Charlottenburg

Parkchaos - Bezirk setzt auf mehr Kontrollen

| Lesedauer: 5 Minuten
Andreas Gandzior und Brigitte Schmiemann

Foto: Glanze

Parkplätze an der Wilmersdorfer Straße sind knapp. Das Halten in zweiter Spur ist mehr Regel denn Ausnahme geworden. Der Bezirk will nun schärfer kontrollieren.

Bäcker und Schuster, Drogerie, Zeitungs- und Blumenladen: Die Geschäfte am nördlichen Teil der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg bieten alles, was für den täglichen Einkauf benötigt wird. Nur eines fehlt: Parkplätze. Wochentags, pünktlich gegen sieben Uhr, beginnt das Chaos, zum Wochenende eskaliert die Situation. Hupen, Parken in zweiter und kurzes Anhalten in dritter Reihe, Pöbeleien zwischen Autofahrern, genervten Radfahrern, Fußgängern und Lieferanten. Besonders schlimm ist es auf dem Teilstück zwischen Bismarck- und Zillestraße. „Nur mal schnell eine Kleinigkeit erledigen“ – in der zweiten Spur stehen nahezu zu jeder Tageszeit Autos.

„Früher gab es schon Probleme mit dem Verkehr, aber seitdem die Parkplatzsituation auch noch verändert wurde, ist der Zustand hier eine Katastrophe“, sagt Anwohner Jens Neuendorf. Im Abschnitt zwischen Bismarck- und Zillestraße darf seit Juli 2009 nicht mehr in den Gehweg-Parkbuchten geparkt werden, zwischen Bismarck- und Schillerstraße wurde das legale Gehwegparken im Januar 2010 abgeschafft. Mit dem Ergebnis, dass der Gehweg jetzt breiter ist, die Autos aber an der Bordsteinkante parken. Legal. Das führte zu einer Verengung der Fahrbahn. „Wenn jetzt ein Auto in zweiter Spur hält, wird es noch enger“, sagt Neuendorf.

"Hier ist die Hölle los“

Erschwerend kommt hinzu, dass an der Ecke Spielhagenstraße ein Hotel eröffnet hat. Da diese Straße sehr eng ist, parken oft Reisebusse auf der Wilmersdorfer und lassen die Gäste mit ihrem Gepäck aussteigen. Dann kommt überhaupt keiner mehr durch. Für das Hotel wurde 2009, nach der Eröffnung, nach Auskunft der Behörden zwar eine 30 Meter lange Ladezone im Zuge der Spielhagenstraße eingerichtet. Doch auch diese wird von Autofahrern zum Parken benutzt.

Ein weiteres Problem sehen Anwohner in der Parkraumbewirtschaftung. Die beginnt an der Bismarckstraße, die Bezahlzone dehnt sich Richtung Süden aus. Wer kostenlos parken möchte, sucht im nördlichen Teil der Straße einen Parkplatz. „Hier ist teilweise die Hölle los“, sagt Anwohner Norbert Schmidt. „Ich gehe nur noch zu Fuß zum Einkaufen.“ Das können sich Handwerker allerdings nicht erlauben. So kommt es auch auf der Höhe eines Baumarktes regelmäßig zum Stau. Transporter oder Pritschenwagen parken in zweiter Spur, und einer der Arbeiter schleppt Baumaterial aus dem Laden.

„Die haben ja ordentlich zu schleppen. Da kann ich das verstehen“, sagt die Mitarbeiterin eines nahen Imbisses. „Aber freitags und sonnabends blockieren teure Autos die Straße. Der Mann sitzt im Wagen, und die Frau kauft 200 Gramm Kartoffelsalat und ein Pfund Fisch beim stadtbekannten Feinkosthändler. Die könnten auch zu Fuß zur Wilmersdorfer kommen“, findet die Imbiss-Verkäuferin.

Fahrradabstellanlagen geplant

„Ich würde auch ordentlich parken, wenn ich liefere“, sagt ein Lkw-Fahrer. „Aber unsere Lieferparkplätze sind fast immer von Autofahrern zugeparkt.“ Dafür haben Ordnungsamt und Polizei leichtes Spiel. Parksünder finden sie jeden Tag.

Auch das Bezirksamt weiß längst, dass die Verkehrssituation in der Wilmersdorfer Straße „angespannt und überwachungsbedürftig“ ist. Stadtrat Marc Schulte (SPD) sagte in der Anfrage zum „Verkehrschaos in der nördlichen Wilmersdorfer Straße“ in der jüngsten Bezirksverordneten-Versammlung außerdem, dass das mittlerweile illegale Gehwegparken vermutlich bald unterbleiben werde: „Es ist nämlich geplant, dort Fahrradabstellanlagen zu bauen.“

Wegfall von 143 Stellplätzen

Längst ist die Wilmersdorfer Straße zwischen Otto-Suhr-Allee und Schillerstraße Schwerpunkt bei den Kontrollen des Ordnungsamtes. Vor allem sonnabends seien die Mitarbeiter dort regelmäßig im Einsatz. Dabei werden laut Schulte auch immer wieder illegal in der Wilmersdorfer Straße abgestellte Autos umgesetzt. Außerdem fänden zusammen mit der Polizei Schwerpunktaktionen statt. „Hin und wieder fährt ein Mannschaftswagen der Polizei Sonnabendvormittag in die Straße, und die Beamten fangen an zu schreiben“, bestätigt Gastwirtin Jana Schneider. „Einmal die Straße hoch, dann wieder runter, nach 30 Minuten sind sie verschwunden und haben abkassiert.“

Die CDU-Fraktion wollte vom Bezirksamt auch noch wissen, wie es die Auswirkungen einschätzt, wenn in Zukunft der Parkplatz an der Gierkezeile, Ecke Zillestraße entfällt. Der Liegenschaftsfonds hat das Grundstück im vergangenen Jahr verkauft, der neue Eigentümer will Wohnungen bauen. Ein Gutachter, so Stadtrat Marc Schulte, habe festgestellt, dass sich der Beitrag des Parkplatzes als begrenzt erwiesen habe, um den Kundenverkehr an der Wilmersdorfer Straße zu unterstützen. Schulte erwartet, wie er weiter sagte, dass ein Wegfall der insgesamt 143 Stellplätze „durch die vorhandenen zum Teil untergenutzten Parkmöglichkeiten wie an der Richard-Wagner-Straße, der Bismarckstraße und dem Parkhaus an der Deutschen Oper aufgefangen würde“.