Verkehrstote

Jede Woche stirbt auf Berlins Straßen ein Mensch

Trauriger Rekord: Im Jahr 2011 sind bereits 53 Menschen im Berliner Straßenverkehr gestorben. So viele wie seit 2008 nicht mehr. Besonders Fußgänger sind gefährdet.

Foto: schroeder

Berlin muss einen traurigen Rekord melden. Am Montag starb eine 68 Jahre alte Radfahrerin bei einem Unfall auf den Straßen Berlins. Sie ist das 53. Todesopfer in diesem Jahr – so viele gab es seit dem Jahr 2008 nicht mehr.

Nach ersten Erkenntnissen war die Frau gegen 9 Uhr mit ihrem Fahrrad auf der Landsberger Allee Richtung Mitte unterwegs. Auf der Höhe der Storkower Straße bog ein Betonmischer plötzlich nach rechts ab und überrollte die Frau. Offenbar hatte der Fahrer des Mischers die Frau auf dem Fahrradweg übersehen. Die 68-Jährige starb noch am Unfallort. Der Fahrer erlitt einen schweren Schock und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Storkower Straße wurde wegen des Unfalls zwischen der Landsberger Allee und Kniprodestraße für mehrere Stunden komplett gesperrt.

Besonders viele Unfälle in Mitte

Mit 53 Toten ist die Zahl der Verkehrsopfer wieder deutlich gestiegen. Erst im vergangenen Jahr konnte die Polizei bei 44 Toten eine – verhältnismäßig – positive Nachricht melden: Denn bis dahin war die Zahl der Verkehrstoten innerhalb eines Kalenderjahres noch nie so niedrig gewesen. Seit 2006 waren die Zahlen jahrelang gesunken. Damals verzeichnete die Polizei noch 74 Tote. Noch im Jahr 1990 waren insgesamt 226 Menschen in Berlin durch Verkehrsunfälle gestorben. Der positive Trend, der in den vergangenen Jahren zu verzeichnen war, wurde in diesem Jahr aber bereits Mitte Oktober unterbrochen.

Da gerade Fußgänger in der dunklen Jahreszeit häufig auf den Straßen übersehen werden, sind sie am meisten gefährdet. Diese Gruppe stellt laut Statistik mit 29 die meisten Toten. Darüber hinaus wurden jeweils elf Motorrad- und Radfahrer sowie jeweils ein Autofahrer und ein Beifahrer getötet.

Zahl der Verkehrsunfälle fast unverändert

Einer Auswertung des Statistikamtes Berlin-Brandenburg zufolge, die Morgenpost Online vorliegt, ist die Zahl der Verkehrsunfälle in den ersten zehn Monaten dieses Jahres nahezu stabil geblieben. Zwischen Januar und Oktober verzeichneten die Statistiker insgesamt 107.288 Verkehrsunfälle. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein Plus von gerade einmal 0,6 Prozent. Demgegenüber ist die Zahl der Leicht- und Schwerverletzten jedoch stark gestiegen. Die Daten zeigen deutlich, dass die Unfälle immer schwerwiegendere Folgen haben.

Wie die Auswertung des Statistikamtes belegt, wurden in den ersten zehn Monaten dieses Jahres bereits 1678 Menschen schwer verletzt. Im vergangenen Jahr waren es nur 1480, eine Zunahme von rund 13 Prozent. Bei den Leichtverletzten sieht es nicht besser aus, hier liegt das Plus bei rund elf Prozent (12.658 gegenüber 11.337 Leichtverletzten). Bis Ende Oktober waren darüber hinaus bereits 46 Menschen bei Unfällen getötet worden (2010: 36).

Mitte ist am gefährlichsten

Besonders gefährlich ist der Verkehr demnach in Mitte, denn dort hat es in diesem Jahr die meisten Unfälle gegeben: 15.658. Insgesamt acht Menschen wurden getötet sowie 2400 leicht beziehungsweise schwer verletzt. Auf Rang zwei und drei folgen Charlottenburg-Wilmersdorf (14.662) und Tempelhof-Schöneberg (10.906). In diesen drei Bezirken sind sowohl die absoluten Unfallzahlen als auch die Anzahl der Leicht- und Schwerverletzten ebenfalls gestiegen. Weniger Unfälle gab es dagegen in den Bezirken Pankow, Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Neukölln, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf.

Positiv ist lediglich, dass Unfälle, die sich unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen ereigneten, um sieben Prozent zurückgingen. Registrierte die Polizei im vergangenen Jahr noch 690 Personen, waren es in diesem Jahr „nur“ noch 640.

Fußgänger gehen oft bei Rot

Die Polizei versucht derweil mit verschiedenen Aktionen, besonders Fußgänger für die Gefahren zu sensibilisieren. Denn nicht immer sind unaufmerksame Autofahrer Schuld an folgenschweren Unfällen. Häufig verursachen Fußgänger oder Radfahrer die Zusammenstöße, weil sie die Straße falsch überqueren oder rote Ampeln ignorieren. Verschiedene Kontrollen, die am vergangenen Wochenende in den Bezirken Steglitz-Zehlendorf sowie Tempelhof-Schöneberg vorgenommen wurden, haben eines deutlich gemacht: Rote Ampeln werden noch immer häufig missachtet.

Die Beamten kontrollierten insgesamt 314 Fußgänger. 130 von ihnen waren bei Rot über die Straße gegangen. Aber auch die Autofahrer nahmen es mit der Straßenverkehrsordnung nicht so genau. Von 121 Autofahrern, die von den Beamten angehalten wurden, waren 32 bei Rot über Kreuzungen gefahren oder hatten beim Abbiegen nicht genügend auf den weiteren Verkehr geachtet. Die Beamten schrieben während der Aktion insgesamt 171 Anzeigen.