Umstrittene Freilassung

Betrunkener kapert BVG-Bus mit Spielzeugpistole

Ein Berliner hat versucht, einen Bus zu entführen. Kurz darauf konnte er von der Polizei festgenommen werden. Sie fand jedoch lediglich eine Spielzeugpistole. Die Beamten ließen sie den Mann laufen. Diese Entscheideung ist umstritten.

Foto: ddp / ddp/DDP

Brisanter Zwischenfall in einem BVG-Bus: Ein 31 Jahre alter Mann hat am Donnerstag einen Fahrer der Linie 164 mit einer Pistole bedroht, um ihn auf eine andere Route zu zwingen. Später stellte sich heraus, dass er geistig verwirrt und betrunken war. Die Waffe entpuppte sich als Spielzeugrevolver.

Das Fahrzeug befand sich gegen 15.15 Uhr gerade an der Bahnhofstraße in Köpenick, als der 31-Jährige nach vorne zu dem Fahrer ging. Er forderte den 50-Jährigen auf, die Route zu verlassen und zur Jägerstraße zu fahren. Als sich der Busfahrer weigerte, griff der Mann in seine Jackentasche und holte die Pistole heraus. Anschließend richtete er die Mündung abwechselnd auf den 50-Jährigen und die Fahrgäste und wiederholte seine Forderung.

Psychologisch auffällig und betrunken

In Höhe des Forum Köpenick stoppte das Opfer schließlich den Bus und forderte die Fahrgäste über die Lautsprecher auf, das Fahrzeug zu verlassen, weil ein technischer Defekt vorliege. Alle Passagiere konnten unverletzt aussteigen. Der Täter verließ ebenfalls den Bus, ging in Richtung S-Bahnhof Köpenick davon und begab sich in einen Imbiss. Ein Zeuge verfolgte den Mann und führte die wenig später eintreffenden Polizeibeamten zu ihm. Er ließ sich widerstandslos festnehmen. Bei der anschließenden Durchsuchung fanden die Ordnungshüter die Waffenattrappe. Bei dem freiwillig durchgeführten Alkoholtest ergab sich ein Wert von mehr als zwei Promille. Der 31-Jährige wurde nach der Feststellung seiner Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt.

Nach Angaben eines Kriminalbeamten habe nicht ausgeschlossen werden können, dass der Mann nach diesem Zwischenfall erneut hätte auffällig werden können. „Dass die Schutzpolizisten den Mann entlassen haben, kann ich mir nicht erklären. Er war psychologisch auffällig, stark betrunken und hat zumindest in den Verkehr eingegriffen. Es gab keine Garantie dafür, dass er sich nicht darauf ein Küchenmesser kauft und den nächsten Bus kapert.“ Der Busfahrer habe vorbildlich und im Sinne der Sicherheit seiner Fahrgäste gehandelt.