Bewährungsstrafe

Pflegedienstleiter gesteht sexuelle Nötigung

Ein wegen sexueller Nötigung angeklagter Altenpfleger ist zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Der stellvertretende Pflegedienstleiter hatte unterstellte Mitarbeiterinnen sexuell bedrängt. Aus Angst schweigen einige Opfer bis heute.

Katrin L.hatte wochenlang geschwiegen. Sie hatte sich nicht mehr geschminkt, ihre Figur mit weiter Kleidung verhüllt, war einsilbig geworden. Erst als Kolleginnen fragten, was mit ihr los sei, brach alles aus ihr heraus. Für ihren Chef bedeutete es die fristlose Kündigung. Am Freitag verurteilte ein Moabiter Schöffengericht den ehemaligen stellvertretenden Pflegedienstleiter eines Seniorenheims zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis, ausgesetzt auf Bewährung. Die Vorwürfe lauteten sexuelle Nötigung und Körperverletzung.

Es war ein kurzer Prozess. Der 36-jährige René H. gab vor Gericht sofort alles zu. Der gelernte Altenpfleger hatte im Frühjahr und Sommer vergangenen Jahres Mitarbeiterinnen, die ihm unterstellt waren, immer wieder sexuell bedrängt. Einige Frauen, sagte eine Nebenklagevertreterin, hätten aus Angst und Scham über diese Vorfälle bis heute keine Meldung erstattet.

Am Busen und Po begrapscht

Und auch die 20 Jahre alte Praktikantin Katrin L. hatte ja zunächst alles für sich behalten. Nicht zuletzt weil ihr der stellvertretende Pflegedienstleiter sagte, sie wolle doch nach ihrem Praktikum in dem Seniorenheim in Spandau eine Ausbildungsstelle bekommen. Sie solle sich also nicht so haben. Er hatte ihr Gesicht zwischen seine Hände genommen und sie geküsst. Hatte sie schmerzhaft an der Brust, am Po und zwischen den Beinen begrapscht. Hatte sie gegen Schränke oder auch gegen ein Treppengeländer gedrängt, sich an ihr gerieben und ihr zugeraunt, dass sie „einen geilen Busen“ habe und ihn auch sonst „unheimlich scharf“ mache. In einem Fall schleuderte er die junge Frau auch mit Wucht gegen eine Wand. Es störte ihn nicht, dass sie ihm immer wieder sagte, sie wolle mit ihm keinen Sex; dass sie sich angeekelt abwendete, wenn er sie küssen wollte und seine Hände zurückstieß. Ein Schlusspunkt wurde erst gesetzt, als im August 2010 eine Kollegin, die Altenpflegerin Dana Ha., einen Nervenzusammenbruch erlitt. Die Physiotherapeutin Christiane E. kümmerte sich um sie. Beim Gespräch zwischen den Frauen kam heraus, dass beide in der zurückliegenden Zeit von René H. sexuell belästigt worden waren. Und jetzt wurde Christiane?E. auch klar, warum sich die Praktikantin Katrin L. so sehr verändert hatte. Als sie die junge Kollegin darauf ansprach, begann diese zu weinen und bestätigte den Verdacht. Die Frauen gingen dann zu dritt zur Pflegedienstleitung. René H. wurde noch am selben Tag vom Dienst suspendiert und bekam ein paar Tage später eine fristlose Kündigung.

Vor Gericht sagte der gelernte Altenpfleger, dass es ihm „wirklich sehr leidtut“, was er den ihm unterstellten Kolleginnen angetan habe. Es würde sich aber nicht mehr wiederholen, er sei jetzt in psychologischer Behandlung. Arbeit hat er inzwischen in einem anderen Seniorenheim gefunden. Anfangs, berichtete die Nebenklagevertreterin, habe er dort sogar wieder in der Pflegedienstleitung gearbeitet. Als jedoch herausgekommen sei, dass gegen ihn ein Verfahren wegen sexueller Nötigung von unterstellten Mitarbeiterinnen laufe, sei er sofort zum normalen Altenpfleger degradiert worden. Von den rund 1200 Euro, die er netto verdient, muss er ein Jahr lang jeden Monat rund 170 Euro auf das Konto der Nebenklagevertreterin überweisen – Schmerzensgeld für die Frauen, die er sexuell nötigte. Das ist eine Auflage des Gerichts. Ansonsten wird die Bewährung widerrufen.