Vandalismus und Dreck

Mitte plant absolutes Grillverbot im Tiergarten

Die CDU hat sich im Berliner Bezirk Mitte durchgesetzt: Ab 2012 soll im Tiergarten auch das Grillen auf den bislang dafür ausgewiesenen Flächen verboten werden.

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Im Großen Tiergarten soll vom nächsten Jahr an ein absolutes Grillverbot herrschen. Darauf haben sich im Bezirk Mitte die SPD und die CDU im Rahmen ihrer Verhandlungen zur Bildung einer Zählgemeinschaft geeinigt. Beide Parteien wollen sich den Plan auf Kreisparteitagen in der kommenden Woche absegnen lassen.

Seit mehr als zehn Jahren fordert die Bezirksfraktion der CDU ein Grillverbot. „Wir freuen uns, dass wir eine Mehrheit gewinnen konnten, um die großen Belastungen im Tiergarten vermeiden zu können“, sagte Ordnungsstadtrat Carsten Spallek (CDU) Morgenpost Online. Alles Werben um einen rücksichtsvollen Umgang mit der geschützten Grünanlage habe nichts gebracht.

Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) hat sich mit dem Zugeständnis an die CDU offenbar den Chefposten im Rathaus gesichert. Auch die Grünen, die in Mitte zweitstärkste Partei wurden, wollten mit Ex-Gesundheitsministerin Andrea Fischer den Bezirksbürgermeister stellen. Sie ist nun aus dem Rennen.

Hanke sieht seine Partei hinter sich: Es gebe zunehmend kritische Stimmen in der SPD wegen der Vermüllung des Tiergartens, sagte er. Allein 300.000 Euro habe der Bezirk jedes Jahr für die Beseitigung des Grillmülls aufbringen müssen. Das könne man angesichts der Haushaltskonsolidierung nicht mehr hinnehmen.

Überrascht reagierte der grüne Sozialstadtrat in Mitte. „Wir sind gegen ein sofortiges Grillverbot“, sagte Stephan von Dassel. Man hätte lieber versuchen sollen, den Müll durch gezielte Aktionen zu reduzieren.

Auch der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg kritisierte das geplante Grillverbot. „Es ist wirklich traurig, dass Politiker sich auf solche Kompromisse einlassen“, sagte der Vorstandssprecher des Türkischen Bundes, Hilmi Kaya Turan. Einerseits wolle man Familien helfen und sei bestrebt, dass sich die Gesellschaft kinderfreundlich entwickle. Auf der anderen Seite werde eine wichtige Möglichkeit des Zusammenkommens weggenommen. Turan hatte für 2012 Aufklärungsaktionen im Tiergarten geplant.

Die Grünen im Abgeordnetenhaus haben zumindest Verständnis für ein Verbot: „In dieser Frage besteht ein Zwiespalt zwischen dem Schutz der Natur und dem Wunsch der Stadtmenschen nach Erholung“, sagte Franziska Eichstädt-Bohlig.

Stefanie Bung, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der CDU im Abgeordnetenhaus, begrüßte das Grillverbot, „weil wir den Tiergarten vor Vandalismus und Verunreinigung schützen müssen“. Kaum jemand halte sich daran, auf den ausgewiesenen Flächen zu grillen. Und die Kosten für die Säuberung und für die Kontrollen seien für den Bezirk längst nicht mehr tragbar. Jutta Matuschek, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken hält das Verbot dagegen für „absolut übertrieben“. Bereits zur Fußball-WM 2010 galt wegen der Fan-Meile und der großen Hitze ein befristetes Grillverbot im Großen Tiergarten. Das Müllaufkommen hatte sich auf ein Viertel der sonst anfallenden Menge verringert.