Regionalverkehr

Zügen der Odeg fehlt die Zulassung

Die Privatbahn Odeg übernimmt 2012 zwei Linien im Regionalverkehr. Allerdings gibt es für die Fahrzeuge des Unternehmens bislang keine Zulassung. Auch die Deutsche Bahn wartet auf den Einsatz ihrer neuen Regionalzüge.

Foto: ODEG

Im Dezember 2012 soll im regionalen Bahnverkehr ein neues Zeitalter beginnen. Dann wird die Deutsche Bahn AG, die das Angebot in Berlin und Brandenburg mit einem Marktanteil von über 80 Prozent weitgehend beherrscht, erstmals Konkurrenz bekommen. Im Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung soll dann die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg) den Zugverkehr auf zwei großen Bahnverbindungen – den heutigen Regionalexpresslinien RE2 (Rathenow-Berlin-Cottbus) und RE4 (Wismar-Berlin-Jüterbog) – übernehmen. Eigentlich.

Denn beim Betreiberwechsel könnte es zu Problemen kommen. Laut Odeg-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann ist noch immer unklar, ob sein Unternehmen rechtzeitig Züge hat, die fahrbereit sind. „Auch wir leiden unter der Unzuverlässigkeit der Fahrzeugindustrie“, sagte Schuchmann bei einer Veranstaltung des Fahrgastverbandes Igeb. Außerdem räumte er ein, momentan noch keinen Plan B zu haben. Im Klartext bedeutet das: Stehen die neuen Züge nicht rechtzeitig bereit, müsste im Zweifel die Deutsche Bahn (DB) weiter auf den Linien fahren. Ob sie das überhaupt kann, ist jedoch ebenso ungewiss. Denn auch der DB fehlen längst bestellte, aber noch immer nicht vollständig zugelassene Züge.

Rohbau der Züge steht schon

Die Odeg will auf ihren beiden neuen Strecken, derzeit intern als OEX2 und OEX4 bezeichnet, moderne Doppelstocktriebzüge fahren lassen. Bestellt hat die Odeg die neuen Züge beim Schweizer Fahrzeughersteller Stadler Rail, der auch in der Region produziert. In Reinickendorf, in Pankow, im brandenburgischen Velten und – gerade erst eröffnet – in Berlin-Hohenschönhausen werden Stadler-Züge hergestellt. Die Ersten vom Typ „KISS“ – die Abkürzung steht für „Komfortabler innovativer spurtstarker Schnellbahnzug“ – sind im Rohbau fertig, im Herbst sollen die ersten Probefahrten auf der Schiene erfolgen. Die Züge sind also da, jetzt fehlt nur noch der Stempel.

Odeg-Chef Arnulf Schuchmann macht die noch fehlende Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) Sorge. „Ohne die können wir keine Fahrgäste befördern“, sagt er.

Zulassung nicht übertragbar

Die Stadler-Triebwagenzüge wurden komplett neu entwickelt. Seit Kurzem fahren sie bei der S-Bahn in Zürich. Die Zulassung in der Schweiz ist jedoch nicht auf Deutschland übertragbar, hier ist eine gesonderte Genehmigung erforderlich.

Offiziell will sich Stadler zum Stand des Zulassungsverfahrens nicht äußern. „Das läuft parallel zur Fertigung“, sagt Unternehmenssprecherin Katrin Block. Auch beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) gibt man sich einstweilen noch gelassen. „Wir gehen davon aus, dass die benötigten Züge im Dezember 2012 auch zur Verfügung stehen“, sagt VBB-Sprecherin Birgitta Köttel.

Branchenexperten sind sich indes sicher: Probleme mit der Zulassung neuer Fahrzeuge können derzeit jeden Hersteller und jedes Eisenbahnverkehrsunternehmen treffen. Nach diversen Sicherheitsproblemen bei verschiedenen Zugtypen ist das EBA inzwischen pingelig, wenn es um die Vorlagen entsprechender Nachweise wie für Bremsleistung und andere Sicherheitstechnik geht.

Auch die DB wartet seit Monaten

Diese Erfahrung macht gerade die DB. Sie wartet seit Monaten auf den Einsatz ihrer neuen Regionalzüge vom Typ „Talent 2“ des Herstellers Bombardier. Ursprünglich sollten die ersten Triebwagen schon seit dem Jahr 2010 unterwegs sein. Doch das EBA hat wegen fehlender Sicherheitsnachweise noch immer keine uneingeschränkte Zulassung erteilt, wie Behördensprecher Moritz Huckebrink bestätigt. Nach seinen Angaben hat Bombardier am Dienstag noch neue Unterlagen eingereicht, die nun „zügig geprüft“ werden sollen. Nach aktuellem Stand dürften die Züge nicht – wie von der Bahn bestellt – mit Tempo 160 fahren, sondern nur 140 Kilometer pro Stunde. Die Bahn werde die Züge aber erst abnehmen, „wenn die Einschränkungen und Auflagen der Zulassung abgearbeitet sind und die Fahrzeuge damit den vertraglichen Vereinbarungen entsprechen“, sagte jüngst DB-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg. „Auch eventuelle Standschäden müssen vom Hersteller behoben werden, bevor wir die ,Talent 2'-Züge einsetzen.“ Gemeint sind rund 80 in Hennigsdorf gebaute Züge, die seit Monaten auf einem Rangierbahnhof in Wustermark stehen.

Anders als die Odeg kann die Deutsche Bahn die fehlenden Triebwagen bislang noch weitgehend aus der bundesweiten Fahrzeugreserve ersetzen. Von Juni 2012 an braucht die DB aber auch in der Region die „Talent“-Triebwagen. Sie sollen als Zubringerzüge für den neuen Flughafen in Schönefeld eingesetzt werden.