Doppelmord in Wedding

Ärzte kämpfen um das Leben des dritten Opfers

Die Polizei fahndet nun im gesamten Schengen-Raum nach Mehmet Y., der in Berlin-Wedding zwei Angehörige erschossen haben soll. Im Krankenhaus kämpft sein schwer verletzter Ex-Schwager weiter um sein Leben.

Während Spezialeinheiten der Berliner Polizei nach wie vor auf der Jagd nach dem mutmaßlichen Doppelmörder Mehmet Y.sind und die Fahndung auf den gesamten Schengen-Raum ausgeweitet wurde, kämpfen die Ärzte im Krankenhaus um das Leben eines seiner Opfer. Der Bruder seiner Ex-Frau – Ferit C. – musste in den Morgenstunden des Sonnabend erneut operiert werden. Der Mann war entgegen ersten Berichten nicht in den Kopf, sondern in Arm und Hüfte getroffen worden. Plötzliche starke innere Blutungen machten einen neuerlichen Eingriff nötig. Nach einem kurzen Blickkontakt mit seinem Vater wurde der junge Mann wieder ins künstliche Koma versetzt. Nach Angaben von Bekannten sollen seine Überlebenschancen bei 50 Prozent liegen.

Mehmet Y. soll am vergangenen Donnerstag bei der versuchten Ermordung seiner Ex-Frau an der Kolberger Straße in Wedding seine Schwägerin Leyla C. (22) und Schwiegermutter Nevin C. (45) erschossen und Ferit C. schwer verletzt haben. Bislang gingen 30 Hinweise bei der Polizei ein. Doch der 25-Jährige konnte noch nicht gestellt werden. Auch der Einsatz eines speziell auf Witterung eingesetzten Hundes, der aus Nordrhein-Westfalen eingeflogen worden war, hatte keinen Erfolg gebracht. Am Sonnabend veröffentlichte die Polizei allerdings ein neues, aktuelleres Bild von ihm. Es stammt aus diesem Jahr. Darauf trägt der Mann im Unterschied zum ersten Fahndungsfoto die Haare etwas länger und einen Bart.

Zahlreiche Seitensprünge

Immer noch sichern schwer bewaffnete Polizisten die Wohnung der Familie an der Hochstraße, in der seine Ex-Frau Feride nach der Trennung im Jahr 2010 lebt. Die Scheidung ist nach Informationen von Morgenpost Online seit Mai 2011 rechtskräftig. Die 24-Jährige hatte den Anschlag körperlich nahezu unverletzt überlebt, sie erlitt lediglich ein Hämatom am Auge, als das Fahrzeug nach den Todesschüssen plötzlich zum Stehen kam. Doch die Tragödie hat die große Familie in einen Schockzustand versetzt, sie wird von Psychologen betreut.

Feride und Mehmet Y. hatten 2006 geheiratet. Nach Angaben von Bekannten der beiden sollen die ständigen Seitensprünge des Mannes die junge Frau aber dazu gebracht haben, die Scheidung einzureichen. In der Folge sei es zu regelrechten Stalking-Aktionen des Mannes gekommen. Im vergangenen Jahr, so heißt es im Weddinger Kiez, sei Y. bei seinem Schwiegervater erschienen, habe um Vergebung gebeten und Besserung versprochen. „Doch bereits wenig später soll er bereits wieder im Bett einer anderen Frau gelegen haben. Das war der Familie dann endgültig zu viel“, so ein Bekannter. Der Vater von Feride Y. soll von Anfang an gegen die Bindung der Beiden gewesen und auch deshalb nicht zur Hochzeit erschienen sein.

psavUnter den Landsleuten der türkischstämmigen Familie an der Hochstraße schlagen die Betroffenheit und das Entsetzen über die Bluttat mittlerweile mehr und mehr in Hass um. Gerade junge türkische Männer wünschen sich, den Gesuchten im Kiez zu treffen und die „Sache selbst zu regeln“. Wer auf unbewaffnete Frauen schieße, sei ein verachtenswerter Feigling, so ein Anwohner. „Sollte der Mann sich nicht inzwischen selbst erschossen haben, wünsche ich mir doch sehr, dass er in der Türkei gestellt und auch dort verurteilt wird. Die Strafen dort sind einfach härter und schlimmer. Und genau das hat er verdient.“

Zum genauen Stand der Fahndung macht die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben. Einem Sprecher zufolge gebe es eine Vielzahl von Maßnahmen, an denen auch das Spezialeinsatzkommando (SEK) beteiligt sei. Einzelheiten zu den Maßnahmen wurden nicht genannt. Mehmet Y. dürfte nach wie vor im Besitz der Tatwaffe und dementsprechend gefährlich sein. „Wer am helllichten Tag auf eine Familie schießt, wird sicherlich keine Skrupel haben, sich mit allen Mitteln der Festnahme entziehen zu wollen“, so ein an den Ermittlungen beteiligter Beamter. Hinweise zum Aufenthalt des Gesuchten nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Polizei und Staatsanwaltschaft suchen nach dem tatverdächtigen Mehmet Y.. Sie fragt:

Wer kann Angaben zu den Geschehnissen am Tatort machen?

Wer kann Hinweise zum derzeitigen Aufenthaltsort von Y. geben?

Hinweise nehmen die 3. Mordkommission des Landeskriminalamtes in der Keithstraße 30 in Berlin-Schöneberg unter der Rufnummer (030) 4664- 911333 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen. Bilder des Gesuchten finden Sie auf der Internetseite der Berliner Polizei.