Zukunftslabor

Guggenheim Lab zieht von New York nach Berlin

Nach einem großen Erfolg in den USA kommt die temporäre Kunsthalle von BMW und Guggenheim nach Berlin. Von Ende Mai bis Ende Juli 2012 soll sie in Prenzlauer Berg auf dem Gelände des Pfefferwerks stehen.

Foto: Solomon R. Guggenheim Foundation. (11/2011)

Jetzt ist der Termin offiziell bekannt gegeben. Vom 24. Mai bis zum 29. Juli kommt das BMW Guggenheim Lab nach Berlin. Die temporäre Kunsthalle wird in Prenzlauer Berg aufgebaut, auf dem Gelände des Pfefferwerks. Das Labor soll ein öffentlicher Ort sein, an dem man sich über Ideen und Lösungen zum Thema „städtisches Leben“ austauscht. Man – das sind Anwohner und Besucher aus vielen Ländern, Wissenschaftler, Künstler und Wirtschaftsexperten, junge und alte Leute.

Das Lab werde „eine Kombination aus Ideenschmiede, öffentlichem Forum und Gemeindezentrum sein“, teilte BMW mit. Das Gebäude wurde vom bekannten Architektur-Büro Bow-Wow aus Tokio entworfen. Es stand vom 3. August bis zum 16. Oktober dieses Jahres in New York, an der Houston Street. „Es war so gebaut, dass es genau zwischen zwei Häuserzeilen passt“, erzählt Thomas Girst, Sprecher der Kulturabteilung bei BMW. „In Berlin, auf dem Pfefferwerk-Gelände, wird es dagegen frei stehen.“

Ein Bau aus Karbon

Der Münchner war mehrmals im amerikanischen Guggenheim Lab. Es sei fast vollständig aus Karbon gebaut und dadurch sehr leicht, sagt Girst. Er habe gegen einen Pfeiler geklopft. „Es klang hohl. Aber es hält.“ Das Gebäude sei außerdem von allen Seiten zugänglich, und der Himmel durch die Decke zu sehen. „Es ist wie eine High-Tech-Wandelhalle“, so beschreibt es Thomas Girst. „Transparent und offen, wie die gesamte Veranstaltung sein soll.“ Die Grundfläche beträgt 250 Quadratmeter. „Das Gebäude wandelt sich mit dem, was innen geschieht“, sagt Girst. „Es kann durch ein technisches Equipment im Obergeschoss umgebaut werden.“ Der Raum werde mit Hilfe von Gewichtszügen umgestaltet, je nachdem, ob eine Podiumsdiskussion, eine Filmvorführung oder ein Streitgespräch ansteht.

BMW und Guggenheim haben eine positive Bilanz für das New Yorker Lab gezogen. Rund 540.00 Besucher aus 60 Ländern haben sich beteiligt. Fast 330.000 Menschen aus 168 Ländern haben die Website bmwguggenheimlab.org aufgesucht. In den zweieinhalb Monaten fanden 58 Vorträge, 48 Workshops, 28 Filmvorführungen und 21 Exkursionen statt. Das Lab war an fünf Tagen in der Woche geöffnet.

Nach Berlin kommt Mumbai

Wie in New York wird der Eintritt auch in Berlin kostenlos sein. Jedermann kann sich beteiligen. „Das Lab soll kein Ufo in der Stadt sein“, sagt Thomas Girst, „sondern ein Bienenstock an Aktivitäten.“ Der Erfolg in New York habe alle Erwartungen der Veranstalter übertroffen. Auch Richard Armstrong, Direktor des Solomon R. Guggenheim Museum and Foundation, sagte: „Wir hätten uns niemals träumen lassen, dass das Lab und sein Programm in New York City solch enormes Interesse erregen und zu einem derart enthusiastischen Ideenaustausch führen würde.“ Das Labor habe weltweit zahllose Diskussionen angestoßen. Das soll sich in Berlin im kommenden Frühjahr fortsetzen. Als dritte Station wird das Labor 2013 in der indischen Hafenstadt Mumbai (ehemals Bombay) aufgebaut. In allen drei Orten heißt das Diskussions-Thema „Confronting Comfort“.

Es gehe um die Bedeutung von Komfort, sagt Thomas Girst, im philosophischen, im ökologischen und im betriebswirtschaftlichen Sinn. Es werde auch um die Frage gehen, wie das städtische Umfeld besser an die Bedürfnisse der Bewohner angepasst werden kann, und wie ein Gleichgewicht zwischen individuellem und kollektivem Komfort zu erreichen ist. Das Organsationsteam für Berlin ist aufgestellt und bereits in der Stadt eingetroffen. Es seien „junge, innovative Talente aus verschiedenen Fachbereichen“, teilten BMW und Guggenheim mit. Dem Team gehören zwei Wissenschaftler vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston an. José Gómez-Marquez ist Programmdirektor für Innovationen in der Internationalen Gesundheits-Initiative des MIT. Der Architekt und Ingenieur Carlo Ratti leitet das SENSEable City Lab am MIT und arbeitet in Italien. Mit in der Gruppe sind außerdem die in Berlin lebende Fotografin Corinne Rose und Rachel Smith, leitende Transportplanerin bei AECOM, mit Sitz in Australien. „Sie stellen in diesen Tagen das Programm auf, und werden die ganze Zeit über in Berlin dabei sein“, sagt Thomas Girst.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) heißt das Team willkommen. „Wir freuen uns riesig darauf, Ende des nächsten Frühjahres endlich sehen zu können, welche Ideen sie für das Lab entwickelt haben“, sagte er am Mittwoch. Jedes der vier Team-Mitglieder wird sich mit einem Hauptthema beschäftigen, zum Beispiel Rachel Smith mit „Dynamic Connections“ und Corinne Rose mit „Urban Microlense“. In diesen Tagen trifft sich das Team mit Kooperationspartnern in der Stadt. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen ist vorgesehen, darunter mit der Technischen Universität und mit dem Aedes Network Campus Berlin (ANCB), einem Netzwerk für Architekten auf dem Pfefferwerk-Gelände. In den kommenden Monaten sollen das Programm und die Öffnungszeiten des BMW Guggenheim Lab Berlin bekannt gegeben werden.