungsbüros Deutschlands. Die bekanntesten Berliner Bauten der Planer sind die Modernisierung des Olympiastadions, der Hauptbahnhof oder auch der neue Großflughafen.

Planungskonsortium: Die „Baku Crystal Hall“ nach dem Entwurf von gmp Architekten wird unter der Obhut des Generalunternehmers Alpine Bau Deutschland in einem Konsortium mit der Nüssli AG International realisiert.

Baku: Die Hauptstadt der kleinen Republik Aserbaidschan liegt an der Westküste des Kaspischen Meeres. Die Altstadt der Zwei-Millionen-Metropole Baku wurde 2000 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt.

Eurovision Song Contest: Nach dem 1. Semifinale am 22.Mai und dem 2. Semifinale am 24.Mai startet am 26.Mai das Finale des Sänger-Wettstreits im vieldiskutierten Neubau der Berliner Architekten.