Neue Hauptstadtrepräsentanz

ThyssenKrupp bittet Berliner um ihre Meinung

Die neue Hauptstadtrepräsentanz des Stahlkonzerns ThyssenKrupp soll quadratisch und glänzend werden. Gebaut wird sie am Schloßplatz in Berlin-Mitte aber nur, wenn die Hauptstädter einverstanden sind. In einer Ausstellung präsentiert das Unternehmen weitere Vorschläge - und bitte um ehrliches Feedback.

Foto: Schweger & Partner

Quadratisch, mit Glasfassade, sieben Stockwerke hoch und mit einer offenen Terrasse in der zweiten Etage. So sieht der Siegerentwurf des Hamburger Architekturbüros Schweger & Partner für die Hauptstadtrepräsentanz des Stahlkonzerns ThyssenKrupp aus. Doch ob das Gebäude tatsächlich gebaut wird, ist offenbar noch offen. "Wenn wir bei den Berlinern keine Akzeptanz bekommen, werden wir nicht bauen", sagt Martin Grimm, Geschäftsführer der ThyssenKrupp Real Estate. Martin Grimm hatte am Donnerstag als Konzernvertreter an der ersten öffentlichen Präsentation des Siegerentwurfs im ehemaligen Staatsratsgebäude in Mitte teilgenommen. Ein passender Ort. Der Neubau soll vor dem denkmalgeschützten Gebäude entstehen und wird dieses zum Teil verdecken.

Die Bebauung des nur 737 Quadratmeter großen Grundstücks mit der prestigeträchtigen Adresse am Schloßplatz 2 ist deshalb auch von Anfang an stark umstritten gewesen. ThyssenKrupp hatte das Grundstück 2007 vom landeseigenen Liegenschaftsfonds erworben. Zuvor galt das Areal als Verkehrsfläche. Das Unternehmen hatte sich vertraglich bereit erklärt, das Grundstück auf eigene Kosten (etwa 1,7 Millionen Euro) baureif zu machen. Da diese Ausgaben mit dem Kaufpreis verrechnet wurden, flossen letztlich nur 3700 Euro in die Landeskasse.

Erst skeptisch, jetzt überzeugt

Dass das Areal überhaupt als Bauland ausgewiesen wurde, geht auf das Planwerk Innenstadt aus den 90er-Jahren zurück. Als Teil der kritischen Rekonstruktion der Altstadt Berlins sollten dort wie vor dem Krieg wieder Häuser entstehen. Regula Lüscher, Senatsbaudirektorin, räumte am Donnerstag ein, dass sie zunächst "eher skeptisch" gewesen sei, ob die Bebauung ausgerechnet hier Sinn habe. "Das Ergebnis dieses internationalen Wettbewerbs hat mir jedoch gezeigt, dass die Bebauung an dieser Stelle nicht nur möglich ist, sondern auch eine wichtige Funktion erfüllt", so Lüscher. Der gläserne Solitär an dieser Stelle würde dem Schloßplatz an dieser Stelle, direkt gegenüber dem künftigen Einheitsdenkmal und schräg versetzt zum Berliner Schloss auf der anderen Straßenseite, eine neue Fassung geben, die einen echten Mehrwert darstelle. "Außerdem verspricht der Bauherr eine öffentliche Nutzung, die an dieser Stelle ganz wichtig ist." Angesichts der komplexen Aufgabenstellung – unter dem Baugrundstück befinden sich wertvolle archäologische Reste der Vorgängerbauten – rechnet Lüscher mit einem Bebauungsplanverfahren mit öffentlicher Beteiligung, das zwei Jahre dauern werde.

Nach den prämierten Plänen soll das gesamte Erdgeschoss, in dem unter anderem ein Café als Mieter einziehen soll, öffentlich zugänglich sein. Vor allem soll aber die sogenannte Bikini-Etage, das Luftgeschoss in der zweiten Etage, Besuchern einen einmaligen Blick auf den Schloßplatz bieten. Für sich selbst will der Konzern nur die obersten zwei Etagen nutzen, zwei weitere sollen an technologie- oder wissenschaftlich orientierte Nutzer vermietet werden. Im ersten Obergeschoss sollen Veranstaltungsbereiche entstehen, die ebenfalls gemietet werden können. Nach Angaben des Konzernvertreters liege die reine Bausumme für das Projekt bei rund 20 Millionen Euro. "Uns war bewusst, dass wir auf historisch und städtebaulich bedeutsamem Grund bauen werden", so Grimm. Auf der Spreeinsel lag schließlich nicht nur die Staatsmitte Preußens und Deutschlands, sondern lange Zeit auch die der DDR. "Daher war klar, dass wir hier kein x-beliebiges Gebäude errichten können", so Grimm weiter. Man wolle gerne als hoch qualifizierter Technologiekonzern in Berlin Flagge zeigen – "aber nicht um jeden Preis". Er sei gespannt auf das Urteil der Berliner.

Ihre Meinung zu dem Bauvorhaben können Interessierte in einer Ausstellung, die bis zum 11. Februar 2012 im ehemaligen Staatsratsgebäude (Schloßplatz 1) gezeigt wird und in der die besten 30 der insgesamt 258 eingereichten Arbeiten zu sehen sind, kundtun. Dort wird ein Gästebuch für Besucherkommentare ausliegen.

Öffnungszeiten: Mo.–Fr.: 16 bis 20 Uhr; Sa., So.: 12 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei

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