Prozess

Pfleger wegen sexueller Belästigung verurteilt

Wegen sexueller Belästigung von Kolleginnen am Arbeitsplatz ist in Berlin ein früherer stellvertretender Pflegedienstleiter zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Eines seiner Opfer war eine Praktikantin.

Nach einer Serie sexueller Übergriffe auf drei Kolleginnen ist ein Altenpfleger am Freitag von einem Berliner Amtsgericht zu 22 Monaten Haft mit Bewährung verurteilt worden. Der 36-Jährige muss den Frauen insgesamt 2000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der damalige stellvertretende Pflegedienstleiter eines Seniorenheims im Stadtteil Spandau hatte gestanden, die Frauen gegen deren Willen geküsst und begrapscht zu haben. Der Angeklagte wurde danach entlassen. Im Prozess erklärte er, es tue ihm „von Herzen“ Leid.

Der 36-Jährige wurde wegen Körperverletzung, sexueller Nötigung und Beleidigung verurteilt. Zwischen März und August 2010 wurden neun Fälle ermittelt. Vor allem war eine 20 Jahre alte Praktikantin betroffen, die der Angeklagte mehrfach gegen ihren Willen bedrängt hatte. Einmal hatte er die junge Frau mit Wucht gegen eine Wand geschleudert. Dabei hatte er gedroht, „sie solle bedenken, dass sie eine Ausbildung zu verlieren habe“.

Mit seinem Geständnis hatte der Angeklagte den Frauen eine Aussage vor Gericht erspart. Ihre Anwältin verwies auf die psychischen Folgen für die Opfer. Sie seien jeden Tag schutzlos und mit Angstgefühlen zur Arbeit gegangen. Treffen mit dem für sie weisungsgebenden Pfleger hätten sich nicht vermeiden lassen. Die Situation sei für die Frauen extrem belastend gewesen, stellte auch das Gericht fest. Der Angeklagte habe seine Position ausgenutzt.

Reue und Einsicht wurden strafmildernd bewertet. Der Altenpfleger hatte beteuert, es werde nie wieder zu solchen Taten kommen. Der Mann ist in psychologischer Behandlung. Seine Opfer hatten keine Einwände gegen eine Bewährungsstrafe. Sie wollten erreichen, dass anderen Frauen nichts passiere, erklärte die Nebenklagevertreterin.

( dpa/sei )