Zauberflöte

Warum Mozart jetzt am Wannsee an Land geht

Aus der Seebühne wird eine Uferbühne: Mit der Verlegung der Aufführung von Mozarts "Zauberflöte" vom Wasser ans Land wollen die Veranstalter die nötigen Genehmigungen für das Musikspektakel bekommen.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Die geplante Opernbühne auf dem Wannsee wird es nicht geben. Um die Premiere der Zauberflöte am 11. August 2011 nicht zu gefährden, weichen die Veranstalter der Seefestspiele aufs Land aus. Oberhalb des Strandes auf der Ostseite des Strandbad-Riegels wird auf der Wiese ab diesen Donnerstag früh die 18 Meter hohe Pyramide aufgebaut, die als Bühnenbild für die Inszenierung von Katharina Thalbach dient.

Mit diesem Kompromiss ist der Streit zwischen Veranstalter Peter Schwenkow und seiner Deutschen Entertainment AG (Deag) und der Berliner Umweltverwaltung sowie dem Wasser- und Schifffahrtsamt um die Genehmigungen für das Opernspektakel im Wasserschutzgebiet beigelegt. Die Umweltverwaltung der Senatorin Katrin Lompscher (Linke) habe telefonisch in Aussicht gestellt, die Veranstaltung „gemäß Lärmschutz“ zu genehmigen, teilte die Deag am Mittwochnachmittag mit. Der Lärmschutz war aber nie ein Problem für die Seefestspiele, weil die Aufführung ohnehin nur bis 22 Uhr dauern soll.

So weit wie die Deag wollte das Haus Lompscher nicht gehen. Eine abschließende Stellungnahme liege noch nicht vor, auch fehlten weiterhin Unterlagen der Veranstalter. „Wir begrüßen natürlich, dass der Veranstalter aus der engen Wasserschutzzone am Ufer rausgegangen ist“, sagte die Sprecherin von Senatorin Lompscher.

Indem die Veranstalter den See als Bühnenstandort sowie den Strand als Grund für die geplante Tribüne für 4700 Zuschauer meiden, umgehen sie die wichtigsten Schwierigkeiten für eine Genehmigung. Denn unter dem Strand läuft parallel zum Wasser eine ein Meter dicke Trinkwasserleitung der Berliner Wasserbetriebe, die von schweren Lasten wie Lkw oder Tribünenbauten womöglich eingedrückt worden wäre. Weil es für diese Probleme offenbar keine Lösung gab, die die Ämter zufrieden stellte, hatten die Behörden dem Veranstalter Schwenkow bis zuletzt eine Genehmigung für das ursprüngliche Konzept der Seebühne versagt. Das Wasser- und Schifffahrtsamt wartete noch am Montag auf die Anträge, einen überbreiten Schubverbund zu bilden, um die Bühnenpontons von Gatow über die Bundeswasserstraße Havel in den Wannsee zu bugsieren. Nun wird die Bühne über Land per Lastwagen angeliefert.

Tribüne für 2000 Zuschauer

Unter den Organisatoren gab man sich zuversichtlich, dass die 33.000 Opernfreunde, die bereits Karten für die Zauberflöte im Vorverkauf erstanden haben, auch die neue Perspektive auf den Wannsee genießen werden. Nun wird es eine verkleinerte Tribüne für 2000 Zuschauer geben sowie eine leicht ansteigende Parkettbestuhlung für weitere 2000 Menschen.

„Wir haben uns bewegt, im wahrsten Sinne des Wortes“, sagte Deag-Chef Peter Schwenkow, der sich die Seefestspiele drei Millionen Euro kosten lässt. Dass Kunden enttäuscht reagieren könnten, weil es eben doch keine Seebühne wie im berühmten Vorbild Bregenz am Bodensee geben wird, glaubt Schwenkow nicht. Auch vom neuen Standort sei der Blick aufs Wasser „ziemlich cool“, sagte Schwenkow. Die Pyramide des Bühnenbildes werde so gestellt, dass gegen 21 Uhr die untergehende Sonne genau durch das Loch in der Pyramidenmitte strahlen werde. „Ich bin mit dieser Lösung sehr zufrieden“, sagte Intendant Christoph Dammann. Schwenkow betonte, die Menschen hätten eine hochwertige Zauberflöte in zauberhafter Atmosphäre am Wannsee bestellt, das würden sie auch bekommen.

Drei Gründe haben nach Aussagen Schwenkows den Ausschlag gegeben, mit den Seefestspielen dann doch auf höher gelegenes Land auszuweichen. Um den Zuschauern Komfort und gute Sicht bieten zu können, sei eine Tribüne unbedingt notwendig. Vorschläge, die Gäste könnten sich in den Sand setzen, hielt Schwenkow bei Eintrittspreisen zwischen 40 und 80 Euro für nicht angemessen. Zudem hätte die Seebühne wegen des derzeit niedrigen Wasserstandes im Wannsee bis zu 75 Meter vom Strand abrücken müssen. In dieser Entfernung hätte man neben der Pyramide Videoprojektionen abspielen müssen, um das Bild zu füllen. Das sei für eine Oper aber nicht gut.

Und die Regisseurin Katharina Thalbach fürchtete um die Qualität ihrer Inszenierung. Sie sah ihr Klang- und Lichtdesign gefährdet, wenn die Türme mit Boxen und Projektoren nicht wie geplant hätten aufgestellt werden können.

Wegen dieser Schwierigkeiten hatten Schwenkows Experten schon länger an der Alternativlösung an Land gearbeitet. Ein Vorteil, jetzt nicht mehr in der strengeren Wasserschutzzone 2 zu arbeiten, sei das vereinfachte Genehmigungsverfahren. Jetzt habe nicht mehr die Senatsverwaltung für Umwelt das Sagen, sondern der Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Und der war der Initiative Schwenkows schon immer sehr wohl gesonnen. „Wir haben heute den 300 Seiten starken Bauantrag in sechsfacher Ausfertigung erhalten und werden nach genauer Prüfung genehmigen“ sagte am Mittwoch Norbert Kopp, der Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf. „Dann steht den ersten Seefestspielen Berlin nichts mehr im Wege.“

Der Weg dorthin war steinig, seit Schwenkow mit seinem Plan zunächst im Frühjahr in Potsdam gescheitert war, wo er ebenfalls keine Genehmigung für eine Seebühne vor der Halbinsel Hermannswerder bekommen hatte. Nach langem Hin und Her hatte die Umweltbehörde vergangene Woche die Genehmigung versagt. Erst eine Elefantenrunde beim Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit, der an dem privat finanzierten Kulturereignis hohes Interesse hat, brachte die verhärteten Fronten in Bewegung.