Rücktrittsforderung

Ärztechef will Raucherzimmer in Kliniken

Vor Vertretern der Tabakindustrie soll Günther Jonitz die Folgen des Rauchens verharmlost haben. Der Berliner Ärztekammerpräsident sprach sich unter anderem für die Einrichtung von Raucherzimmern in Kliniken aus. Eine Volksinitiative fordert nun seinen Rücktritt.

Foto: Michael Brunner

Eine Volksinitiative gegen das Rauchen fordert den Rücktritt des Berliner Ärztekammerpräsidenten, Günther Jonitz. „Der Mediziner hat vor Vertretern der Tabakindustrie in Berlin die Folgen des Rauchens verharmlost“, sagte Johannes Spatz, Vorsitzender der Volksinitiative Frische Luft für Berlin.

Auf der Veranstaltung sprach Jonitz zum Thema „Nichtraucherschutz: Wie weit geht die Antiraucherkampagne?“. Laut Spatz habe der Chirurg dort behauptet, Rauchen in geringer Dosis sei nicht gesundheitsschädlich. Zudem soll Jonitz sich für eine Änderung des Nichtraucherschutzgesetzes ausgesprochen haben – er plädierte für Raucherzimmer in Krankenhäusern, damit Kranke nicht mehr vor der Türe frieren müssten. Die Frischluftverfechter prangern an, dass Jonitz den Vortrag kurz vor seiner Präsidentschaftskandidatur gehalten habe. Nach dem Auftritt habe er sich versprechen lassen, dass erst sehr viel später darüber berichtet werden dürfe. „Das ist ein unglaublicher Skandal, Jonitz berät auch noch das Bundesgesundheitsministerium“, sagte Spatz.

Gerne eine Zigarre

Die Veranstaltung fand am 4.Mai statt, anwesend waren sowohl Mediziner als auch Vertreter der Tabakindustrie. In seinem Vortrag gestand Jonitz, dass er gerne Zigarre rauche. Er inhaliere aber nicht, das sei das Letzte. Er komme aber auf eine Zigarre am Tag. „Mir geht es aber gut dabei, und meiner Arbeit tut es auch gut“, sagte er. Er sei Genussraucher und Verfechter der wissenschaftlich nicht belegten These, dass Genuss gesund halte. Gleichzeitig betonte der Arzt, dass es für die Gesundheit aber das Beste sei, mit dem Rauchen gar nicht erst anzufangen oder damit aufzuhören. Da das Rauchen aber ein verbreitetes Phänomen sei, müsse man sich damit auseinandersetzen, ohne die Raucher zu diffamieren: „Wir lügen uns in die Tasche, wenn wir so tun, als ob Rauchen ganz furchtbar wäre und deswegen jeder Raucher ein schlechter Mensch ist und Rauchen radikal wegmüsste“, sagte er. Wenn man dieser Ansicht sei, müsse man alles an Nikotin und Tabakwaren verbieten. So konsequent sei aber der Gesetzgeber auch nicht. Er verdiene ja auch ein bisschen an der Tabaksteuer.

Jonitz fordert stattdessen, einen Weg zu finden, „der auf der einen Seite Genussrauchen ermöglicht und auf der anderen Seite das Rauchen möglichst vermeidet, ohne die Raucher zu stigmatisieren“. Man müsse den wahren Ursachen auf den Grund gehen und anschließend zielgerichtet gemeinschaftlich handeln.

Das bestehende Nichtraucherschutzgesetz in Berlin hält Jonitz für verbesserungswürdig: Die sozial schwachen Schichten würden nun nicht mehr in der Eckkneipe ihr Bierchen trinken, sondern zu Hause trinken und rauchen. Dort seien die Kinder dem Rauch ungeschützt ausgesetzt. „Wenn eine Maßnahme mehr Nebenwirkungen hat als Wirkungen, dann muss ich die Maßnahme prüfen“, sagte Jonitz. Der Chef der Bundesärztekammer sprach sich zudem für die Einrichtung von Raucherzimmern in Krankenhäusern aus, „damit Patienten im Bademantel im Winter nicht bei Minusgraden vor der Tür rauchen müssen“.