Familiendrama

Berliner Trabrennfahrer erschießt seine Ehefrau

Vor drei Jahren heiratete der 63-jährige Bernd W. die Thailänderin Nuk. Am Montag hat der bekannte Berliner Trabrennfahrer sie in einer Wohnung in Reinickendorf umgebracht.

Foto: Steffen Pletl

In Berlin hat erneut ein Ehedrama ein tödliches Ende genommen. Am frühen Montagmorgen fanden Polizisten in einer Wohnung in Reinickendorf die Leiche einer 36-jährigen Frau. Ihr 63 Jahre alter Ehemann hatte zuvor selbst die Polizei gerufen. Bei ihm handelt es sich um einen bekannten Berliner Trabrennfahrer. Bernd W. soll am Dienstag einem Ermittlungsrichter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden.

Es war gegen sechs Uhr früh, als bei der Polizei der Anruf einging, in dem Bernd W. den Beamten mitteilte, er habe soeben seine Ehefrau erschossen. Unmittelbar danach legte der 63-Jährige wieder auf. Zehn Minuten später traf eine Funkstreifenbesatzung an dem Wohnhaus an der Emmentaler Straße ein, in dem das Ehepaar W. in einer Zwei-Zimmer-Wohnung lebte. Als auf Klingeln und lautes Klopfen niemand reagierte, brachen die Polizisten die Wohnungstür auf. Im Schlafzimmer stießen sie auf die 36-Jährige, die leblos in ihrem Bett lag. Ihre Leiche wies zwei Schusswunden im Kopf und in der Brust auf. Kurz darauf rückte die Spurensicherung an, nach stundenlangen Untersuchungen in der Wohnung wurde die Leiche der 36-Jährigen am frühen Nachmittag in die Rechtsmedizin gebracht, wo eine von der Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion erfolgen sollte.

Bernd W. selbst fuhr nach seinem Anruf bei der Polizei noch knapp zwei Stunden ziellos durch die Stadt. Dann stellte er sich gegen 7.40 Uhr auf dem Polizeiabschnitt 42 an der Hauptstraße in Schöneberg. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen und umgehend zur Mordkommission an der Keithstraße gebracht. Bernd W. und seine Frau Nuk, eine gebürtige Thailänderin, waren nach Informationen von Morgenpost Online erst seit drei Jahren verheiratet. W. lebt seit fünf Jahren in der Wohnung in Reinickendorf.

Berichte über häufige Streitereien

Der 63-Jährige ist in der Sportszene der Hauptstadt kein Unbekannter. Als Trabrennfahrer hat er seit Anfang der 70er-Jahre an die 500 Rennen absolviert, viele davon auf den Berliner Trabrennbahnen Mariendorf und Karlshorst. Im Laufe seiner langen und beeindruckenden Karriere errang W. 350 Siege sowie zahlreiche Platzierungen, die ihm insgesamt mehr als 700.000 Euro Preisgeld einbrachten. Bei Anbietern von Pferdewetten und ihren Kunden wurde er vor allem bei Rennen in Berlin regelmäßig als Favorit gehandelt, sagte ein Szenekenner, der nicht mit Namen genannt werden wollte. „Bei einer solch schlimmen Geschichte hält man sich mit öffentlichen Äußerungen erst einmal besser zurück“, lautete seine Erklärung. Auch andere Bekannte des 63-Jährigen aus dem Berliner Pferdesport wollten mit ähnlichen Begründungen nicht offiziell Stellung nehmen. Seitens der Polizei hieß es am Montagnachmittag zum Stand der Ermittlungen lediglich, der 63-Jährige sei geständig. Ob und welche Angaben W. zum Ablauf der Tat und zu seinen Motiven gemacht hat, dazu schwiegen die Ermittler zunächst. Vieles zum Ablauf der Tat wirke momentan noch etwas verworren, sagte ein Beamter. Nach ersten Ermittlungserkenntnissen deutet allerdings alles auf Beziehungsprobleme hin, die sich letztlich zu einer Tragödie mit tödlichem Ausgang entwickelten. Nachbarn an der Emmentaler Straße berichteten am Montag, zwischen den Eheleuten habe es zuletzt häufiger Auseinandersetzungen gegeben. „Ein- oder zweimal war auch die Polizei hier, nachdem Anwohner sie wegen lautstarker Streitereien gerufen hatten“, berichtete ein Nachbar.

Er will zudem von Gerüchten gehört haben, die junge Frau habe die Absicht gehabt, sich von ihrem 27 Jahre älteren Ehemann zu trennen. Genaueres wisse er allerdings nicht. Der Mann verwies dennoch vielsagend auf die Tatsache, dass der thailändischen Ehefrau nach dreijähriger Ehe jetzt ein Daueraufenthaltsrecht in Deutschland zugestanden hätte. Aber auch das, so der Mann, sei letztlich nicht mehr als eine Vermutung bezüglich des Hintergrunds der Tat.

Abgesehen von einigen „etwas lauter geführten verbalen Auseinandersetzungen“ seien die Eheleute aber ganz normale Mieter ohne besondere Auffälligkeiten gewesen, berichtete hingegen ein weiterer Nachbar. Nur nach ihrem Einzug in das Mehrfamilienhaus habe es zunächst Gerede gegeben. Thema: Die bestellte Ehefrau aus dem Katalog. „Über die ausgesprochen gut aussehende Frau, die zudem fließend Deutsch sprach, konnte man aber nichts Nachteiliges sagen“, beeilte sich der Nachbar zu versichern.

Die tatsächlichen Gründe des tödlichen Dramas aufzuklären, darum bemühen sich jetzt die Beamten der Mordkommission. Öffentlich bekannt werden die Einzelheiten wohl erst in einem Prozess vor Gericht. Im Falle einer Verurteilung droht BerndW. eine langjährige Freiheitsstrafe.