Deutsche Bahn

Regionalstrecke nach Potsdam gesperrt

Wegen Bauarbeiten kappt die Bahn die Grunewaldlinie - und das für ein ganzes Jahr. Für die Reisenden in der Region bringt der bevorstehende Fahrplanwechsel am Sonntag große Veränderungen.

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Für Zehntausende Fahrgäste des Regionalverkehrs zwischen Potsdam und Berlin brechen am Sonntag schwere Zeiten an. Eine der wichtigsten Bahnverbindungen der Region wird für ein Jahr unterbrochen. Wie berichtet, saniert die Deutsche Bahn zwischen den Stationen Berlin-Wannsee und Charlottenburg marode Brücken und Gleise. Bis zu 2500 Fahrgäste sind pro Stunde auf dieser Strecke unterwegs. Sie alle müssen sich nun andere Wege suchen. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hat ein umfangreiches Umfahrungskonzept erarbeitet. Züge der Regionalexpresslinie RE1 (Magdeburg–Eisenhüttenstadt) werden teilweise zwischen Werder (Havel) und Berlin-Zoologischer Garten umgeleitet, zum Teil wird die Linie auch unterbrochen. Pendelzüge fahren zudem im Stundentakt zwischen Werder und Berlin-Wannsee. Umgeleitet werden auch die Züge der Linien RE7 (Dessau–Wünsdorf Waldstadt) und RB21 (Griebnitzsee–Wustermark/Berlin-Hauptbahnhof).

Linie S7 trägt Hauptlast

Die Hauptlast wird aber die S-Bahn-Linie S7 (Potsdam-Hauptbahnhof–Ahrensfelde) bewältigen müssen. Die Züge sollen deshalb mit der maximalen Länge von acht Wagen und tagsüber im Zehn-Minuten-Takt unterwegs sein – allerdings nach bisherigen Planungen nur bis etwa 20.30 Uhr. Verkehrsexperten befürchten deshalb in den Abendstunden überfüllte Züge. Erstmals hat der VBB am Mittwoch angekündigt, dass bei Engpässen nötigenfalls nachgebessert, der dichte Takt also verlängert werden kann. „Prinzipiell ist das möglich“, sagte VBB-Chef Hans-Werner Franz bei der Vorstellung der umfangreichen Änderungen zum Fahrplanwechsel am Sonntag.

Grundsätzlich begrüßte Franz das bevorstehende Bauvorhaben trotz der damit verbundenen Umwege und verlängerten Fahrzeiten. „Wir sind sehr froh, dass die Strecke nun endlich erneuert wird“, sagte er. Wegen der vielen Schadstellen komme es auf der Strecke immer wieder zu Verspätungen. Besonders betroffen davon sind die wichtigen Regionalexpresslinien RE1 und RE7. Laut VBB fuhren zuletzt auf der RE1 nur 71 Prozent der Züge pünktlich, beim RE7 (Airport-Express) waren es sogar nur 65 Prozent der Züge. Für den VBB-Chef ist das „völlig indiskutabel“. Er hofft auf deutliche Verbesserungen nach der Streckensanierung. Abgesehen von den Einschränkungen durch die Baustelle im Grunewald, werde sich im Bahnverkehr der Region aber schon jetzt vieles verbessern, sagte Franz. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

Regionalverkehr - Odeg weitet Angebot aus

Insgesamt wächst das Angebot der Regional-Zugfahrten in Berlin und Brandenburg um sechs Prozent von bislang 36,5 Millionen Zugkilometern pro Jahr auf 38,3 Millionen Zugkilometer. Möglich ist das unter anderem durch Einsparungen, die der VBB durch die Ausschreibung von Strecken erzielt hat. „Das eingesparte Geld kommt vollständig den Fahrgästen zugute“, sagte Franz. Zu den Gewinnern zählen vor allem das Havelland und die Region um Cottbus. So steigt die Zahl der täglichen Zugverbindungen von Falkensee in die Berliner Innenstadt von derzeit gut 90 Zügen auf 129 Verbindungen. Auch Fahrgäste aus Spandau profitieren davon. Unter anderem wird ab dem Fahrplanwechsel die Regionalexpress-Linie RE6 (Wittenberge–Hennigsdorf–Berlin) zumindest im Berufsverkehr über Spandau hinaus weiter bis zum Bahnhof Gesundbrunnen verlängert. Laut VBB werden montags bis freitags im morgendlichen und nachmittäglichen Berufsverkehr insgesamt 18 Züge pro Tag von und nach Gesundbrunnen fahren. Geplant ist zudem ein Zwischenhalt in Berlin-Jungfernheide. Die Fahrzeit verkürzt sich gegenüber den bislang notwendigen Umsteigeverbindungen mit U- und S-Bahn um bis zu 25 Minuten. Verlängert wird auch die Regionalbahnlinie RB10. Statt in Charlottenburg enden die aus Nauen kommenden Züge künftig am Hauptbahnhof.

Deutlich schneller als bislang sind die Züge zwischen Berlin und Cottbus unterwegs. Nach fast zwei Jahren Bauzeit und einer 16-monatigen Vollsperrung ist die wichtige Regionalverbindung nun durchgängig mit bis zu 160 Kilometer pro Stunde befahrbar. Bislang waren nur 120 Stundenkilometer möglich. Die Fahrzeit zwischen Berlin-Ostbahnhof und Cottbus mit der Regionalexpresslinie RE2 verkürzt sich dadurch um 21 auf 69 Minuten. Um den Fahrzeitgewinn optimal nutzen zu können und Anschlüsse zu sichern, tauscht die Linie ihren bisherigen westlichen Ast mit dem Regionalexpress RE4 und fährt künftig von Wismar über Berlin nach Cottbus. Stammfahrgäste sollten sich über den neuen Fahrplan informieren, denn durch die neue Linienführung und die schnellere Geschwindigkeit verschieben sich die Abfahrtszeiten an den Bahnhöfen in Berlin und im Umland. Das gilt auch für den RE4. Dessen neuer Linienverlauf ist Rathenow–Berlin–Ludwigsfelde. In den Hauptverkehrszeiten wird diese Linie bis Jüterbog verlängert.

Der Bahnhof in Jüterbog wird zudem eine Premiere mit den grün-gelben Zügen der privaten Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg) erleben. Die Odeg weitet als Gewinner einer europaweiten Ausschreibung des VBB ihr Angebot in Brandenburg aus. Zum Fahrplanwechsel übernimmt das private Unternehmen den Betrieb der Regionalbahnlinien zwischen Berlin-Wannsee und Jüterbog im Landkreis Teltow-Fläming (OE33) sowie zwischen Brandenburg/Havel und Rathenow im Landkreis Havelland (OE51). Eingesetzt werden auf beiden Linien neue Gelenktriebwagen. Erst jüngst hatten die Fahrzeuge des Herstellers Stadler die nötige Genehmigung vom Eisenbahn-Bundesamt erhalten. Auch die Odeg weitet ihr Angebot auf bestehenden Strecken aus, wie Geschäftsführer Arnulf Schuchmann betonte. So endet die Linie OE36 künftig am Bahnhof Lichtenberg (bisher Schöneweide). Zwischen Beeskow und Königs Wusterhausen verkürzt sich die Fahrzeit um 17 Minuten. Auf der Linie OE25 Lichtenberg–Werneuchen) gilt künftig durchgehend von 5 bis 23 Uhr ein Stundentakt.

Die Deutsche Bahn muss hingegen weiter auf ihre bestellten Neubautriebwagen warten. Weil die Züge vom Typ Talent2 noch nicht zugelassen sind, werden weiter die noch zu Reichsbahn-Zeiten entwickelten Doppelstockwagen eingesetzt. Der Fahrzeugengpass hat auch Auswirkungen auf den Fahrplan. So wird unter anderem die Linie RB14 (Nauen–Senftenberg) von Sonntag an geteilt. Fahrgäste müssen deshalb am Flughafen Schönefeld umsteigen. VBB-Chef Franz hofft nun, dass die Talent-2-Triebwagen im kommenden Frühjahr zur Verfügung stehen.

Fernverkehr - Zusätzliche ICE's

Neue Angebote gibt es im Fernverkehr der Deutschen Bahn von und nach Berlin. Wochenendpendler können mit zusätzlichen ICE-Zügen zwischen Frankfurt am Main, Hamburg und Berlin reisen. Die Bahn reagiert damit nach eigenen Angaben freitags und sonntags auf die starke Nachfrage. Pro Ziel soll ein zusätzlicher ICE fahren. Außerdem gibt es vom Fahrplanwechsel an zwei zusätzliche ICE-Verbindungen zwischen Berlin und München – frühmorgens nach Bayern und am Nachmittag zurück.

S-Bahn - Verkehr im Zehn-Minuten-Takt

Auch für Fahrgäste des S-Bahn bringt der Fahrplanwechsel viel Neues. Auf den Linien S3, S5 und S7 fahren die Züge grundsätzlich wieder mit acht Wagen. Die stetig steigenden Passagierzahlen am Flughafen Schönefeld ermöglichen zudem die eigentlich erst zur Eröffnung des neuen Großflughafens vorgesehene Angebotserweiterung im S-Bahn-Verkehr bereits jetzt. Die Linie S45 fährt künftig ganztägig zwischen Südkreuz und Flughafen Schönefeld. Gemeinsam mit der Linie S9 besteht damit zwischen dem Berliner Stadtgebiet und dem Flughafen ein Zehn-Minuten-Takt. Die S9 fährt von Sonntag an auch im Abend- und Spätverkehr bis Pankow (statt Greifswalder Straße).

Auf der Stadtbahn werden die Linien S3, S5 und S75 neu geordnet. Als durchgehende Stadtbahnlinie verkehrt die S5 künftig ganztägig im Zehn-Minuten-Takt bis Spandau. Dieses Angebot gilt ab Spandau künftig auch am Sonnabend ab 5.30 Uhr und am Sonntag ab 7.30 Uhr (bisher zweieinhalb Stunden später). Auf dem östlichen Streckenabschnitt wird der bisher nur im Berufsverkehr angebotene Zehn-Minuten-Takt über Mahlsdorf hinaus bis Hoppegarten auf den gesamten Tag und das Wochenende (jeweils bis 20 Uhr) ausgedehnt. Die Linie S75 fährt ab Fahrplanwechsel in den Hauptverkehrszeiten alle zehn Minuten bis zum Bahnhof Westkreuz. In der übrigen Zeit und am Wochenende endet jeder zweite Zug am Ostbahnhof. Im Nachtverkehr gelten künftig die gleichen Linienführungen wie am Tage. Die gewohnten Nachtanschlüsse im S-Bahn-Netz und zur BVG bleiben bestehen.

Gekappt wird hingegen eine weitere Ost-West-Verbindung. Grund ist das 411-Millionen-Euro-Projekt Ostkreuz-Umbau. Betroffen sind die Fahrgäste des Linie S3 (bisher Erkner–Spandau). Für vier Jahre enden die aus Osten kommenden Züge bereits am Ostkreuz. Die S3 ist faktisch vom Rest des Netzes abgeschnitten. Fahrgäste in Richtung Innenstadt müssen umsteigen. Besonders schwer wird es für Reisende, die gehbehindert sind, im Rollstuhl oder mit Kinderwagen unterwegs sind. Weitere Änderungen im S-Bahn-Netz: Die S47 fährt tagsüber zwischen Spindlersfeld und Hermannstraße, abends zwischen Spindlersfeld und Schöneweide mit Anschluss zur S46. Zwischen Nordbahnhof und Gesundbrunnen (S25) sowie zwischen Grünau und Zeuthen (S8) wird das Angebot im Frühberufsverkehr ausgeweitet.

BVG - U1 und U2 wieder planmäßig

Vergleichsweise gering fallen die Änderungen bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) aus. Die wichtigste gilt schon ab Freitag. Nach der Sanierung am Gleisdreieck fahren die U-Bahn-Linien U1 und U2 wieder planmäßig. Bei der U-Bahn verlängert die BVG außerdem die Betriebszeit auf der Linie U9 am späten Abend bis 1 Uhr. In den Nächten zu Sonnabend und Sonntag fahren die Züge wie bisher durch. Die übrigen Umstellungen betreffen den Busverkehr. Informationen im Internet unter www.bvg.de