Ehedrama

Mann sitzt nach Angriff auf Ehefrau in U-Haft

Nach der Messerattacke auf seine Ehefrau ist gegen einen Berliner Haftbefehl erlassen worden. Der Mann hatte der von ihm getrennt lebenden 40-Jährigen aufgelauert und sie lebensgefährlich verletzt.

Foto: schroeder

Nach einer Messerattacke auf eine Frau in Berlin-Kreuzberg ist gegen ihren Ehemann Haftbefehl erlassen worden. Der 47-jährige Behattin Ü. sei dringend verdächtig, seine Frau Fatma Ü. niedergestochen zu haben, sagte eine Polizeisprecherin am Sonnabend. Der mutmaßliche Täter soll sein Opfer mit mehreren Messerstichen attackiert haben. Der Mann sitze jetzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag vor.

Die 40-jährige Frau war am Donnerstagmorgen an der Bergmannstraße lebensgefährlich verletzt worden. Sie kam in eine Klinik. Die 40-Jährige schwebe mittlerweile nicht mehr in Lebensgefahr, so die Sprecherin. Der Zustand der Frau habe sich stabilisiert.

Der getrennt lebende Ehemann wurde schon kurz nach dem Angriff festgenommen. Zeugen hatten die schwer verletzte Frau auf dem Gehweg gefunden und die Polizei alarmiert. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben Hinweise, dass es schon vor der Bluttat Vorfälle wegen häuslicher Gewalt gab.

Gegen 6 Uhr früh hatte Fatma Ü. ihre Wohnung an der Bergmannstraße verlassen, um in einer nahe gelegenen Bäckerei einzukaufen. Wie schon mehrfach in der Vergangenheit lauerte vor der Eingangstür des Mietshauses der von ihr getrennt lebender Ehemann Behattin Ü. auf sie. Und wie so oft endete auch dieses Aufeinandertreffen in einem handfesten Streit. Der 47-Jährige sei überhaupt nicht damit zurechtgekommen, dass seine Frau ihn vor einigen Monaten verlassen hatte und mit den zwei gemeinsamen Kindern, einem 21-jährigen Sohn und einer 13-jährigen Tochter, in eine kleine Wohnung an der Bergmannstraße gezogen sei, berichteten Nachbarn unmittelbar nach der schrecklichen Tat.

Auseinandersetzungen zwischen den Noch-Eheleuten haben die Anwohner der Bergmannstraße nach Aussagen einiger Nachbarn in den vergangenen Wochen schon häufiger erlebt. Am Donnerstagmorgen blieb es allerdings nicht bei den sonst üblichen Beschimpfungen und massiven Bedrohungen der Ehefrau durch ihren Mann. Offenbar entschlossen, sich auf keine Diskussion und keinen Streit einzulassen, ließ Fatma Ü. ihren Ehemann einfach stehen und machte sich auf den Weg zu der Bäckerei. Doch Behattin Ü. ließ sich nicht einfach abschütteln, er folgte der 40-Jährigen, es kam erneut zum Streit und dabei verlor der 47-Jährige offenbar völlig die Nerven: Er zog ein Messer und stach mehrmals zu.

Blutüberströmt und lebensgefährlich verletzt, schleppte sich Fatma Ü. noch einige Meter bis vor das Geschäft, in dem sie die Brötchen kaufen wollte, dann brach sie zusammen. Während der Täter die Flucht ergriff, alarmierten Passanten, die das Geschehen mitbekommen hatten, die Feuerwehr. Die fand die Frau bewusstlos in einer Blutlache liegend auf dem Gehweg, unweit ihrer Wohnung. Nach einer ersten Sofortbehandlung am Tatort durch einen Notarzt brachten Rettungskräfte die 40-Jährige in ein Krankenhaus, wo sie umgehend operiert wurde. Ihr Zustand wurde auch nach der Operation zunächst als kritisch beschrieben.

Während die Ärzte im Krankenhaus um das Leben der Frau kämpften, brachten Passanten die ebenfalls sofort alarmierte Polizei bereits auf die Spur des Ehemannes. Er konnte kurz darauf in seiner Wohnung gestellt werden und ließ sich widerstandslos festnehmen. Bei ihm wurden mehrere Stichwaffen gefunden und sichergestellt, die als Tatwaffen in Frage kommen. Nach seiner Vernehmung bei der Mordkommission an der Keithstraße sollte er noch am Donnerstag einem Haftrichter vorgeführt werden. Ihm wird ein versuchtes Tötungsdelikt vorgeworfen. Details zur Vernehmung des 47-Jährigen nannte die Polizei zunächst nicht. Aus Ermittlerkreisen hieß es allerdings, der Mann habe die Tat weitgehend gestanden.

Unklar blieb vorerst auch, weshalb sich Fatma Ü. von ihrem Mann getrennt hat. Nachbarn berichteten von häufigen Streitigkeiten, bei denen es auch zu gewalttätigen Übergriffen des Ehemannes gekommen sein soll. Nach der Trennung soll der 47-Jährige seiner Frau zudem wiederholt gedroht haben, er werde sie umbringen, wenn sie nicht zu ihm zurückkehre. Nachbarn berichteten am Donnerstag, Fatma Ü. habe sich davon aber nicht beeindrucken lassen und weiterhin die Scheidung vorangetrieben. Die Polizei wollte diese Äußerungen nicht kommentieren. Die Kinder des Ehepaares werden bis auf Weiteres von Verwandten der Frau betreut.