Kriminalitätsbilanz 2011

Einbrecher schlagen in Berlin häufiger zu

2011 wurde bislang 9730 Mal in Berliner Wohnungen eingebrochen. Das sind fast 24 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr. Bevorzugte Ziele: Altbauwohnungen im Zentrum der Hauptstadt. Nun wollen Politik und Polizei gegensteuern.

Foto: picture-alliance / dpa

Die Zahl der Einbrüche ist in Berlin stark angestiegen. Wie die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers sagte, wurde in diesem Jahr bislang rund 9730 Mal in Berliner Wohnungen eingebrochen. Das seien laut Koppers knapp 24 Prozent mehr als noch 2010. Daneben drangen Einbrecher in 1640 Villen ein – 27 Prozent mehr als im Vorjahr.

Damit setzte sich zum Jahresende der Trend des gesamten Jahres 2011 fort. Aufgrund der steigenden Einbruchs- und Diebstahlzahlen hat auch erstmals seit Jahren die Kriminalität in der Hauptstadt insgesamt wieder zugenommen . „Wir haben einen Aufwärtstrend, der zum Teil besorgniserregend ist“, so Koppers. Innensenator Frank Henkel (CDU) kritisierte den Personalabbau der vergangenen Jahre.

Zahl krimineller Delikte steigt um 4,3 Prozent

Die vorläufige Bilanz für dieses Jahr (Januar bis November) verzeichnet insgesamt knapp 454.700 Straftaten – das sind rund 18.500 Fälle mehr als im Vorjahr. Damit stieg die Zahl krimineller Delikte um 4,3 Prozent. Die Aufklärungsquote sank leicht und liegt jetzt bei 46 Prozent (minus 2,2 Prozent). Wie 2010 starben bislang 38 Menschen durch vorsätzliche Tötungsdelikte, die Zahl der versuchten Taten stieg jedoch leicht an (plus sechs Fälle).

Koppers forderte die Berliner auf, sich besser zu schützen: „Die Diebe bevorzugen Altbauwohnungen im Zentrum der Stadt – auch weil dort ein erschreckend hoher Anteil gar nicht gesichert ist. Manche Wohnungen sind nicht einmal abgeschlossen. Da haben Diebe leichtes Spiel.“ Neben den Altbauwohnungen haben es die häufig organisierten Banden besonders auf Villen abgesehen. Die Polizei kann die Einbrecher nicht stoppen: Nur knapp jeder vierte Einbruch könne derzeit aufgeklärt werden, so Koppers.

Henkel kritisert Personalabbau

Innensenator Henkel sagte Morgenpost Online: „Das sind vorläufige Zahlen, aber sie bestätigen unsere bisherige kritische Sichtweise. Die Sicherheitslage hat sich eben nicht nur subjektiv verschlechtert. Das lässt sich auch objektiv an Zahlen festmachen. Die Auswirkungen des Personalabbaus der vergangenen Jahre lassen sich nicht dauerhaft verschleiern.“ Es werde ein Schwerpunkt der neuen Regierung sein, hier gegenzusteuern und Berlin sicherer zu machen. „Wir werden uns vor allem darauf konzentrieren, die Polizei personell zu stärken und die Präsenz in der Fläche zu verbessern. Mehr Personal hilft unseren Sicherheitskräften, wieder stärker präventiv und strafverfolgend tätig zu werden“, so Henkel. Die rot-schwarze Koalition will in den nächsten fünf Jahren insgesamt 250 zusätzliche Polizisten einstellen.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) machte die geringe Polizeipräsenz für die steigenden Einbruchzahlen verantwortlich. Klaus Eisenreich, Landesgeschäftsführer der GdP, sagte: „Das Risiko, entdeckt zu werden, ist wegen der Personaleinsparungen der vergangenen Jahre gesunken.“ Das gelte besonders für die steigenden Fälle von Einbrüchen in Wohnungen und Häuser.

Organisierte Tätergruppen aus Osteuropa

Die Polizei vermutet, dass ein Teil der Täter aus Osteuropa kommt. „Es zeichnet sich ab, dass da organisierte Tätergruppen zugange sind. Das sind Profis“, so Koppers. „Berlin ist besonders belastet – wegen der kurzen Wege nach Osteuropa, wo das Diebesgut – zum Teil auf Bestellung – veräußert wird.“

Um der steigenden Zahl von Einbrüchen entgegenzuwirken, verstärkt die Berliner Polizei die länderübergreifende Zusammenarbeit. „Wir versuchen, den Diebstahlstaten durch repressive und präventive Maßnahmen entgegenzuwirken – es gibt auch international intensive Bemühungen um eine verstärkte Zusammenarbeit der Polizei“, betonte Polizeichefin Koppers. Gebildet wurden spezielle länderübergreifende Ermittlungsgruppen, die bereits Erfolge hätten: Es habe erste Festnahmen gegeben. „Doch reisende Täter zu fassen ist sehr schwierig – die sind ganz schnell wieder weg.“ Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass dieselben Täter, oft zu zweit oder dritt unterwegs und bestens trainiert, auch in den neuen Bundesländern sowie im Ausland zugange seien.

Koppers appellierte an die Berliner, ihre Wohnungen und Häuser besser zu schützen. „Die organisierten Täter versuchen nicht stundenlang, in eine Wohnung einzudringen und alle möglichen Sicherungen zu überwinden. Es muss schnell gehen.“ Deshalb seien vernünftige Sicherungsmittel der beste Schutz vor Einbrüchen. Das werde auch durch den hohen Anteil von versuchten Taten (rund 38 Prozent) bestätigt. Mitgenommen werde alles, was sich „unauffällig und leicht transportieren lässt“ – etwa Schmuck und Geld.