Bevölkerungswachstum

Statistik-Panne - Berlin fehlen 23.000 Kita-Plätze

Ursprünglich war die Berliner Bildungsverwaltung von 9000 fehlenden Kita-Plätzen bis 2015 ausgegangen, doch nach der Bereinigung der statistischen Daten ist nun klar: Es sind 23.000. Jetzt muss völlig neu geplant werden.

Foto: Marion Hunger

Der Mangel an Kita-Plätzen in Berlin in den nächsten vier Jahren ist viel größer als bisher angenommen. Das teilte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) am Donnerstag im Jugendausschuss des Abgeordnetenhauses mit. Nach der neuen Prognose müssen nach Angaben der Bildungsverwaltung bis zum Jahr 2015 voraussichtlich 23.000 neue Kita-Plätze geschaffen werden. Und auch nach 2015 werde der Bedarf laut Prognose weiter steigen. Bisher ist die Bildungsverwaltung von etwa 9000 fehlenden Plätzen ausgegangen. Ab dem Jahr 2015 rechnete die Verwaltung aufgrund der rückläufigen Geburtenzahlen sogar mit einem Überschuss an Kita-Plätzen.

Grund für die veränderte Prognose sind die bereinigten Geburtenzahlen des Landesamts für Statistik Berlin-Brandenburg. Demnach wurden im vergangenen Jahr 32.982 Kinder in Berlin geboren, 2038 mehr als bisher angenommen. Etwa 70 Prozent davon werden nach Annahmen der Bildungsverwaltung nach dem ersten Lebensjahr einen Kita-Platz beanspruchen. „Bisher sind wir in den Berechnungen immer davon ausgegangen, dass 2012/13 der Höhepunkt des Kinderzuwachses errecht wäre“, sagt Christian Walther, Sprecher der Bildungsverwaltung. Jetzt sehe es so aus, als ob es selbst im Jahr 2015 noch einen Mehrbedarf von mehreren Tausend Plätzen gebe. Im laufenden Jahr fehlen nach der neuen Berechnung 6000 Kita-Plätze.

„Die neue Bevölkerungsprognose erfordert eine neue Kita-Planung“, sagte Zöllner. Bisher hatte der Senator immer darauf verwiesen, dass vorhandene Einrichtungen insgesamt genügend Kapazitäten hätten. Lediglich punktuell könne es einen Mangel geben. Davon war am Donnerstag im Jugendausschuss nichts mehr zu hören. Stattdessen kündigte der Senator an, dass die Fördermittel auf die Schaffung neuer Kita-Plätze für Kinder zwischen ein und drei Jahren konzentriert werden sollen. Zudem soll der Bau von Kindertagesstätten auch bei der städtebaulichen Förderung Vorrang haben. Die Bezirke müssten dringend ihre Planungen für die einzelnen Stadtteile korrigieren, so der Senator. Zöllner kündigte außerdem an, dass die Erzieherfachschulen ausgebaut werden sollen. Verstärkt sollen auch Quereinsteiger für den Erzieherberuf angeworben werden. Denn schon bisher können viele Kita-Plätze nicht belegt werden, weil die nötigen Fachkräfte fehlen.

„Ich bin froh, dass mein jahrelanger Kampf für den Ausbau der Kita-Plätze endlich ernst genommen wird“, sagt Monika Herrmann, Jugendstadträtin von Friedrichshain-Kreuzberg (Grüne). Sie sei von den neuen Zahlen nicht überrascht, schließlich habe der Bezirk in seiner eigenen Statistik längst die gestiegenen Geburtenzahlen berücksichtigt. In Friedrichshain-Kreuzberg würden derzeit 2000 Kita-Plätze fehlen. „In allen Einrichtungen gibt es Wartelisten“, sagt die Stadträtin. Erleichtert reagiert die Stadträtin auf die Ankündigung, dass nun auch der Neubau von Kindertagesstätten gefördert werden soll.

Die jugendpolitische Sprecherin der CDU, Emine Demirbüken-Wegener, wirft dem Senat vor, den Kita-Platz-Mangel zu lange ignoriert zu haben. Erst in der letzten Jugendausschusssitzung seiner Amtszeit habe Bildungssenator Zöllner seine bisherige Haltung korrigiert. „Lange bevor die zugrunde gelegte Bevölkerungsprognosen amtlich wurden, war klar, dass Berlin eine überaus positive Bevölkerungsentwicklung und insbesondere einen hohen Anstieg in der Geburtenrate verzeichnen wird“, sagte die CDU-Politikerin. Viele innerstädtische Bezirke hätten bereits zu Beginn des Jahres 2010 deutliche Engpässe bei dem Angebot an Kita-Plätzen gemeldet. Bei der Aufstellung des Doppelhaushalts habe der Senat jedoch diese absehbare Entwicklung nicht berücksichtigt. Die CDU fordert deshalb, eine entsprechende Vorsorge im Doppelhaushalt 2012/2013 zu treffen.