Sanierung

Stadtbad Steglitz kämpft um Investoren

Bereits vor drei Jahren sollte das Stadtbad Steglitz saniert und wieder eröffnet werden. Doch die Banken sperren sich, das Projekt sei zu kompliziert. Dabei fehlt es dem Bezirk eigentlich an öffentlichen Schwimmbädern.

Foto: Buddy Bartelsen

Mit einem lauten Klack dreht sich der Schlüssel im Schloss. Gabriele Berger lehnt sich gegen die Tür und schiebt sie mit der Schulter auf. Kälte schlägt einem entgegen, ganz schwach ist noch ein Chlorgeruch zu erahnen. Der erste Blick fällt auf das Schwimmbecken. Ein Klavier steht darin und ein Stuhl. Eine dicke Kordel, die einmal den Schwimmer- vom Nichtschwimmerbereich getrennt hat, hängt vom Beckenrand herab in die Sprunggrube. „Zum Abseilen“, sagt die Besitzerin des Stadtbades Steglitz an der Bergstraße. Nass macht sich niemand dabei. Seit 2002 ist der Badebetrieb eingestellt. 2008, zu seinem 100. Geburtstag, sollte das Stadtbad wiedereröffnet werden. Doch auch heute, drei Jahre später, ist daran nicht zu denken.

„Wann wird endlich wieder Wasser im Schwimmbecken sein?“ Diese Frage ist eine der häufigsten, die Gabriele Berger gerade in jüngster Zeit zu hören bekommt. Bislang ist die 60-Jährige auf der Suche nach einer Finanzierung gescheitert. Die Banken trügen keine Risiken mehr. Der Bezirk hat ihr bis 2013 eine Zwischennutzung als Kulturstätte genehmigt. Eine weitere Verlängerung ist unwahrscheinlich, weil auch im Rathaus auf den Betrieb als Schwimmbad gedrängt wird.

Nachdem die Berliner Bäderbetriebe das marode und unrentable Stadtbad geschlossen hatten, fiel es an den Liegenschaftsfonds zurück. Der verkaufte es 2004 für einen Euro an Gabriele Berger. Die Sportlehrerin betreibt bereits das Bewegungsbad in Marienfelde und wollte das Konzept eines Sportbades auf das Stadtbad Steglitz ausweiten. An den symbolischen Verkaufspreis war die Auflage gekoppelt, das Bad zu sanieren und wieder als Schwimmbad zu eröffnen. Geschätzte Kosten für die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Ensembles: sechs Millionen Euro.

Gabriele Berger ging optimistisch ans Werk. Sie erstellte Konzepte für Umbau und Betrieb und wollte sich damit den notwendigen Kredit verschaffen. Mit dem Zögern der Banken hatte sie nicht gerechnet. „Ein wunderbares Projekt, aber zu kompliziert“, bekam sie zu hören. Man wisse nie, was in so einem alten Haus noch für Tücken stecken, argumentierten die Banker. So schnell war die engagierte Frau nicht zu entmutigen. Ein Jahr nach dem Erwerb ließ sie sich vom Bezirk eine Zwischennutzung genehmigen. Gabriele Berger versuchte es mit einem Flohmarkt in der Halle, mit einem Café im leeren Schwimmbecken und Fliesenpatenschaften. Das alles brachte weder genügend Geld noch Aufmerksamkeit ein. Schließlich zog das Clubtheater Berlin ein und nutzt seitdem die Halle, das Becken und die russisch-römische Sauna als Spielstätte. „Der Theaterbetrieb trägt und bespielt das Gebäude“, sagt Frau Berger. Allein 8000 Euro muss sie monatlich für den Unterhalt aufbringen.

Ein erster Schritt in Richtung Sanierung war die Einrichtung des Café Freistils in der alten Wäschekammer. Das Café ist einem Schwimmbecken nachempfunden, mit türkisfarbenen Fliesen und Startblöcken im Barbereich. Mittlerweile wird dort ein Mittagstisch angeboten. „Unser Hauptgeschäft im Moment“, sagt die Sportlehrerin.

Das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie die Sanierung des Bades ohne einen finanzkräftigen Investor nicht schaffen wird. Die Zeit drängt. Steglitzer, die im Bad Erkundungen eingezogen haben, sprechen bereits „von Verschwendung öffentlichen Eigentums“. Auch Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) macht sich „Sorgen, dass das eigentliche Ziel nicht konsequent verfolgt wird“. Steglitz-Zehlendorf sei mit Wasserflächen unterversorgt, es sei dringend notwendig, dieses Schwimmbad herzurichten. Das sieht auch Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) so. Dennoch hat er die Nutzung als Theater bis zum 13. Dezember 2013 verlängert. „Das ist die einzige Chance der Wirtschaftlichkeit“, sagt Stäglin.

Auch der Liegenschaftsfonds drängt auf die Sanierung des Bades. Vor allem aber fordert der landeseigene Immobilienvermarkter, dass die Verträge und Absprachen, die beim Verkauf des Stadtbades getroffen wurden, eingehalten werden. Für die seit 2005 stattfindenden Kulturveranstaltungen habe Frau Berger zu keinem Zeitpunkt eine Zustimmung eingeholt, sagt Irina Dähne, Sprecherin des Liegenschaftsfonds. Da diese Zustimmung Bestandteil der Vertrags sei, schulde Frau Berger eine Vertragsstrafe. Diese Strafe wolle man jetzt mit einer Zwangsvollstreckung geltend machen.

Gabriele Berger fühlt sich unverstanden. „Dem Liegenschaftsfonds sollte klar sein, dass ich alles nur Mögliche mache, um die Finanzierung zu stemmen“, sagt sie. Auch vom Bezirk fühlt sie sich allein gelassen. Er sei zwar großzügig beim Erteilen von Genehmigungen, aber stelle nie die Frage: „Was können wir machen?“. Klar sei ihr schon, dass sie das Bad als Privatperson besitze und daher auch ihr privates Engagement gefordert werde. Doch sie habe nicht geahnt, dass sie nach sieben Jahren immer noch dort stehe, wo sie am Anfang stand.