Zwangsverwaltung

HSH Nordbank räumt Tacheles-Ausstellung gewaltsam

Bei einer Räumung des Kunsthauses wurden Werke des russischen Künstlers Rodin beschlagnahmt. Die HSH Nordbank sieht die Aktion als zivilrechtliche Maßnahme. Das Tacheles hingegen kritisiert, das fehlende gerichtliche Urteil.

Foto: dpa

Schock für den aus Weißrussland stammenden Künstler Alexander Rodin, dessen Bilder in einer Ausstellung im Kunsthaus Tacheles zu sehen sind: Am Donnerstag um neun Uhr früh klopfte es an der Tür zu den Galerieräumen im 5. Stockwerk der berühmten Kunstruine an der Oranienburger Straße in Mitte. Rodin, der zu diesem frühen Zeitpunkt keine Besucher erwartete, ignorierte die Geräusche. Was dann passierte, schildert der 64-Jährige so: „Die Tür wurde mit Gewalt aufgebrochen, mehr als 30 schwarz gekleidete Security-Männer und zwangen mich, die Räume zu verlassen.“

Anschließend seien die Räume versiegelt worden – mit rund 15 seiner großformatigen Bilder, die in den vergangenen Jahrzehnten zum Teil in Minsk, zum Teil in Berlin entstanden seien. Auch die Werke anderer Künstler seien betroffen. Unter dem Titel „Dach 15“ laufe derzeit ein weißrussisch-deutscher Kulturaustausch.

"Bank hat Kunstwerke geklaut"

Nach Auskunft von Linda Cerna, Sprecherin des Kunsthauses Tacheles, hätten die Security-Männer im Auftrag einer Anwaltskanzlei gehandelt, die von der HSH Nordbank beauftragt worden sei. „Die Bank hat ohne gültiges gerichtliches Urteil räumen lassen und die Kunstwerke Rodins somit geklaut“, sagt die Tacheles-Sprecherin.

Dieser Darstellung tritt Gesine Dähn, Sprecherin der Bankgesellschaft, jedoch entschieden entgegen. „Es handelt sich bei der Räumung um eine zivilrechtliche Maßnahme des Zwangsverwalters, der vom Gericht eingesetzt wurde und nicht im Namen der HSH Nordbank handelt“, betont die Sprecherin.

Wie berichtet, wird das Kunsthaus seit dem Jahr 2007 von der HSH Nordbank zwangsverwaltet. Die Mietverträge der Künstler liefen 2008 aus. In den vergangenen Monaten wurden bereits Teile des Freigeländes am Kunsthaus geräumt, so zuletzt im Oktober die Metallwerkstatt. Eine Zwangsversteigerung war im April geplatzt. Ein neuer Versteigerungstermin steht noch nicht fest.