Ermittlungen

Berliner zerstückelt - Tatverdächtiger gefasst

Die Berliner Polizei hat die zerstückelte Leiche eines vermissten Mannes in einer Mariendorfer Wohnung gefunden. Nach dem 37-Jährigen war seit Tagen gesucht worden. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen. Er hat gestanden.

Foto: Steffen Pletl

Das mysteriöse Schicksal eines Mannes, der am Montag tot in einer Wohnung in Berlin-Mariendorf gefunden wurde, ist offenbar aufgeklärt. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, wurde noch am Montagnachmittag der 43-jährige Michael S., Mieter der Wohnung, festgenommen. Er gilt als dringend tatverdächtig, den 37-jährigen Carsten Sr. getötet und zerstückelt zu haben. Kurz vor seiner Festnahme soll Michael S. zudem versucht haben, sich das Leben zu nehmen.

Nach Polizeiangaben handelt es sich bei dem Toten um den Kreuzberger Bankangestellten Carsten Sr. Er wurde seit dem 1. Januar 2012 vermisst. Die Polizei versucht nun zu rekonstruieren, was genau vorgefallen ist.

Nach derzeitigen Erkenntnissen hatte Carsten Sr. am 1. Januar kurz bevor er verschwand mit seinem Lebensgefährten gesprochen. Er sagte ihm, dass er noch verabredet sei. Mit wem, konnte bislang noch nicht herausgefunden werden. Nach Polizeiangaben hatte er noch am selben Abend gegen 23.30 Uhr einen größeren Geldbetrag an einem Geldautomaten der Berliner Sparkasse am Mehringdamm abgehoben. Dann verliert sich seine Spur. Das Handy von Carsten Sr. wurde am 2. Januar abgeschaltet. Anschließend wurde er der Polizei als vermisst gemeldet.

Am 17. Januar veröffentlichte die Polizei die Vermisstenmeldung und bat die Bevölkerung um Hilfe. Allerdings vergeblich, kein Zeuge konnte konkrete Hinweise zu dem Verbleib von Carsten Sr. machen. Wie die Polizei weiter mitteilte, vermuteten die Ermittler nach einiger Zeit, dass Sr. einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte. Wie in solchen Fällen üblich, übernahm Ende der vergangenen Woche deshalb eine Mordkommission den Fall.

Im Laufe der Ermittlungen kamen die Beamten schnell auf die Spur von Michael S. Als sie am Montag zu seiner Wohnung an der Markgrafenstraße fuhren, hatte sich der Verdächtige bereits selbst schwere Schnittverletzungen zugefügt. Anschließend fanden die Polizisten in der Wohnung den Leichnam von Carsten Sr. Gegen 16 Uhr wurde schließlich ein Notarzt gerufen, der Michael S. wenig später behandelte und ihn stabilisierte. Anschließend wurde er in die Charité Campus Benjamin Franklin gebracht.

Der Festgenommene habe eingeräumt, den Banker umgebracht zu haben, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. „Beamte haben den Mann noch im Krankenhaus befragt“, sagte Steltner. Der Bankangestellte sei den Erkenntnissen zufolge aus sexuellen Motiven getötet worden.

Genaue Angaben zur Todesursache von Sr. und zum Zustand seines Leichnams macht die Polizei noch nicht. Nach Informationen von Morgenpost Online hatten sich beide Männer in der Wohnung von S. verabredet, um dort sexuelle Handlungen vorzunehmen. Auch wann Carsten Sr. starb, wollte die Mordkommission nicht sagen. Die Staatsanwaltschaft bestätigte hingegen, dass die Leiche zerstückelt wurde. Die Behörde hat deshalb einen Haftbefehl wegen Mordes „zur Befriedigung des Geschlechtstriebs“ beantragt, sagte Sprecher Steltner. Die Tat habe wohl „einen sexuellen Hintergrund“, so Steltner weiter. Der Haftbefehl sollte noch am Dienstag im Krankenhaus gegen Michael S. erlassen werden.

Auch am Dienstag waren Beamte der Mordkommission sowie Mitarbeiter der Gerichtsmedizin in der Wohnung an der Markgrafenstraße, um Spuren zu sichern. Die Beamten durchsuchten dabei auch den Keller des Hauses und transportierten unter anderem eine Bio-Mülltonne ab. Am Mittag betraten dann Gerichtsmediziner mit einer Bahre das Mehrfamilienhaus. Vermutlich waren während der Durchsuchung weitere Leichenteile gefunden worden.

Carsten Sr., der hauptberuflich in einer Bank arbeitete, half ab und zu in einem Saunaklub für homosexuelle Männer in Kreuzberg aus. Die Mitarbeiter des Klubs waren von der Nachricht schockiert und wollten sich zum Tod von Carsten Sr. nicht äußern. Michael S. sei dort nicht bekannt gewesen, hieß es. Die Anwohner an der Markgrafenstraße hingegen berichteten, dass Michael S. ein unauffälliger Nachbar gewesen sei. Er sei häufig allein spazieren gegangen und habe oft Besuch von verschiedenen Männern bekommen.