Computer

Berlins Schulen fordern Systemadministratoren

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Regina Köhler

Foto: Marion Hunger

Zwar sind viele Schulen in Berlin bereits technisch gut ausgestattet, doch fehlt ihnen für Reparaturen oder Wartung der Computer Geld und Personal. Die Schulen fordern nun in einem Schreiben an die Bildungssenatorin Sandra Scheeres entsprechende Mittel.

Viele Berliner Schulen sind bereits gut mit moderner Technik ausgerüstet. Für deren Wartung fehlt ihnen aber das Personal. Ein Beispiel ist die Lessing-Schule in Wedding. Fast die Hälfte ihrer Hausarbeiten erledigen die Schüler dieses Gymnasiums bereits online. Auch wenn sie wissen wollen, wann eine Klassenarbeit fällig ist, wann sie Arbeitsblätter benötigen oder spezielle Informationen zu einem Thema, loggen sie sich in den virtuellen Lernraum ihrer Schule ein. Den hat die Bildungsverwaltung den Schulen eingerichtet. Die Lehrer des Lessing-Gymnasiums haben bereits mehr als 150 eigene Angebote auf diese Plattform gestellt. Schulleiter Michael Wüstenberg ist stolz auf dieses Angebot. „Das ist unser Weg, den Unterricht moderner und interessanter zu machen und unsere Schüler auf das Studium vorzubereiten“, sagt er.

Das Lessing-Gymnasium verfügt inzwischen über 200 Computer. Jeder Klassenraum ist zudem mit einem Smartboard ausgerüstet. Es gibt Netbooks, die sich die Schüler ausleihen können. Schulleiter Wüstenberg sagt, dass sein Kollegium das gesamte Unterrichtskonzept auf die neuen Medien ausgerichtet hat. Die Schüler wissen das zu schätzen. „Lernen macht einfach mehr Spaß“, sagen Alexandra und Elisa aus der 7s. Und Aria, der bald Abitur machen wird, fühlt sich gut auf die Uni vorbereitet.

Doch es gibt ein Problem: Die Schule hat niemanden, der sich um die Wartung und Reparatur der Computer kümmert. Dafür ist einfach kein Geld da. „Leider klafft ein großer Widerspruch zwischen der Vorstellung davon, wie eine moderne Schule auszusehen hat, und der Finanzierung dieser modernen Schule“, sagt Wüstenberg. Seine Kollegen wie etwa Englischlehrer Hans-Jürgen Constabel würden sich sehr engagieren, einen Techniker könnten sie aber nicht ersetzen.

Dieses Problem haben auch andere Berliner Schulen. Viele Schulleiter wandten sich deshalb kürzlich an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). In einem Schreiben fordern sie für jede Schule einen gut ausgebildeten Systemadministrator, der sich ausschließlich um die Technik kümmern soll. Auch Schulleiter Wüstenberg hat den Brief unterschrieben.

Zu den Unterzeichnern gehört auch Cornelia Flader, Schulleiterin der Heinrich-Seidel-Grundschule in Gesundbrunnen. „Unsere Schule ist inzwischen mit mehr als 100 Computern und etlichen Smartboards ausgestattet“, sagt sie. Für die Wartung dieser Geräte brauche sie unbedingt einen Fachmann. Die Lehrer könnten das nicht leisten, es sei auch nicht ihre Aufgabe. Flader weiß, dass die Schulleiter mit der Bitte um eine zusätzliche Stelle pro Schule eine Maximalforderung aufgestellt haben. Sie ist dennoch überzeugt davon, dass es anders nicht mehr gehen wird. „Wir sind verpflichtet, den Unterricht zu modernisieren und zunehmend moderne Medien einzusetzen“, sagt sie. Angesichts der Anforderungen, denen die Schüler in Ausbildung und Beruf gegenüberstünden, gebe es keine Alternative.

In der Bildungsverwaltung weiß man um das Problem. Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres, betont jedoch, dass die IT-Betreuung Aufgabe des Schulträgers und damit der Bezirke sei. „Seit 2004 unterscheiden wir zwischen pädagogischer und technischer IT-Betreuung“, so Stoffers. Für die pädagogische Betreuung habe die Verwaltung jeder Schule wöchentlich zusätzlich zweieinhalb Lehrerstunden eingeräumt. Die Betreuung der Technik sei Sache der Bezirke. Laut Stoffers hat die Bildungsverwaltung im Jahr 2011 insgesamt 22 Millionen Euro für Lehrmittel an die Bezirke verteilt. Die müssten das Geld an die Schulen weiterreichen, damit diese alle benötigten Lehrmittel einschließlich der Computer sowie Wartung und Ersatz der Geräte finanzieren können.

Ulrich Davids (SPD), Bildungsstadtrat in Mitte, betont indes, dass die den Schulen zur Verfügung stehenden Mittel für die Wartung und Reparatur der modernen Technik nicht ausreichen. Er unterstützt deshalb die Forderung der Schulen nach einem Systemadministrator. Er habe seinerseits einen Brief an die Bildungssenatorin geschrieben, sagte Davids Morgenpost Online „Ich habe darum gebeten, dass wir uns zusammensetzen und gemeinsam nach Lösungen suchen.“ Seine Amtskollegin Katrin Schultze-Berndt (CDU), Bildungsstadträtin in Reinickendorf, sagt, dass die Verwaltung viel in die technische Ausstattung der Schulen investiert habe. Für die Wartung der Geräte reiche das Geld aber nicht aus.