Metastudie

E-Zigaretten sollen weniger schädlich als Tabak sein

US-Forscher setzen sich für die umstrittene elektronische Zigarette ein. Begründung: Tabakqualm enthalte etwa tausendmal mehr krebserregende Stoffe.

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US-Wissenschaftler haben sich gegen ein Verbot der umstrittenen elektronischen Zigarette eingesetzt: Für Nikotinabhängige biete der Nikotindampf der sogenannten E-Zigaretten eine gesündere Alternative zum herkömmlichen Tabak-Qualm. Ein momentan diskutiertes Verbot der E-Zigarette würde Nikotinsüchtige wieder zum deutlich schädlicheren Rauchen verleiten. Zu diesem Fazit kommen zwei Wissenschaftler, die bisherige Studien zu der rauchfreien Glimmstengel-Imitation ausgewertet haben.

Aus ihrer Sicht sei der gesundheitliche Nutzen höher einzustufen als die offenen Fragen, die Kritiker anführen. Die Wissenschaftler betonen, dass hinter ihren Aussagen keinerlei Interessen von Herstellern stecken. Über ihre Auswertung berichten Zachary Cahn von der University of California in Berkeley und Michael Siegel von der Boston University School of Public Health im Fachmagazin „Journal of Public Health Policy“.

E-Zigaretten verbrennen keinen Tabak, sondern ein Akku erhitzt stattdessen flüssiges Nikotinkonzentrat, das dann als Dampf inhaliert werden kann. Sie sehen aus wie Zigaretten, imitieren beim Zug sogar das Glimmen und geben Aromastoffe ab, die die Illusion einer normalen Zigarette verstärken.

Seit einigen Jahren sind entsprechende Produkte unterschiedlicher Hersteller auch in Europa erhältlich. Kritiker sagen, es sei zu wenig über mögliche Schadstoffe der E-Zigaretten bekannt, und es gebe keine Vorschriften dazu.

Außerdem könnten elektronische Zigaretten neue Konsumenten ansprechen, beispielsweise Jugendliche, und damit das Problem des Nikotinkonsums sogar verstärken. Die EU-Kommission erwägt deshalb momentan, die E-Zigaretten einer strengen Prüfung zu unterziehen. Eventuell könnte so das Ende des legalen Konsums bevorstehen. Ähnliche Entwicklungen gibt es auch in den USA.

Cahn und Siegel werteten für ihre Untersuchung 16 Studien aus, die sich mit den Inhaltsstoffen von E-Zigaretten befasst haben. Sie kamen daraufhin zu dem Ergebnis, dass der Nikotindampf im Durchschnitt etwa tausendmal weniger krebserregende Stoffe aufweist als Tabakqualm.

Es sei allerdings nicht immer bekannt, was die Hersteller dem Nikotinkonzentrat der unterschiedlichen E-Zigaretten beimischen - solche Unklarheiten gebe es aber auch bei normalen Zigaretten: Eigentlich wissen wir sogar genauer, was in den E-Zigaretten drin ist, sagt Michael Siegel.

Die Studien, die die Forscher analysiert haben, geben auch Hinweise darauf, dass E-Zigaretten das Rauchverlangen mindern und damit auch als Alternative zu Nikotin-Pflastern oder –Kaugummis dienen können. Durch die Imitation des Zigaretteneffekts sei der Bruch mit den Gewohnheiten von Rauchern nicht so groß, und so könne eine Übergangsmöglichkeit zur Rauchfreiheit entstehen.

Cahn und Siegel räumen ein, dass Regelungen und weitere Studien zu E-Zigaretten nötig seien. Trotzdem bleiben sie bei ihrer kritischen Sicht auf ein Verbot: „Die einzigen, die davon profitieren würden, sind die Zigarettenhersteller, für deren Umsätze die tabakfreie Alternative eine Bedrohung darstellt“, sagt Michael Siegel.