Prenzlauer Berg

Historisches Stadtbad wird zum Hotel umgebaut

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Sabine Flatau

Foto: picture alliance / ZB / dpa-Zentralbild

Die Pankower Bezirksverordneten-Versammlung hat sich entschieden: Das Stadtbad an der Oderberger Straße soll an die GLS Sprachschule verkauft werden. Es soll saniert und in ein Hotel umgewandelt werden. Die Schwimmhalle kann dann von Schülern und Anwohnern genutzt werden.

Ein verfallendes Baudenkmal hat wieder eine Zukunft. Das Stadtbad an der Oderberger Straße 57/59 in Prenzlauer Berg soll an die benachbarte GLS Sprachschule verkauft werden. So lautet der einhellige Beschluss der Bezirksverordneten-Versammlung Pankow vom Mittwoch. Das Stadtbad gehört seit 2007 der Stiftung Denkmalschutz Berlin. Drei Bewerber hatten sich um die Immobilie bemüht und ihr Konzept im Bezirk vorgestellt. Die Sprachschule will wieder einen öffentlichen Badebetrieb im Stadtbad einrichten.

Kaufvertrag wird ausgehandelt

Man werde mit der Sprachschule in Verhandlung treten, kündigte Christian Melcher, stellvertretender Stiftungsvorsitzender, am Donnerstag an. In den kommenden vier bis sechs Wochen solle über einen Kaufvertrag verhandelt werden. Drei Bewerber hatten sich um das denkmalgeschützte und dringend sanierungsbedürftige Gebäude bemüht. Die Entscheidung für die Sprachschule ist aus Sicht von Pankows Bürgermeister Matthias Köhne (SPD) „für den Bezirk unbestritten die beste Lösung“. Er hoffe, „dass die Stiftung Denkmalschutz diese Entscheidung ernst nehme und dafür sorge, dass sie auch umgesetzt werde.

Die GLS Sprachschule hat ihren Sitz in unmittelbarer Nachbarschaft. Ihre Gebäude grenzen an das Stadtbad. „Ich freue mich sehr, dass wir die Rückendeckung des Bezirks haben“, sagte Geschäftsführerin Barbara Jaeschke am Donnerstag. Nun müsse über den Kaufpreis verhandelt werden. Die Stiftung habe das Stadtbad für rund 100.000 Euro vom Liegenschaftsfonds gekauft. Sie habe Geld in Planungen investiert und in Nebenkosten, etwa für den Grunderwerb. In den Gesprächen zum Verkauf des Stadtbades wird es darum gehen, ob die Sprachschule diese Planungs- und Nebenkosten ganz oder teilweise übernimmt.

Sie will rund zwölf Millionen Euro in das Projekt investieren. Man wolle 70 Hotelzimmer im Stadtbad einrichten, außerdem Räume für Veranstaltungen und Unterricht, sagte Barbara Jaeschke. Denn an der Schule lernen Erwachsene vor allem die deutsche Sprache. Sie hat pro Jahr etwa 5000 Schüler, vor allem aus dem Ausland. 35 Nationalitäten seien vertreten, so Jaeschke. „Die meisten brauchen in Berlin eine Unterkunft.“ Bislang könne man nur 50 Hotelzimmer in den eigenen Gebäuden anbieten. „Sie sind zu 95 Prozent ausgelastet.“ Viele Schüler müssten bislang in Pensionen untergebracht werden.

Die Schwimmhalle im Stadtbad sollen Schüler und Anwohner nutzen. „Wir wollen eine Begegnung“, sagt die Geschäftsführerin. Sie rechnet damit, dass die Sanierung drei bis vier Jahre dauert.

Die GLS Sprachschule hat Erfahrung im Umgang mit alten Gebäuden. Sie arbeitet in fünf Häusern auf einem Grundstück an der Kastanienallee und hat die Bauten umfassend sanieren lassen. Es seien 9000 Quadratmeter Fläche, sagt Jaeschke. Einige Bauten seien vom Architekten Ludwig Hoffmann entworfen worden, der auch das Stadtbad geplant habe. „Wir wissen also, worauf wir uns einlassen.“ Sei drei Jahren beschäftige sich die Sprachschule mit dem Stadtbad. Genaue Analysen seien angefertigt worden.

Bad sollte Ende 2011 saniert sein

Wann die Sanierung beginnen kann, steht noch nicht fest. Laut Kaufvertrag mit dem Liegenschaftsfonds sollte sie bis zum Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Doch dieses Ziel hat die Stiftung Denkmalschutz Berlin nicht erreicht. Das 1902 eröffnete Stadtbad ist seit Jahren geschlossen. Öffentliche Fördermittel für die denkmalgerechte Wiederherstellung gab es nicht. Die Stiftung fand als Interessenten ein deutsch-amerikanisches Konsortium, das 20 Millionen Euro investieren wollte. Allerdings nicht mit öffentlichem Schwimmbad, sondern mit einem Kubus, einem Wasserbecken unter einer Glashülle. Doch die BVV Pankow bestand darauf, dass Anwohner wieder im Stadtbad schwimmen gehen können. Die Stiftung und das Bezirksamt Pankow verständigten sich im Sommer 2011 darauf, ein offenes Bieterverfahren für das Stadtbad durchzuführen.

In den vergangenen Jahren ist das Gebäude vor allem als Event-Location bekannt geworden. Partys und Präsentationen fanden in der großen Halle statt. Der Badebetrieb musste schon 1986 eingestellt werden, weil sich Risse in der Decke und im Boden zeigten.