Atlas-Tower

City West bekommt zweiten Wolkenkratzer

Neben dem Zoofenster wird im kommenden Jahr der 120 Meter hohe Atlas-Tower in der Berliner City West gebaut. 2015 soll das Gebäude fertig sein. Pläne für dieses Projekt gibt es seit 20 Jahren.

Die Turmbau-Offensive in der City West geht in die nächste Runde. Wie das Kölner Unternehmen Strabag Real Estate am Mittwoch mitteilte, soll bereits im kommenden Jahr mit dem Bau des 120 Meter hohen Atlas-Towers zwischen Kurfürstendamm und Kantstraße, unmittelbar neben der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und vis-à-vis dem 118 Meter hohen, noch im Bau befindlichen Zoofenster begonnen werden. „Wir wollen mit dem Atlas-Tower ein neues architektonisches Highlight in der Hauptstadt realisieren“, sagte Strabag-Sprecherin Birgit Kümmel. Das Kölner Unternehmen, einer der großen Projektentwickler Deutschlands, hat das Areal von der EH Estate Management erworben. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, so die Sprecherin weiter.

Das Gebäude, für das bereits vor vier Jahren Teile des denkmalgeschützten Schimmelpfeng-Hauses abgerissen worden waren, soll nach den städtebaulichen Entwürfen des Architekten Christoph Langhof errichtet werden. Dieser hatte die Pläne bereits Mitte der 90er-Jahre entwickelt. „Ich bin glücklich. Es wird ein wunderschönes Haus. Mehr kann ich dazu im Moment nicht sagen“, so der Architekt, der von der Nachricht, dass das Projekt nach gut 20-jähriger Planungszeit nun endlich realisiert werden soll, sichtlich überrascht wurde.

Verzögerung durch die Finanzkrise

Schon Anfang des neuen Jahrtausends sah es einmal so aus, als ob der Turm Gestalt annehmen würde. Der Projektentwickler Itag hatte angekündigt, mit dem Bau des Hochhauses 2003 beginnen zu wollen. Die Pläne zerschlugen sich jedoch, die zur Eurohypo AG gehörende EH Estate Management übernahm das Projekt und führte es zur Baureife. Im Januar 2007 erteilte der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf die Baugenehmigung, im März des Jahres folgte die Abrissgenehmigung für das denkmalgeschützte Schimmelpfeng-Haus. 2008 schien es schon so, als sei ein Geldgeber gefunden. Doch dann kam die Finanzkrise, und der Interessent, der sein Projekt über die pleitegegangene Bank Lehman Brothers finanziert hatte, musste aufgeben.

Anders als das Zoofenster auf der gegenüberliegenden Seite der Kantstraße wird das Langhofsche Gebäude eine Glasfassade enthalten. Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler hat dagegen den 32 Stockwerke hohen Turm des Zoofensters, ebenfalls in den 90er-Jahren entworfen, mit einer Fassade aus hellem Naturstein versehen. Mit rund 120 Meter Höhe und 33 Geschossen sowie einer angrenzenden achtgeschossigen Riegelbebauung wird der Atlas-Tower zukünftig zusammen mit dem zwei Meter niedrigeren Zoofenster das Gebiet zwischen Bahnhof Zoo, Kurfürstendamm und Breitscheidplatz prägen und zudem – nach dem Hotel „Park Inn“ am Alexanderplatz (125 Meter) und dem Treptower (125 Meter) – Berlins dritthöchster Hochhausturm werden. Die Investitionssumme für das Gebäude mit einer Geschossfläche von rund 51.000 Quadratmetern beträgt rund 250 Millionen Euro.

Der Baubeginn ist nach Strabag-Angaben für 2012 und die Fertigstellung für 2015 geplant. Geschäftsführer Thomas Hohwieler betonte angesichts des Grundstückserwerbs in Berlin die herausragende Bedeutung dieses Projekts nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die städtebauliche Entwicklung Berlins: „Wir sind sehr stolz und gespannt darauf, dieses seit langem diskutierte Vorhaben erfolgreich in die Tat umzusetzen.“

Die Strabag plant aktuell unter anderem die sogenannten Tanzenden Türme an der Hamburger Reeperbahn sowie die MesseCity in Köln. „Mit dem Atlas-Tower können wir ein weiteres attraktives Bauwerk mit Landmark-Charakter schaffen, das künftig – davon bin ich überzeugt – auch über die Grenzen Berlins hinaus bekannt sein wird.“

Über die künftige Nutzung des Turms machte die Strabag indes noch keine Angaben. Der Kaufvertrag sei gerade erst unterzeichnet worden, nun gehe es in den kommenden Wochen an die Detailplanung, sagte Sprecherin Kümmel.

In dem Anfang der 90er-Jahre vorgestellten städtebaulichen Konzept, nach dem sowohl das Zoofenster als auch der Atlas-Tower das moderne Tor zur City West bilden sollten, war für beide Türme eine Mischung aus Einzelhandel, Hotel, Büros und Wohnungen vorgesehen. Ob es dabei bleiben soll oder ob, wie beim benachbarten Zoofenster, ebenfalls ein Hotel als Hauptnutzer einziehen wird, ist damit noch völlig offen.

Für das Luxushotel „Waldorf Astoria“, das Anfang kommenden Jahres seine Pforten öffnen wird, dürfte die Nachricht vom bevorstehenden Großbauvorhaben in unmittelbarer Nachbarschaft nicht nur für Freude sorgen. Schließlich wird die Bauzeit mindestens drei Jahre dauern und die Kantstraße, die die beiden Hotels trennt, auf absehbare Zeit Baustellenzufahrt bleiben. Immerhin 230 Millionen Euro hat die Kapitalgesellschaft Swan Operations, eine Investorengruppe aus Abu Dhabi, für den Hochhausbau auf dem tortenstückförmigen Baugrundstück an der Ecke Hardenberg- und Joachimstaler Straße bereitgestellt, 2008 begannen dort die Bauarbeiten, die zumindest an der Außenhülle so gut wie beendet sind.

150 Meter hinauf am Alexanderplatz

Während in der City West künftig zwei neue Hochhäuser das Stadtbild prägen werden, gibt es auch bei den Hochhausplanungen am Alexanderplatz – die ebenfalls aus den 90er-Jahren stammen – Bewegung. Der US-amerikanische Projektentwickler Hines hat angekündigt, einen 150 Meter hohen Wolkenkratzer auf dem Areal direkt am Einkaufszentrum „Die Mitte“ – das Hines vor zwei Jahren ebenfalls errichtet hat – zu bauen. Vorgesehen sind darin vor allem Wohnungen. Einen Baubeginn hat Hines noch nicht genannt.