Zahlreiche Hinweise

Autobrandstifter - Polizei rechnet mit Durchbruch

Die Polizei bekommt mittlerweile zahlreiche Hinweise auf Autobrandstifter. Bei Ermittlern wächst die Hoffnung: „Ein Fehler, und wir haben sie." Im Fall eines Kindewagen-Brandstifters hat es offenbar schon geklappt.

Autobrände und kein Ende: In der Nacht zu Freitag standen in Berlin erneut 17 Fahrzeuge in Flammen. Es war die vierte Nacht in Folge, in der die Brandstifter zuschlugen. Von Montag bis Freitag wurden dabei insgesamt 73 Wagen zerstört. Die Berliner sind ob der unheimlichen Brandserie besorgt und alarmiert zugleich: So gehen aus allen Teilen der Stadt unentwegt Hinweise ein, seit die Polizei die Bevölkerung um Hilfe gebeten hat.

Bei zwei Bränden in der Nacht zu Freitag konnten Zeugen Angaben über verdächtige Personen machen, die sich zum Zeitpunkt der Brände in unmittelbarer Nähe der Fahrzeuge aufgehalten hatten. „Die Reaktionen aus der Bevölkerung zeigen, dass die Berlinerinnen und Berliner genug haben von den feigen Brandstiftungen und dem Aufruf folgen, ihre Polizei zu unterstützen“, sagte Polizeisprecher Frank Millert.

Auch wenn die gesichteten Verdächtigten vom Tatort verschwanden, bevor die Polizei eintraf, wächst bei den Ermittlern die Hoffnung, bald einen Durchbruch zu erzielen. „Serientäter werden irgendwann leichtsinnig. Ein Fehler, und wir haben sie“, zeigte sich ein Fahnder am Freitag demonstrativ optimistisch.

Mit mehr als 100 Fahndern ist die Berliner Polizei seit Beginn der Woche jede Nacht im Einsatz, um verdächtige Radfahrer und Passanten zu kontrollieren. Dabei setzt die Kriminalpolizei auch Wärmebildkameras und weitere moderne Technik sowie einen Hubschrauber ein. Funkstreifenbesatzungen und Gruppenstreifen aus den geschlossenen Einheiten zeigen stadtweit Präsenz. Den oder die Autobrandstifter konnten die Ermittler bisher aber dennoch nicht fassen.

Bei Hausflurbänden kann die Polizei bereits Erfolge melden. So steht die Serie der Kinderwagen-Brände in Prenzlauer Berg vor der Aufklärung. Einem 29-jährigen Mann aus Neukölln, der Freitagmorgen festgenommen wurde, werden elf solcher Brandstiftungen zur Last gelegt. Der Mann werde am Sonnabend einem Haftrichter vorgeführt, sagte Polizei-Sprecher Frank Millert am Abend. Die Polizisten hatten den 29-Jährigen observiert, während er Zeitungen austrug. Als es in einem Hausflur brannte, schlugen die Beamten zu.

Wahlkampfthema Autobrände

Die anhaltende Brandserie wird nun immer mehr zum Wahlkampfthema. Am Freitag nutzte der Generalsekretär der FDP, Christian Lindner, die Vorstellung eines neuen Wahlkampfplakates der Liberalen, das brennende Autos und die Frage zeigt: „Erst Autos und dann …?“, zu einer Attacke auf den rot-roten Senat. Er warf der Landesregierung eine falsche politische Weichenstellung vor. „Der rot-rote Senat hat in den vergangenen Jahren 4000 Stellen bei der Polizei gestrichen“, sagte Lindner. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe griff direkt den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) an. „Das Thema Sicherheit hat bei Wowereit offenkundig keinen Stellenwert“, sagte er „Spiegel online“. Neben dem Stellenabbau bei der Polizei sagte Gröhe auch, dass Wowereit es seit Wochen nicht geschafft habe, einen neuen Polizeipräsidenten zu benennen.

Auf die Plakate mit brennenden Autos, die neben der FDP auch die CDU ab Montag in der Stadt aufhängen wird, reagierte die Spitzenkandidatin der Grünen mit Kritik. Renate Künast bezeichnete diese Motive als „unanständig“. „Ich warne davor, dass irgendjemand anfängt, das populistisch zu missbrauchen“, sagte sie. Künasts Initiative zu einer gemeinsamen Erklärung zur Ächtung der Brandstiftungen durch alle im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien scheiterte. Sowohl CDU als auch FDP lehnten diesen Vorstoß ab. „Generell denke ich, dass es genug Appelle gegeben hat, jetzt ist Zeit für Taten“, schrieb CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel an Künast.