Tote und Verletzte

Zahl der Unfallopfer in Berlin auf Rekordhoch

Eigentlich waren die Zahlen der Toten und Verletzten auf den Straßen der Hauptstadt stetig gesunken. Doch in diesem Jahr erreichen sie erstmals wieder ein Rekordhoch. Am häufigsten kommen Fußgänger ums Leben.

Foto: picture-alliance / picture-alliance/chromorange

Auf Berlins Straßen hat es in diesem Jahr erstmals wieder mehr Tote und Verletzte gegeben. Zwischen Januar und September stieg die Zahl derer, die bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen, um fünf auf 39. Bis zum heutigen Tag ist die Zahl der Verkehrstoten in Berlin auf 49 gestiegen – und liegt bereits jetzt über dem gesamten Vorjahresniveau. Von Januar bis September wurden insgesamt 12.703 Verletzte registriert. Das sind damit 11,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Im Jahr 2010 waren 44 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen.

Wie schon im vergangenen Jahr waren mit 27 Fällen am häufigsten Fußgänger betroffen. Elf Motorrad- und zehn Radfahrer sowie ein Beifahrer starben. Autofahrer hinterm Steuer erlitten keine tödlichen Verletzungen. Auch handelte es sich bei den Todesfällen ausschließlich um Erwachsene. 2010 waren drei Kinder getötet worden.

Positiver Trend gestoppt

Der positive Trend, der in den vergangenen Jahren bei den tödlichen Verkehrsunfällen zu verzeichnen war, wurde in diesem Jahr erstmals seit 2006 wieder gestoppt. Zuvor waren die Zahlen jahrelang gesunken. Noch im Jahr 1990 starben insgesamt 226 Menschen auf Berliner Straßen.

Nun steigen die Zahlen wieder. Allein am Wochenende kamen in Brandenburg fünf Menschen ums Leben. Von Freitag bis Sonntag gab es nach Angaben des Lagezentrums der Polizei 432 Unfälle. Auch deutschlandweit ist die Zahl der Verkehrstoten in den ersten neun Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen, wie das Bundesamt für Statistik weiter mitteilte. Deutschlandweit registrierte die Polizei in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund 1,71 Millionen Verkehrsunfälle. Dabei wurden 292.234 Menschen verletzt und 29.38 getötet. Im Vergleich zu 2010 gab es insgesamt zwar weniger Unfälle, aber fast sechs Prozent mehr Verkehrstote.

Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit

Experten erklären sich die steigenden Zahlen bei Verletzten und tödlich Verunglückten in Berlin mit einer gestiegenen Nachlässigkeit. „Insbesondere Autofahrer neigen durch die zunehmende Sicherheit der Pkws dazu, risikoreicher zu fahren“, sagte der verkehrspolitische Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Gerd Lottsiepen. Die schwächsten Verkehrsteilnehmer – Radfahrer und Fußgänger – seien dadurch besonders gefährdet. Insbesondere in der Hauptstadt müsse mehr für die Sicherheit von Radfahrern und Fußgängern getan werden, forderte Lottsiepen. Nach Ansicht des VCD wäre beispielsweise Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit vorstellbar. Tempo 50 sollte dagegen nur auf großen Hauptverkehrsstraßen gestattet sein. Zwar würden Verkehrsunfälle dadurch nicht restlos verhindert werden. Sie könnten aber zu einer Reduzierung beitragen, so Lottsiepen.

Bereits in den ersten acht Monaten registrierten die Statistiker eine Zunahme der Verletzten und der tödlich Verunglückten. Unter den Toten waren besonders häufig ältere Verkehrsteilnehmer, die sich allerdings oft nicht korrekt verhalten hatten, weil sie die Fahrbahn falsch überquerten. Hinzu kam, dass die an den Unfällen beteiligten Autofahrer häufig viel zu schnell unterwegs oder sehr unaufmerksam waren.