Bildung

In Berlin fehlen Grundschulplätze

Die Zahl der Kinder in Berlin wächst. Doch insbesondere in Mitte, Steglitz-Zehlendorf und Friedrichshain-Kreuzberg fehlen Plätze für Grundschüler. Neubauten sind dennoch nicht geplant.

In der Hauptstadt fehlen Grundschulplätze. Seitdem am Freitag die Anmeldefrist für die Erstklässler zu Ende gegangen ist, steht fest, dass es an vielen Schulen in Mitte, Steglitz-Zehlendorf, aber auch in Friedrichshain-Kreuzberg oder Pankow überaus eng werden wird. Dort müssen Klassen bis an die Obergrenze und darüber hinaus aufgefüllt oder zusätzliche Klassen eingerichtet werden. Nicht wenige Schulen sind gezwungen, Fachräume zu Klassenräumen zu machen, um alle Schüler unterrichten zu können.

An der Clemens-Brentano-Grundschule in Lichterfelde sind die Gruppen in der Schulanfangsphase schon jetzt größer als vorgeschrieben. Dort lernen 28 statt höchstens 26 Schüler in einer Klasse. Schulleiterin Angelika Petrusch geht davon aus, dass im kommenden Schuljahr noch mehr Kinder an ihre Schule drängen. Das hat nicht nur mit der Beliebtheit der Einrichtung zu tun, sondern auch damit, dass im Schweizer Viertel nach wie vor neue Wohnungen entstehen. Das Gebiet zwischen Baseler Straße und Goerzallee gehört zum Einzugsbereich der Clemens-Brentano-Schule. Immer mehr Familien ziehen dorthin. Zwar war in dem Viertel auch der Bau einer Grundschule vorgesehen. Dieser Plan ist jedoch lange vom Tisch.

Angelika Petrusch, Schulleiterin der Clemens-Brentano-Grundschule, sagt, dass in den vergangenen zwei Wochen für das nächste Jahr deutlich mehr Erstklässler angemeldet worden sind. Möglicherweise wird die Schule einen weiteren Klassenzug aufnehmen müssen. „Wir können aber nicht mehr jahrgangsübergreifende Gruppen aufmachen als wir jetzt bereits haben.“ Auch Fachräume müssten dann wegfallen. Das Schulamt werde entscheiden müssen, wo die Schüler hinkommen.

Dort wartet man erst mal ab. „Wir wissen zwar, dass gebaut wird, aber nicht, wie viele Kinder an der Einzugsschule ankommen“, sagt Bildungsstadträtin Anke Otto (Grüne). Viele würden sich an Privatschulen oder Schulen in anderen Stadtteilen anmelden. Langfristig gesehen seien die Schülerzahlen aber rückläufig. Eine Lösung könnte darin bestehen, bestimmte Schulen vorübergehend mit einer Filiale auszustatten.

Vollkommen überfüllt sind viele Schulen im früheren Bezirk Mitte. Auch dort werden immer mehr Wohnungen gebaut, in die vor allem junge Familien einziehen. Ein Schulneubau ist jedoch nicht geplant. Grundschulen wie die Papageno-Schule, die Schule am Koppenplatz oder die am Arkonaplatz sind deshalb schon jetzt mehr als ausgelastet.

Viele Eltern hatten bereits in diesem Schuljahr gegen die Schulpolitik des Bezirks protestiert und sich an ihrer Wunschschule eingeklagt. Mit einer Sprengellösung hatte das Amt versucht, Schulanfängern Grundschulen in Wedding zuzuweisen. Das bedeutet, dass mehrere Grundschulen zu einem Einzugsbereich zusammengefasst wurden. Der Bezirk kann innerhalb dieses Sprengels die Kinder so verteilen, wie es rechnerisch am besten aufgeht. Die Eltern hatten dadurch zwar eine größere Wahlmöglichkeit, konnten vom Amt aber auch an eine Schule verwiesen werden, die nicht ihre Wunschschule und auch nicht die nächstgelegene Schule war. Viele Eltern hatten allerdings dagegen geklagt und Recht bekommen. Die Wege vom Ortsteil Mitte nach Wedding seien für Schulanfänger zu weit, beschied das Verwaltungsgericht. Obwohl der Sprengel inzwischen etwas verkleinert worden ist, befürchten viele Eltern nach wie vor, keinen Platz an ihrer Wunschschule zu bekommen.

Bereits 2007 gingen die Eltern in Prenzlauer Berg auf die Barrikaden, weil die Grundschulplätze für die Erstklässler nicht ausreichten. Den Bezirk traf der Kinderboom damals völlig unvorbereitet. Bis dahin ging die Verwaltung noch davon aus, dass junge Familien ins Umland ziehen. In den Jahren zuvor wurden deshalb Schulen geschlossen, Grundstücke abgegeben. Doch das Gegenteil ist eingetreten. Bis heute wachsen in jeder Baulücke in Prenzlauer Berg Stadthäuser für gut verdienende Familien. Die Situation hat sich entspannt, nachdem der Bezirk in Prenzlauer Berg drei Schulstandorte für Grundschüler wiederbelebt hat. Jetzt verlagert sich das Problem nach Pankow.

Ulrich Davids (SPD), neuer Bildungsstadtrat in Mitte, will die Wogen glätten. „Wir werden dafür sorgen, dass alle Kinder unterkommen“, sagt er. Veränderungen seien geplant, aber noch nicht spruchreif.

Nachdem sich die Bezirksverwaltung jahrelang dagegen gewehrt hatte, neue Schulstandorte zu eröffnen, erkannten Privatschulen ihre Chance. Im Ortsteil Mitte sind mit der Phorms-Schule, der Metropolitan-Schule und der Cosmopolitan-Schule gleich drei bilinguale Privatschulen entstanden, die etwa das gleiche Einzugsgebiet haben.

Auch im Bezirk Friedrichsain-Kreuzberg entstanden in den vergangenen Jahren immer mehr Wohnungen. 2010 wurde die nach der Wende geschlossene Grundschule an der Scharnweberstraße wiedereröffnet. Die Modersohn-Schule und die Thalia-Schule erhielten einen Erweiterungsbau. Auf dem alten Schlachthof-Gelände an der Eldenaer Straße indes ist ein neues Wohnviertel für Familien entstanden. Doch eine Schule ist auf dem Areal nicht zu finden. Im Nachbarbezirk Lichtenberg sieht es nicht entspannter aus. Die Geburtenrate liegt hier bei 2500 Neugeborenen jährlich, vor zwei Jahren waren es noch 1500 Geburten pro Jahr.

In Friedrichshain müssen nach Auskunft von Bildungsstadträtin Monika Herrmann (Grüne) alle Grundschulen im kommenden Schuljahr vierzügig werden. Die Zahl der Kinder, die 2012 zur Schule kommen, sei im Vergleich zu den Vorjahren stark gestiegen, sagt Herrmann.